"Als ob sie ein zweites Mal geboren wäre"
Franca (5), die Tochter der Künstlerin Helga Druml (40), irrte nachts kilometerweit durch den Wald. Sie trank Bachwasser und kaute an Wurzeln.

Foto © APA/Sobe
"Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens." So beschreibt Helga Druml, die Mutter der fünfjährigen Franca, ihre Gefühle während des 26-stündigen Verschwindens ihrer Tochter. Auf schriftliche Anfrage der Kleinen Zeitung sagt Druml: "Nach Meinung der Ärzte ist Franca nicht traumatisiert.
Als sie Dienstagabend das Ende ihres Waldweges erreicht hatte und auf einen asphaltierten Weg im Tal stieß, traf sie bald auf zwei Radfahrer, denen sie aufgefallen ist. Sie hat ihnen ihren Namen und ihre Wohnadresse genannt und hat heute zu mir gesagt: Mama, ich war so glücklich mit den zwei Radfahrern. Es waren nach 24 Stunden die ersten Menschen, die sie gesehen hat."
Und Druml weiter: "Dieser Waldweg, den meine Tochter gegangen war, hört plötzlich auf und dann muss man ein leeres Bachbett überqueren, das an dieser Stelle aus grobem Schotter und Felsblöcken besteht. Warum auch immer hat der Hund vor dem Bachbett einen Hohlweg Richtung Tal eingeschlagen. Die Hundeführer haben es auch als ziemlich ausgeschlossen gehalten, dass das Kind diese Stelle passieren könnte. Doch sie hat! Und sie wird nicht weit davon ihre Nacht verbracht haben. Es ist, als ob meine Tochter ein zweites Mal geboren wäre."
Fragen zum Opa abgeblockt
Nur kurz hielt es Franca am Mittwochvormittag vor laufenden Kameras und Mikrofonen im Garten ihres Elternhauses in der kleinen Ortschaft Saak bei Nötsch aus. "Mami, ich geh jetzt wieder ins Haus zeichnen", sagte sie. Fragen zum Opa blockte sie ab. Ihre Mutter gab ein kurzes Statement vor Medienvertretern ab. Sie wollte sich nur "ganz aufrichtig" bedanken. Für die unendliche Hilfe, für alles, was eine lange Nacht und einen heißen Tag lang gestartet wurde, um Franca zu finden.
Fragen, die tief in die Privatsphäre gehen und auch den Intimbereich berühren, wollte die Künstlerin nicht beantworten. Nur so viel: "Ich bin stolz auf meine Tochter. Sie hat sich im Gelände vorbildlich verhalten." Ein "magischer Ort" im noch offenen Fragenkonvolut rund um die Odyssee der Fünfjährigen liegt rund 300 Meter östlich vom Elternhaus. Dort steht eine kleine Kapelle, in deren Fresken sich Helga Druml mit ihrer Tochter verewigt hat. Und keine 200 Meter weiter liegt der Punkt, an dem das Kind gefunden wurde.
Stefanie Gram, stellvertretende Kommandantin der Polizeiinspektion Bad Bleiberg, war mit einem Kollegen der Inspektion Nötsch als Erste am Auffindungsort von Franca, nachdem zwei Radfahrer Alarm geschlagen hatten. "Die Kleine hat eine ganz starke Persönlichkeit", sagt die Polizistin. "Franca hat erzählt, sie habe Katzenaugen, mit denen sie auch im Dunklen sehen kann", schildert Gram. Deshalb sei das Mädchen die ganze Nacht, ohne zu schlafen, gegangen. Getrunken habe sie Wasser aus Bächen, sie habe Erde gegessen und Wurzeln gekaut.
Und am Mittwoch schaute "die liebe Steffi" gleich wieder bei der Fünfjährigen vorbei. "Jetzt ist zeichnen und kuscheln mit der Mama angesagt", sagt Gram.
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Dank an 400 Helfer
Bei der größten Suchaktion der vergangenen Jahre haben rund 400 Personen mitgeholfen. Im Einsatz standen 45 Polizisten, 29 Polizeischüler, 10 Polizeidiensthundeführer, 13 Cobra-Beamte, 145 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, 15 Mitglieder des Bergrettungsdienstes, 40 Personen der Rettungshundebrigade mit 25 Hunden, 34 Mitglieder der Samariterrettungshundestaffel mit 29 Hunden, Mitglieder der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei, Mitglieder der Wasserrettung sowie des Roten Kreuzes.











