Über "Öster-Arm" und "Öster-Reich"
Das Vermögen ist in Österreich deutlich ungleicher verteilt als das Einkommen. Ein Zehntel der Haushalte verfügt über ein Nettovermögen von weniger als 1.000 Euro. Andererseits hat das oberste Fünftel mehr als 311.000 Euro, das oberste Zehntel sogar mehr als 542.000 Euro.

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Viele Staaten mögen ja durch und durch pleite sein. Auf die knapp 3,8 Millionen privaten Haushalte in Österreich trifft dieser Befund aber nicht zu. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hat keine oder sehr geringe Schulden, denen gar nicht so kleine Vermögenswerte gegenüberstehen. Das ergibt sich aus einer umfassenden Studie der Österreichischen Nationalbank, die erstmals in dieser Form durchgeführt wurde und in eine gemeinsame europäische Datenbank einfließen soll.
Gemäß den nun vorliegenden Rohdaten haben rund 40 Prozent aller Haushalte ein Nettovermögen zwischen null und 50.000 Euro. Weitere 30 Prozent liegen zwischen 50.000 und 250.000 Euro. Ein Viertel aller Haushalte kommt auf ein Nettovermögen von mehr als 250.000 Euro, während die restlichen fünf Prozent "unter null" liegen, also mehr Schulden als Vermögen besitzen.
265.000 Euro Vermögen
Erhoben wurde das Nettovermögen, das sind alle Wertsachen (etwa Immobilien, Fahrzeuge, Sparbücher, Aktien, Schmuck und Gemälde) abzüglich der Schulden. Basis war naturgemäß keine effektive Zählung, sondern eine Befragung von rund 2400 Haushalten. Unschärfen durch Antwortverweigerung und Fehlschätzung wurden nach Möglichkeit wissenschaftlich bereinigt. Trotzdem räumen die Autoren ein, dass es sich nur um Näherungswerte handelt, zumal etwa der reale Verkehrswert von Immobilien schwanken kann.
Die Ungleichheit der Vermögensverteilung ist beträchtlich: Ein Zehntel der Haushalte verfügt über ein Nettovermögen von weniger als 1000 Euro, die Hälfte der Haushalte besitzt weniger als 76.000 Euro. Andererseits hat das oberste Fünftel mehr als 311.000 Euro, das oberste Zehntel sogar mehr als 542.000 Euro. Der Durchschnittswert des Nettovermögens liegt bei 265.000 Euro, mehr als drei Viertel der Haushalte liegen darunter.
Die diversen Vermögensbestandteile sind sehr unterschiedlich verbreitet. So besitzen 97 Prozent der Haushalte Geldvermögen, aber nur 48 Prozent Haus- oder Wohnungseigentum. Zusätzliche Immobilien, die nicht als Hauptwohnsitz dienen, haben 13 Prozent. Drei Viertel besitzen mindestens ein Kraftfahrzeug, das durchschnittlich 13.088 Euro wert ist.
Die Mittelschicht lebt
Noch ungleicher verteilt als die Vermögen sind die Schulden. Demnach sind 64 Prozent der Haushalte völlig schuldenfrei. Weitere 18 Prozent haben Schulden unter 14.000 Euro. Nur rund sieben Prozent aller Haushalte stehen mit mehr als 67.000 Euro in der Kreide, und auch dort handelt es sich vorrangig um Kredite zur Finanzierung von Immobilieneigentum, sodass den Schulden hohe Vermögen gegenüberstehen. "Verkonsumierte" Schulden gebe es hingegen kaum, zumal Leasing und Kreditkartenfinanzierung in Österreich vergleichsweise gering verbreitet sind. Ein mitunter beklagtes "Wegbrechen der Mittelschicht" lässt sich aus der Erhebung jedenfalls nicht herauslesen.
Beim reinen Finanzvermögen zeigt sich, dass auf der Hälfte aller Girokonten weniger als 700 Euro liegen. Anders bei den Sparkonten (zu denen hier auch Sparbücher, Bausparverträge und Lebensversicherungen zählen): Hier liegt der Medianwert der Einlagehöhe bei 12.000 Euro, je die Hälfte liegen also darüber und darunter.
Zusammenhänge zwischen Haushaltsstruktur und Vermögen können wegen der Methodik (es werden ja "Haushalte" untersucht) nur sehr bedingt hergestellt werden. In der Tendenz zeigt sich - wenig überraschend -, dass einkommensstarke und ältere Menschen mehr Vermögen anhäufen als junge. Neun von zehn Haushalten haben ein Bruttoeinkommen von weniger als 79.000 Euro im Jahr, wobei hier Sozialtransfers, Vermögenseinkünfte und private Zuwendungen schon mitgerechnet sind. "Einkommen ist deutlich weniger ungleich verteilt als Vermögen", schreiben die Autoren.
Die Studie wird deshalb vor allem von SPÖ, Arbeiterkammer und Volkshilfe als Argument für die Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern gesehen. Tatsächlich zeigte sich, dass die Vermögensbildung häufig mit Erbschaften und großen Schenkungen im Zusammenhang steht.
Features
Die "Superreichen"
301 österreichische Haushalte fallen laut dem "Global Wealth Report 2011" der Boston Consulting Group in die Kategorie "Superreiche". Sie besitzen ein Vermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar (77,5 Millionen Euro).











