Prozess im Mordfall Elisabeth W. wurde fortgesetzt
"Ich bin unschuldig". Mit diesen Worten des 27-jährigen angeklagten Tunesiers Lotfi D. wurde am Dienstag am Wiener Straflandesgericht der Prozess um die im September 2011 in ihrer Innenstadt-Wohnung erdrosselte 48-jährige Elisabeth W. fortgesetzt. Zeugenaussagen von Freunden und der Mutter des Opfers trugen jedoch nicht zur Entlastung des Angeklagten bei.
Lotfi D. ließ kaum eine Einzelheit aus, als er die sechs Tage währende Beziehung zu Elisabeth W. beschrieb. Mit der Tat selbst wollte der Tunesier allerdings nichts zu tun haben. Er habe einen netten Abend mit "Sissi" verbracht, an dem viel geraucht und getrunken worden war, und sei dann um 4.00 Uhr gegangen, um auf einer nahe gelegenen Bank erst einmal allein zu sein und über sein Leben nachzudenken.
In der selben Nacht hat sich Lotfi D. dann bei zwei Freunden, Hassan R. und Omar H., einquartiert. Diese gaben an, er habe ihnen einen teuren Ring und eine Halskette gezeigt, die er einer Frau, mit der er Sex gehabt hatte, gestohlen haben wollte.
Weitere Ungereimtheiten deckte Brigitta W. auf, die Mutter des Mordopfers. Die 74-jährige, schwer herzkranke Frau betonte, wie übertrieben ordnungsliebend und überaus vorsichtig Elisabeth W. gewesen sei. Es wäre ihr "unbegreiflich", warum ihre Tochter einen fremden Mann, den Angeklagten, freiwillig in ihre Wohnung mitgehen hätte lassen. Allerdings sei Elisabeth W. nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung sehr einsam und "ausgehungert nach Liebe und Zärtlichkeit" gewesen. Von etlichen sexuellen Beziehungen zu Männern, wie der Verteidiger von Lotfi D., Farid Rifaat, der Frau vorhielt, habe sie allerdings nichts gewusst.
Noch am Abend vor dem Verbrechen hatte Elisabeth W. ihre Mutter zu erreichen versucht, doch diese habe bereits geschlafen. "Als ich am nächsten Tag, gleich in der Früh, zurückgerufen hab, war das Handy abgeschaltet. Das war sehr ungewöhnlich." Erst zwei Tage später hat dann der Ex-Mann von Elisabeth W., der im Besitz eines Wohnungsschlüssels war, wovon die Mutter wusste, die Leiche der 48-Jährigen gefunden.
Der Prozess wird am Donnerstag, 11. Oktober, um 9.00 Uhr, fortgesetzt. An diesem Verhandlungstag dürfte auch mit einem Urteil zu rechnen sein.











