Todeskampf um Kinderrechte
Eine 14-Jährige wurde Opfer eines Angriffs durch Taliban. Dabei wollte sie nur zur Schule gehen. Viele Pakistani fürchten einen Rückschlag.

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Sie wollte nur zur Schule gehen. Dafür hatte sich Malala Yousafzai über Jahre hinweg starkgemacht, sich deswegen mit den mächtigen Taliban im Nordwesten Pakistans angelegt und nun kostet sie ihr Einsatz für Kinderrechte womöglich das Leben. Noch immer liegt die junge pakistanische Friedenspreisträgerin auf der Intensivstation. Denn Taliban-Kämpfer stoppten am Dienstag im malerischen Swat-Tal ihren Schulbus, zogen die 14-Jährige aus den Reihen ihrer Schulfreundinnen und schossen ihr in den Kopf.
"Laut Gehirnspezialisten und Intensivmedizinern ist Malalas Zustand zufriedenstellend, aber die nächsten 36 bis 48 Stunden sind entscheidend", sagte ein ranghoher Soldat des betreuenden Militärkrankenhauses in Rawalpindi. Die 14-Jährige werde beatmet und ständig überwacht.
Als Grund für den Überfall auf Yousafzai nannten die Taliban ihr Engagement für die Bildung von Mädchen. In den Jahren 2007 bis 2009, als die Taliban das Swat-Tal beherrschten, wurde Malala berühmt, weil sie die Zustände per Blog beschrieb. Als die Extremisten vertrieben waren, trat sie öffentlich für das Recht auf Erziehung von Mädchen ein.
Malala Yousufzai stammt aus einer Aktivistenfamilie; der Vater unterstützte die Schülerin bei ihren für konservative Moslems schwer zu verkraftenden Auftritten. Gerade in den Berggebieten nahe der Grenze zu Afghanistan verweigern viele Eltern und Dorfgemeinschaften Mädchen den Schulbesuch.
Das Motiv für den Mordversuch dürfte weniger mit den Ansichten des Mädchens zu tun haben. Die Taliban-Milizen Pakistans verfolgen vielmehr eine systematische Strategie der Einschüchterung. Die Botschaft: Wer öffentlich gegen die radikal-islamischen Milizen und ihre religiösen und politischen Vorstellungen wettert, riskiert sein Leben. Die Folge ist das "Schweigen des Schreckens", das weite Teile Pakistans überzieht.
Malala Yousufzai war eine der wenigen Pakistanerinnen, die es wagten, öffentlich ihre Forderungen zu erheben. Nachdem am 4. Jänner 2011 Salman Taseer, der als liberal geltende Gouverneur der Provinz Punjab, von einem Leibwächter ermordet und später die Gründerin einer privaten Hilfsorganisation niedergeschossen wurde, gab es zwar einen kurzen empörten Aufschrei liberaler Pakistaner. Inzwischen wagen sie es allenfalls, anonym im Internet ihre Meinung kundzutun.
Zur Ergreifung der Täter setzte die pakistanische Regierung in Islamabad nun eine Prämie von zehn Millionen Rupien aus.











