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    Zuletzt aktualisiert: 24.08.2012 um 01:01 UhrKommentare

    Norwegen will mit Breivik abschließen

    Heute kurz nach 10 Uhr wird das Urteil gegen den norwegischen Attentäter verkündet. Gefängnis oder Psychiatrie? Richter müssen über seinen Geisteszustand urteilen.

    Breivik wird vom Gefängnis in das Gericht gebracht

    Foto © ReutersBreivik wird vom Gefängnis in das Gericht gebracht

    Ist Anders Behring Breivik, der 77 Menschen tötete, schuldfähig oder nicht? Der Vater eines Opfers kennt die Antwort auf die Frage schon, bevor das Gericht in Oslo heute sein Urteil fällt. "Wenn diese Person nicht rechtmäßig für ihre Taten verantwortlich ist, waren es dann die Nazis?", fragt Claude Perreau, dessen 25-jähriger Sohn Rolf Christopher von Breivik erschossen wurde. Perreau ist überzeugt, dass Breivik nicht gestört ist und deshalb auch nicht in die Psychiatrie, sondern ins Gefängnis gehört.

    Der bekennende Rechtsextremist Breivik hatte am 22. Juli 2011 eine Autobombe im Regierungsviertel von Oslo gezündet, durch die acht Menschen starben. Dann erschoss er auf der Insel Utöya blindwütig 69 Menschen - die meisten davon Jugendliche, die dort in einem Ferienlager der Arbeiterpartei waren. "Für mich ist das Wichtigste stets, dass ihm die Verantwortung dafür gegeben wird, denn das erschien mir nur gerecht", sagt Unni Espeland Marcussen, die ihre 16-jährige Tochter verlor.

    "Für immer weg"

    In dem zehnwöchigen Prozess waren sich auch die Experten nicht einig, ob der Angeklagte zurechnungsfähig ist oder nicht. Ein erstes psychiatrisches Gutachten bescheinigte Breivik eine paranoide Schizophrenie. Doch ein zweites Gutachten kam zu dem Schluss, dass der Attentäter nicht unter einer Psychose litt. Die Staatsanwaltschaft machte sich die widerstreitenden Meinungen der Experten zunutze, um für Breivik die Einweisung in die Psychiatrie zu beantragen. Der 33-Jährige kämpft allerdings selbst dafür, nicht als psychisch krank zu gelten. Er ist überzeugt, heute für zurechnungsfähig erklärt zu werden und will, dass seine Islam-feindliche und gegen eine multikulturelle Gesellschaft gerichtete Ideologie ernst genommen und nicht als Geisteskrankheit abgetan wird. Für die Angehörigen der Opfer ist es gar nicht so wichtig, ob gegen Breivik die Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis oder die Einweisung in die Psychiatrie verhängt wird. "Was für uns zählt, ist, dass er für immer von der Gesellschaft ferngehalten wird", fordert Perreau.

    PIERRE-HENRY DESHAYES, OSLO

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