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    Zuletzt aktualisiert: 21.09.2012 um 21:57 UhrKommentare

    Der Streit um die Fortpflanzung

    Die Bioethikkommission empfiehlt weitreichende Änderungen des Fortpflanzungsmedizinrechts. Zu einem gemeinsamen Rat kam das 25-köpfige Gremium aber nicht. Kern des Konflikts ist der Streit um die Einschätzung von Embryonen.

    Foto © AP

    Zwei Jahre dauerte die Diskussion der Bioethikkommission des Bundeskanzleramts, ein gemeinsames Ergebnis brachte sie nicht zustande. Zu tief gehen die Auffassungsunterschiede in Bezug auf den richtigen Umgang mit der Fortpflanzungsmedizin. So entschied sich die Kommission, neben der Mehrheitsmeinung, für die 15 Mitglieder stimmten, auch die Position der sechs Gegner zu veröffentlichen.

    Die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, die Gendefekte bei Befruchtungen im Reagenzglas testet, soll begrenzt zugelassen werden, homosexuelle Paare sollen Zugang zur Fortpflanzungsmedizin erhalten, Eizellenspenden erlaubt werden, fordert die Mehrheit.

    Bei der Präsentation prallten gegensätzliche Ansichten ungebremst aufeinander. Kern des Konflikts ist der Streit um die Einschätzung von Embryonen, der schon die Debatte um die Fristenlösung dominiert hat. Auch unterschiedliche Familienbilder und Risikoeinschätzungen spalten die Gruppe.

    Das Papier des Bioethikrats ist eine Empfehlung. Aufgrund der Argumente kann die Regierung das Gesetz ändern. Einen Zwang zur Reform gibt es nicht, seit der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in letzter Instanz die Verurteilung der Republik Österreich aufgehoben hat.

    Wovor die Minderheit warnt

    Die Gegner plädieren für eine Beibehaltung der Gesetzeslage, da der Europäische Menschenrechtsgerichtshof Österreich nicht zur Änderung zwinge. In der Diskussion sollte nicht nur das Wohl geborener Kinder berücksichtigt werden, sondern auch das von Embryonen und Föten. Gefordert werden das Verbot des Imports von embryonalen Stammzellen und ein Festhalten am Verbot der "verbrauchenden Embryonenforschung". Eizellspenden lehnt die Minderheit ab und führt dafür zahlreiche Gründe an. Die Spenderin setze sich gesundheitlichen Risiken aus, die von Unfruchtbarkeit bis zu erhöhter Krebsgefahr reichen, argumentieren die Gegner. Außerdem warnen sie vor dem ökonomischen Druck auf potenzielle Spenderinnen.

    Gesellschaftspolitische Unterschiede werden in der Argumentation gegen die Ausweitung der Fortpflanzungsmedizin auf homosexuelle Paare sichtbar. Grundsätzlich, schreiben die Gegner, sei zwar "jede Form der Elternschaft geeignet, eine gedeihliche Entwicklung der Kinder zu ermöglichen". Die höchste Wahrscheinlichkeit dafür gewährleiste jedoch eine "stabile Beziehung zu Personen beiderlei Geschlechts".

    Besonders heftig ist die Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik. "Die PID ist weder Therapie noch reine Diagnostik, sondern immer Selektion des betroffenen Embryos", heißt es in der Gegenposition. Außerdem erhöhe die PID die Erfolgsrate bei IVF-Verfahren nicht. Die sechs Unterzeichner der Gegenposition empfehlen eine eingehende Untersuchung der Ursachen für die zunehmende Unfruchtbarkeit. Sie vermuten die immer spätere Mutterschaft als Hauptgrund. Dagegen sei nur durch politische Förderung von Familien anzukommen.

    Was die Mehrheit empfiehlt

    Lesbische Paare und alleinstehende Frauen sollen nach Auffassung der Mehrheit der Bioethikkommission "Zugang zur Fortpflanzungsmedizin" erhalten. Für homosexuelle männliche Paare gibt es keine solche Empfehlung. Der Grund ist die Ablehnung der "Leihmutterschaft". Homosexuelle Männer brauchen eine Leihmutter, um das Kind auszutragen. Der Zwang zur Herausgabe des Kindes und die Gefahr der Ausbeutung hinderten die Unterzeichner, diese Möglichkeit zu eröffnen.

    Eizellenspenden sollen Samenspenden gleichgestellt werden. Die Empfängerin muss allerdings noch in einem Alter sein, in dem sie selber Kinder haben könnte, um einen zu großen Altersunterschied zu vermeiden, schreibt die Kommission. Die Gefahr der Ausbeutung bedürftiger Frauen will die Kommission durch ein "Gewinnverbot" bannen, wie es auch bei Gewebsspenden gilt. Die "freie Einwilligung" der Spenderin meint auch "Freiheit von wirtschaftlichen und sozialen Zwängen", heißt es.

    Bei der Präimplantationsdiagnostik, also der Untersuchung der genetischen Gesundheit des Embryos vor seiner Einpflanzung in die Gebärmutter, plädiert die Kommission für eine teilweise Liberalisierung. Wer mehrmals vergeblich die In-vitro-Fertilisation (IVF), also die Befruchtung im Reagenzglas mit nachträglicher Übertragung des Embryos in die Gebärmutter, versucht hat, soll eine solche Untersuchung machen dürfen. Dasselbe soll für Eltern mit Erbkrankheiten gelten. Außerdem empfiehlt die Kommission, die Legalisierung von Embryonenspenden für kinderlose Frauen "kritisch zu untersuchen".

    THOMAS GÖTZ

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    Grafik © Kleine Zeitung

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