Auslieferung aus Paraguay: Der Fall Sandro H.
Vier Jahre lang hat der aus einer Haftanstalt geflüchtete Zuhälter Sandro H. von Paraguay aus die österreichische Justiz verhöhnt. Jetzt wird der mordverdächtige Kärntner nach Österreich ausgeliefert. Von Claudia Beer-Odebrecht.

Foto © KLZ/Fuchs
Noch ist das Justiz-Puzzle um Sandro H., das seit vier Jahren zusammengebaut wird, nicht vollständig. Aber jetzt ist ein wichtiger Puzzleteil hinzugekommen: Der unter Mordverdacht stehende 44-jährige Mittelkärntner Zuhälter Sandro H. wird bereits in den nächsten Tagen aus seinem Fluchtland Paraguay nach Österreich ausgeliefert.
Eine für alle Behörden überraschende Wende, zumal erst im April ein Gericht in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, dem Auslieferungsbegehren nicht stattgegeben hatte. Zudem hat sich der Kärntner mit allen Mitteln gegen einen "Heimflug" gewehrt. Seine Anwälte erklärten, dass das Auslieferungsübereinkommen mit Österreich aus dem Jahr 1907 stamme und nur mehr historischen Wert besitze.
Hartnäckige Diplomatie
Doch die Österreicher ließen auf diplomatischem Wege nicht locker. "Erst vor wenigen Tagen hat unser Honorarkonsul wegen der Auslieferung beim Präsidenten des Obersten Gerichtshofes vorgesprochen", sagt Nikolaus Lutterotti, Sprecher des Außenministeriums. Offenbar mit Erfolg. Staatsanwalt Jorge Sosa hob das Urteil von Richter Rubén Ayala Brun auf. Interpol Paraguay hat die Auslieferung einem Informanten der Kleinen Zeitung bestätigt. Was blüht der einstigen Rotlicht-Größe nach seiner Landung in Wien? Er wird vermutlich in die Justizanstalt Klagenfurt eingeliefert. 2008 wurde Sandro H. nach einem vereitelten Mordanschlag wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Davon abgesessen hat er erst ein Jahr. Er muss also noch rund eineinhalb Jahre hinter Gittern verbringen. Die Staatsanwaltschaft wird ihn außerdem vermutlich wegen des Verdachtes der Anstiftung zur Brandstiftung und Versicherungsbetrug anklagen. Im Mai 2011 wurde jener Arbeiter wegen Beteiligung am Versicherungsbetrug zu zwei Jahren Haft verurteilt, der von Sandro H. beauftragt worden sein soll, dessen Haus anzuzünden. "Ich habe nur getan, was er wollte", sagte der Mann vor Gericht.
Mordfall ohne Leiche
Schwieriger wird es für Polizei und Justiz Sandro H. wegen des Verschwindens seiner Freundin Michaela Grabner zu belangen. Die Kriminalisten sind sich mittlerweile sicher, dass er die junge Frau getötet hat. Doch wie kommt man in einem Mordfall ohne eine Leiche weiter? Bislang hat Sandro H. zu diesen Vorwürfen eisern geschwiegen. Auch alle anderen möglichen Mitwisser sagen kein Wort. Die Mutter der Vermissten Christine Grabner sagte einmal dazu: "Auch die Michi wollte nie über Sandro reden. Er hat wohl alle sehr im Griff." Offenbar auch jetzt noch.
Hinter vorgehaltener Hand hört man von Polizisten, dass man der Rückkehr von Sandro H. eher mit gemischten Gefühlen gegenübersteht. Denn kann man ihm keinen Mord nachweisen, könnte er in einigen Jahren wieder in der Kärntner Rotlicht-Szene mitmischen. Das Verhältnis zwischen H. und Polizei ist ohnehin ein ungewöhnliches. In mehreren Einvernahme-Protokollen aus dem Jahr 2007 gibt der Zuhälter nämlich an, vor allem im Suchtgiftbereich immer wieder für die Polizei Informationen beschafft zu haben. Durch seine Spitzel-Tätigkeit sei es, so Sandro H., mehrmals zu Verhaftungen gekommen. Die Polizei will diese Aussagen weder bestätigen noch dementieren.
Noch fehlt im Fall Sandro H. das letzte große Puzzleteil. Mit seiner Rückkehr steigt aber die Hoffnung darauf.
Features
Foto

Sandro H.Foto © KK










