Fischer "phisht" frische Daten
Betrüger haben es via E-Mail wieder auf sensible Daten von Kärntnern abgesehen. Zahl solcher "Phishing-Attacken" hat sich laut Polizei seit 2011 verdreifacht. Häufiger Absender: Harald Fischer.

Foto © Fotolia
B etrügerische Datenfischer haben in diesen Tagen wieder ihre Angel ausgeworfen. Sie tarnen sich als Sicherheitsexperten von Kreditkartenunternehmen und fordern in E-Mails einmal mehr Kärntner auf, ihnen sensible Bank- oder Kreditkartendaten zu übermitteln. Dass sich der Absender dieser sogenannten "Phishing Mails" derzeit häufig als ein gewisser "Harald Fischer" ausgibt, ist da schon fast Verhöhnung des Gegners. Dass diese Art von Internetbetrug nun immer häufiger vorkommt, ist eine Tatsache - wie Silvia Strasser vom Bundeskriminalamt bestätigt: "Im ersten Halbjahr 2012 hat sich die Zahl der angezeigten Internet-Kriminalitätsdelikte auf 4293 Fälle verdoppelt, die Zahl der angezeigten Phishing-Attacken ist sogar um 300 Prozent gestiegen."
Profi-Betrüger
Dazu kommt, dass "die Betrüger offensichtlich immer professioneller vorgehen und ihre Methoden immer gefinkelter werden", erklärt Reinhold Schranz vom Europäischen Verbraucherschutzzentrum, wo auf der Seite www.europakonsument.at aktuelle Betrugsfälle aufgelistet werden. Derzeit flattern immer wieder E-Mails vom vermeintlichen "Mastercard Kundenservice" herein (versehen mit allen Mastercard-Kontaktdaten, unterzeichnet von Herrn Fischer), wonach die Kreditkarte aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde (siehe oben) und sie nur wieder entsperrt werden könne, wenn der Adressat seine geheimen Daten übermittle. Wer auf den Link klickt, kommt auf eine Seite, die jener der tatsächlichen Mastercard-Webseite zum Verwechseln ähnlichsieht - wo man schließlich zur Eingabe von Konto- und Kundendaten aufgefordert wird.
"Finger weg!", warnen hier Herwig Höfferer von der Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer Kärnten und Angela Szivatz von Paylife, jener Firma, die für die Zahlungsabwicklung von Mastercard und Visa zuständig ist. "Keine Bank und keine Kreditkartenfirma verlangt sensible Daten per Mail", erklärt Höfferer.
Bei Paylife arbeite eine ganze Sicherheits-Armada, die ungewollte Abbuchungen entweder verhindert oder mit dem Kunden bei Unregelmäßigkeiten in Kontakt tritt, verrät Szivatz. Mittlerweile hätten Mastercard & Co. auch bereits rechtlich genug Möglichkeiten, um verdächtige Seiten schnell sperren zu lassen. Dennoch appelliert sie in Sachen Datensorgfalt im Netz auch an den Hausverstand der Menschen: "Es würde ja auch niemand seine Wohnungsschlüssel außen stecken lassen, nur weil ein Hausmeister gesagt hat, er komme zum Putzen vorbei."
Aber Phishing spielt sich längst nicht mehr nur mit Kreditkarten oder Bankdaten (auch bei Geldinstituten bestätigt man ein Anstieg von Phishing-Angriffen) ab. Es häufen sich auch hierzulande bereits Fälle von ganz gezielten Angriffen (siehe rechts: Spear-Phishing), bei denen die Betrüger den Mailzugang eines ausgewählten Opfers knacken. Und sobald das Opfer beispielsweise auf Facebook verkündet, es sei auf Urlaub, versenden sie an dessen Bekannte E-Mails, man sei im Ausland ausgeraubt worden. "Das hat eine neue Dimension", sagt Schranz, "wenn man glaubt, der Bekannte ist in Notlage, ist man eher bereit, Geld zuzuschicken".
Polizei rüstet auf
Im Kampf gegen die Internet-Gaunerei rüsten nicht nur Banken und Konsumentenschützer ihre Expertenteams auf, sondern auch die Polizei. "Es gibt jetzt ein bundesweites Cybercrime-Kompetenzzentrum, das von aktuell 17 auf bald 50 Experten, die international vernetzt arbeiten, aufgestockt wird", so Strasser. Doch auch an der Basis, in den Regionen und auf Bezirksebene würden Polizeibeamte zu IT-Experten herangeschult.
Laut Höfferer werden indes auch Kärntner Internetnutzer in Bezug auf "Phishing" zwar immer vorsichtiger, "aber es wird immer welche geben, die reinfallen". So fühlen sich laut aktueller Market-Umfrage 80 Prozent der heimischen Nutzer im Internet sicher. Und das, obwohl schon fast jeder Zweite online mit einem Betrug konfrontiert war.
Features
Was ist Pishing und wo lauern die Gefahren?
Phishing (Kunstwort aus Passwort und fischen). Via E-Mail berichten Betrüger fälschlicherweise von neuen Sicherheitsrichtlinien bei Bank X oder Kreditkartenfirma Y und versuchen, den Adressaten auf eine von ihnen betriebene Seite zu bringen, wo Bank- oder Kreditkarten-Daten eingegeben werden sollen.
Spear-Phishing (Speerfischen) ist eine Sonderform. Dabei knacken Betrüger E-Mail-Daten des Opfers und senden dessen Bekannten bzw. Arbeitskollegen E-Mails, wonach man im Ausland ausgeraubt worden sei und bittet sie um Geldzusendungen.
Vorfall melden oder anzeigen
Visa (phishing@visa.com) und Mastercard (stopit@mastercard.com) haben Adressen, wo man verdächtige E-Mails melden kann. Ebenso die Polizei: against.cybercrime@bmi.gv.at
Hilfe und Infos gibt es bei der Arbeiterkammer unter 050 477 oder arbeiterkammer@akktn.at











