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    Zuletzt aktualisiert: 01.08.2012 um 10:05 UhrKommentare

    Diskriminierung in der EU ist "gravierendes Problem"

    Für die umfangreiche Studie wurden 23.500 Zuwanderer und Angehörige ethnischer Minderheiten in den 27 EU-Mitgliedsstaaten befragt. Bereiche des täglichen Lebens - etwa Beschäftigung, Wohnraum, Schulen oder Zugang zu Restaurants und Geschäften - wurden untersucht.

    Roma fühlen sich aufgrund ihrer ethnischen Herkunft häufiger diskriminiert als die anderen befragten Gruppen.

    Foto © ReutersRoma fühlen sich aufgrund ihrer ethnischen Herkunft häufiger diskriminiert als die anderen befragten Gruppen.

    In Europa ist die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft für viele Minderheiten ein "gravierendes Problem". Diesen Schluss lasse eine Erhebung der EU zu Minderheiten und Diskriminierung (EU-MIDIS) zu, heißt es in einem aktuellen Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Vor allem Roma, Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara sowie Nordafrikaner werden im täglichen Leben sehr häufig diskriminiert. In Österreich wurden die Gruppen der zugewanderten Türken und Ex-Jugoslawen untersucht.

    Für die umfangreiche Studie wurden im Jahr 2008 23.500 Zuwanderer und Angehörige ethnischer Minderheiten in den 27 EU-Mitgliedsstaaten befragt. Es handle sich damit um die größte EU-weite Erhebung über die Erfahrungen von Minderheiten mit Diskriminierung, rassistisch motivierter Viktimisierung und Polizeiarbeit. Die Teilnehmer wurden auch zur Kenntnis ihrer Rechte gefragt, sowie ob sie ihre Erfahrungen mit Diskriminierung gemeldet haben.

    Jeder Zweite aufgrund der Herkunft diskriminiert

    Im Durchschnitt wurden in neun Bereichen des täglichen Lebens - etwa Beschäftigung, Wohnraum, Schulen oder Zugang zu Restaurants und Geschäften - Roma aufgrund ihrer ethnischen Herkunft häufiger diskriminiert als andere befragte Gruppen. Jeder Zweite der befragten Roma gab an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal aufgrund seiner Herkunft diskriminiert worden zu sein. Sie wurden in diesem Zeitraum durchschnittlich 4,6 Mal Opfer von Diskriminierungen.

    Die zweithöchste Rate für die Diskriminierung insgesamt wurde unter Afrikanern aus Ländern südlich der Sahara festgestellt. 41 Prozent der Befragten wurden in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal diskriminiert. An dritter Stelle folgt mit 36 Prozent die Diskriminierung von Nordafrikanern. Den vierten Rang teilen sich die türkischen sowie die mittel- und osteuropäischen Befragten: Rund ein Viertel von ihnen (23 Prozent) wurde in den vorangegangenen zwölf Monaten diskriminiert. Von allen durch EU-MIDIS erfassten Gruppen wurden die Teilnehmer mit russischem Hintergrund und aus dem ehemaligen Jugoslawien am seltensten diskriminiert (14 bzw. zwölf Prozent).

    Jobsuche schwierig

    Der Bereich Beschäftigung war jener, in dem die Befragten am häufigsten aufgrund ihres Migrationshintergrunds diskriminiert wurden - sowohl bei der Arbeitssuche als auch am Arbeitsplatz. Zwei Zahlen aus diesem Untersuchungsbereich: Durchschnittlich gaben nur 43 Prozent der Roma an, in den letzten fünf Jahren erwerbstätig gewesen zu sein, während es bei den befragten Mittel- und Osteuropäern 90 Prozent waren. Unter anderem wird im Bericht daher die Schlussfolgerung gezogen, dass die Vorteile der Vielfalt in der Beschäftigung stärker in den Vordergrund gerückt werden müssen.

    Als einer der am wenigsten problematischen Bereiche hat sich der Bereich Wohnraum - etwa die Suche nach Miet- oder Kaufobjekten - erwiesen. Wohnraum war einer der Bereiche, in denen die Teilnehmer auch gefragt wurden, ob sie die Antidiskriminierungsvorschriften kennen. Durchschnittlich waren 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass es keine Rechtsvorschriften gibt, die eine Diskriminierung verbieten. Im Bericht wird hierzu deshalb eine bessere Aufklärung der Menschen empfohlen.

    82 Prozent der Personen, die im Rahmen der Studie angaben, diskriminiert worden zu sein, hatten den Vorfall weder am Ort der Diskriminierung noch bei den zuständigen Behörden gemeldet. Als häufigster Grund für die unterbliebene Meldung wurde von den Befragten genannt, es "würde nichts passieren" dadurch.

    Niedrige Diskriminierungsrate bei Türken

    Personen türkischer Abstammung wurden in sechs Mitgliedstaaten, darunter Österreich, befragt. Generell wurde unter den Türken hierzulande laut dem Bericht eine sehr niedrige Diskriminierungsrate ermittelt. Das höchste Diskriminierungsrisiko bestand für sie bei der Arbeitssuche (Fünfjahresrate: 16 Prozent, Zwölfmonatsrate: vier Prozent). Die zweithöchsten, jedoch immer noch sehr niedrigen Diskriminierungsraten wurden im Zusammenhang mit Geschäften verzeichnet: Vier Prozent der Befragten erklärten, in den vorangegangenen zwölf Monaten in einem Geschäft diskriminiert worden zu sein.

    Weiters in Österreich befragt wurden Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Hier hatten nur drei Prozent der Teilnehmer das Gefühl, in den vorangegangenen zwölf Monaten diskriminiert worden zu sein. Zum Vergleich: In Deutschland betrug der Wert in dieser Gruppe 21 Prozent.


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