Nach Bluttat: Obama will Wege zur Gewalteindämmung suchen
Nach dem Blutbad vom Sonntag in einem Sikh-Tempel in Wisconsin hat US-Präsident Barack Obama die Amerikaner aufgerufen, in sich zu gehen und nach Möglichkeiten zur Gewalteindämmung im Land zu suchen. Experten bezeichnen den Attentäter als "frustrierten Neonazi".

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Präsident Obama selbst wolle Vertreter der Strafverfolgungsbehörden, Gemeinde- und religiöse Führer sowie Politiker auf allen Ebenen zusammenbringen, "um zu sehen, wie wir weitere Fortschritte machen können", sagte Obama am Montag im Weißen Haus.
"Schreckliche, tragische Vorfälle" wie jetzt ereigneten sich zu häufig, um nicht nach zusätzlichen Wegen zur Verringerung von Gewalt zu suchen. "Und ich glaube, es wird sehr wichtig für uns sein zu bekräftigen, dass wir in diesem Land füreinander sorgen und uns gegenseitig respektieren, egal, wie wir aussehen, woher wir kommen, und zu wem wir beten", sagte der der im Wahlkampf stehende Präsident. "Wir sind ein Volk."
Bei dem tödlichen Angriff auf den Sikh-Tempel in Oak Creek (Wisconsin) hatte sich der Vorsitzende der Tempelgemeinde dem womöglich aus rassistischen Motiven handelnden Schützen entgegengestellt. Der 65-jährige Sadwant Singh Kaleka griff sich Augenzeugen zufolge die einzige im Gotteshaus vorhandene Waffe, ein stumpfes Zeremonienmesser. Damit stellte er sich dem 40-jährigen Wade Michael Page, einem ehemaligen Soldaten der US-Armee, in den Weg. Doch dieser schoss ihn mit seiner Neun-Millimeter-Pistole gnadenlos nieder. Insgesamt tötete er sechs Menschen.
Immerhin gelang es Kaleka, den Todesschützen aufzuhalten, sodass sich Frauen und Kinder in Sicherheit bringen konnten. "Er war ein Held durch und durch", sagte jetzt sein Sohn Amardeep Kaleka. Die Kalekas kamen 1982 aus Indien in die Vereinigten Staaten. Der Familienvater war als Geschäftsmann erfolgreich und widmete sein Leben dem Bau des Tempels in der Kleinstadt Oak Creek.
Bei dem mutmaßlichen Todesschützen, der später von der Polizei erschossen wurde, handelt es sich nach Angaben von US-Experten um einen "frustrierten Neonazi". Der 40-jährige Ex-Soldat sei der Kopf einer "rassistischen" Rockband" namens End Apathy (Schluss mit der Apathie) gewesen, die die Überlegenheit von Weißen propagiert habe, erklärte das Rassismusforschungsinstitut Southern Poverty Law Center am Montag. Mit der 2005 gegründeten Gruppe sei der ausgebildete Fallschirmspringer Wade Michael Page auf Musikfestivals aufgetreten.
Das Institut veröffentlichte ein Foto des mutmaßlichen Attentäters während eines Konzerts. Darauf ist er mit kahlgeschorenem Kopf und in einem ärmellosen T-Shirt zu sehen, das den Blick auf seine unter anderem mit Keltenkreuzen tätowierten Arme freigibt. Im Internet existieren demnach weitere Fotos der Band, die vor nur einer teilweise sichtbaren mutmaßlichen Nazi-Flagge posierten.
Die Bundespolizei FBI ging am Montag (Ortszeit) Hinweisen auf Verbindungen des mutmaßlichen Täters mit Extremisten und Rassisten nach. "Wir überprüfen Verbindungen mit Gruppen, die die Überlegenheit der weißen Rasse predigen", sagte eine Ermittlerin. Das Attentat werde als Fall von "Inlandsterrorismus" behandelt.
Knapp einen Tag nach dem Angriff auf den Sikh-Tempel wurde im Mittleren Westen der USA eine Moschee bei einem mutmaßlichen Brandanschlag zerstört. Das muslimische Gotteshaus in Joplin in Missouri sei in der Nacht vollständig ausgebrannt, sagte eine Sprecherin des Sheriff-Büros am Montag. Bereits am 4. Juli, dem US-Unabhängigkeitstag, hatte ein Unbekannter einen Brandsatz auf die Moschee geworfen. Damals war nur geringer Schaden entstanden. Gemeindemitglieder gingen am Montag von einem rassistisch oder anti-islamisch motivierten Brandanschlag aus. Seit ihrer Gründung 2007 sei die Moschee ständig Ziel von Angriffen gewesen, sagte ein Gemeindevertreter.










