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Zuletzt aktualisiert: 10.09.2012 um 20:35 Uhr

Vierfachmord: Jetzt ermittelt der Geheimdienst

Steckt der Irak hinter dem Massaker an der irakischstämmigen britischen Familie in den französischen Alpen? Die geheimdienstlichen Ermittlungen werden immer komplexer.

Polizeiaktion in Claygate

Foto © APAPolizeiaktion in Claygate

Als ob der Mordfall in den französischen Alpen in der Vorwoche mit vier Toten nicht schon mysteriös genug wäre: Nun sperrten auch noch Polizisten in Schutzkleidung die wohlhabende Nachbarschaft des Wohnhauses der Familie al-Hilli im britischen Claygate ab. Sprengstoffexperten der Armee wurden gerufen, Anwohner im Umkreis von einem Kilometer mussten ihre Häuser verlassen.

Polizisten hatten in einem Werkstattschuppen im Garten des Hauses in der Oak Lane in Claygate "potenziell unstabile Objekte" entdeckt. Am frühen Nachmittag konnte dann doch Entwarnung gegeben werden.

In dem Haus lebte die Familie des 50-jährigen Ingenieurs Saad al-Hilli, die Opfer des Mordanschlags im Wald über dem französischen Lac d'Annecy wurde.

Seit Samstag suchen hier die französische und die britische Polizei nach Motiven für den Mord, der eine Fülle mehr oder weniger abenteuerlicher Verschwörungstheorien hervorruft.

Saad, ein Unternehmer mit Geschäftsinteressen in seiner Heimat Irak, arbeitete für das englische Satellitenunternehmen Surrey Satellite Technology.

Aber auch von einem Geheimauftrag für das Luftfahrt- und Verteidigungsunternehmen EADS ist die Rede. Einigen Quellen zufolge soll al-Hilli an einem Teilchenbeschleuniger für die Atomindustrie gearbeitet haben.

Irak eingeschaltet

Längst ist der Geheimdienst in den Fall involviert. Französische Behörden sollen die irakische Regierung über ihre Botschaft in Paris um Amtshilfe gebeten haben.

"Diese Morde tragen die Handschrift eines regierungsgesponserten Anschlags", zitierte die "Sunday Times" den ehemaligen Chef der Scotland-Yard-Sondereinheit "Flying Squad", John O'Connor.

Al-Hilli, seine Frau Iqbal, seine Schwiegermutter Suhaila al-Allaf und die Töchter Zeena (4) und Zainab (7) waren am 5. September während ihres Campingurlaubs in den französischen Alpen kurz vor 16 Uhr an einer abgelegenen Route oberhalb des Dörfchens Chevaline am Lac d'Annecy durch Schusswaffen niedergestreckt worden. Ein Fahrradfahrer, Sylvain Mollier, 45-jähriger Vater dreier Kinder, wurde durch insgesamt sieben Schüsse niedergestreckt. Anhänger wilderer Theorien halten es für bedeutsam, dass auch Mollier in der Atomindustrie beschäftigt war: Er arbeitete für eine Tochterfirma des französischen AKW-Bauers Areva. Dass es sich bei dem Massaker im abgelegenen Wald um einen Raubüberfall handelt und die Familie von Exilirakern nur zufällige Opfer wurden, scheint vielen als unwahrscheinlich. Dass die beiden Töchter al-Hillis wundersamerweise überlebt haben, gibt der Polizei Hoffnung, die Täter zu finden. Die Vierjährige, die acht Stunden lang erstarrt vor Angst unter der toten Mutter verharrte, erschüttert die Briten.

Die Kleine ist seit Sonntag in England unter Obhut von Psychologen und der Schwester ihrer Mutter. Am Sonntag erwachte auch die siebenjährige Zainab im Krankenhaus in Grenoble aus dem künstlich herbeigeführten Koma, die beim Massaker mit einem Schulterschuss und Schädelbruch davongekommen war.

Nun wartet die Polizei darauf, dass das traumatisierte Kind vernehmungsfähig wird.


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