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Zuletzt aktualisiert: 06.08.2012 um 06:36 UhrKommentare

Sieben Tote bei Schießerei in Sikh-Tempel

Dem Lokalsender WISN zufolge könnten sich zum Zeitpunkt der Bluttat rund 100 Gläubige im Tempel im US-Staat Wisconsin aufgehalten haben.

Foto © APA

Nach der Schießerei in einem Sikh-Tempel in den USA mit insgesamt sieben Toten und drei Schwerverletzten herrscht Rätselraten über das Tatmotiv. Die Behörden stufen das Blutbad bei ihren Ermittlungen als "eine Art heimischen Terrorismus" ein, wie der zuständige Polizeichef John Edwards am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Oak Creek (US-Staat Wisconsin) mitteilte. Demnach geht die Polizei offenbar zumindest derzeit von der Annahme aus, dass der Anschlag gezielt der Sikh-Gemeinde galt.

Ein zunächst von dem Behörden nicht identifizierter Mann hatte am Vormittag in dem Tempel das Feuer auf Gläubige eröffnet. Wenig später wurde der Täter dann selbst von einem Polizisten erschossen. Bei dem Angreifer soll es sich nach Berichten von Augenzeugen um einen Weißen handeln. Die Verletzten erlitten nach Angaben eines Krankenhaussprechers zum Teil Schusswunden in der Bauchgegend, im Gesicht und im Nacken. Ihr Zustand sei "kritisch". Zu ihnen zählt ein Polizeibeamter, der laut Edwards von dem Täter unter Beschuss genommen wurde, während er einem Opfer zu helfen versuchte. Ein zweiter Polizist konnte den Schützen dann stoppen.

Dem Sender CNN zufolge wurden im Tempel zwei halbautomatische Waffen sichergestellt. Offiziell bestätigt wurde das aber zunächst nicht.

Rolle der Sikhs gewürdigt

US-Präsident Barack Obama bekundete "tiefe Trauer" und Anteilnahme. In einer in Washington veröffentlichten Erklärung bot er zugleich Hilfe der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Bluttat an und würdigte die Rolle der Sikhs im amerikanischen Leben. Sie seien eine Bereicherung für das Land und "ein Teil unserer erweiterten amerikanischen Familie", erklärte Obama. Auch sein republikanischer Herausforderer bei der Wahl im November, Mitt Romney, verurteilte den "sinnlosen Akt der Gewalt".

Edwards zufolge ist sich die Polizei zunehmend sicher, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Insgesamt hüllten sich die Behörden aber auch Stunden nach dem Blutbad noch strikt über Einzelheiten des Vorfalls in dem Vorort von Milwaukee in Schweigen. So gab es auch zunächst keine Angaben über die Todesopfer. Mehr Informationen wurden für Montag in Aussicht gestellt.

Lokalsendern zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Attacke möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Gebäude auf. Die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein gemeinsames Mittagessen der Gläubigen gefallen.

Die Sikh-Religion

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die Sikh-Religion ist mit mehr als 30 Millionen Anhängern die fünftgrößte der Welt. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger. In den USA gehören mehr als 500.000 Menschen der Glaubensgemeinschaft an. Die Sikhs tragen traditionell Turban und Bart. In den USA werden sie vielfach für Muslime gehalten und waren deshalb besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Anfeindungen ausgesetzt.

Im September 2001 wurde im US-Staat Arizona ein Sikh von einem Mann erschossen, der nach eigenen Angaben Rache für die Anschläge der radikal-islamischen Al-Kaida üben wollte. Der Direktor der Bürgerrechtsgruppe Sikh Coalition, Sapreet Kaur, berichtete am Sonntag von mehreren Angriffen auf Sikhs im vergangenen Jahr. Im jüngsten Fall gehe man daher zunächst von einem ähnlichen Hintergrund aus.

Zu den Verletzten gehört möglicherweise auch der Präsident der Sikh-Gemeinde von Oak Creek. Dessen Sohn sagte dem Sender CNN, ein Priester habe ihn aus dem Tempel angerufen und berichtet, dass sein Vater verletzt worden sei. Ein Gemeindemitglied äußerte sich fassungslos über die Bluttat. "Warum?" fragte er. "Wir sind doch friedliebende Menschen. Wir achten unsere Mitmenschen."

Die jetzige Schießerei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer "Batman"-Premiere 12 Menschen erschossen und knapp 60 verletzt. Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.


Bluttat in Auroa

Erst am 20. Juli war die US-Öffentlichkeit von der Bluttat eines Amokschützen erschüttert worden, der in einem Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado zwölf Menschen tötete und 58 weitere verletzte.

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