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Zuletzt aktualisiert: 01.08.2012 um 16:52 UhrKommentare

Ex-Krankenpfleger vor Gericht: Prozess vertagt

Prozessauftakt in der Causa Schwanberg: Pfleger soll Behinderte geschlagen haben, er aber kann sich die Vorwürfe nicht erklären. Eine Verschwörung?

Der 52-Jährige fühlte sich nicht schuldig

Foto © Sabine HoffmannDer 52-Jährige fühlte sich nicht schuldig

Handfeste Übergriffe oder fiese Verschwörung? Sieben Beschuldigte gab es im Pflegeskandal von Schwanberg, bei einem reichte es zur Anklage. Begleitet von seinen drei Töchtern steht der heuer gekündigte Stationsleiter am Mittwoch in Graz vor Gericht. Geschlagen, getreten und mit dem Kopf unter Wasser gedrückt haben soll der Pfleger schwerbehinderte Patienten. Zeugen wollen das im Zeitraum von 2000 bis 2006 beobachtet haben. Was sich der 52-Jährige jedoch in keinem einzigen Fall erklären kann. "Lügengeschichten", betont sein Verteidiger. Alles nur, um den offenbar umstrittenen Direktor der Sonderkrankenanstalt los zu werden. "Und ich bin der Kollateralschaden", seufzt der Angeklagte. Richterin Elisabeth Juschitz (Herberstein-Prozess) wird freilich einen Sachverständigen beiziehen. Die vermeintlichen Opfer sind kaum in der Lage, sich zu äußern.

Alltag in Schwanberg

Bevor das Verfahren im Herbst fortgesetzt wird, beleuchtet das Gericht den Alltag in Schwanberg und den Job des 52-Jährigen. Der hat sich als ungelernter Pflegerhelfer nach oben gearbeitet, wurde 1998 im weststeirischen Heim Leiter einer Station: mit 28 Insassen, alle geistig schwer beeinträchtigt, bei manchen kommen körperliche Beschwerden dazu. "Kein Job, eine Berufung." Nur "drei oder vier Personen, mich eingerechnet, haben die Patienten gepflegt", schildert der Steirer. Als Belastung habe er das nie empfunden. Als es 2003 zum Wechsel in der Direktion kam, gab es mächtig zu tun. Die Administration soll, so der Pfleger, auf das Zehnfache angestiegen sein. Auch gab es Beschwerden: von einer Schwester ("Der konnte man nichts recht machen") und 2004 von einer Schülerin. Übergriffe? Ein rüder Umgangston? Der Stationsleiter wird beurlaubt. Genaueres hätte man ihm aber nie gesagt. Was nicht nur Richterin Juschitz und Staatsanwalt Oliver Krenn wundert.

Jedenfalls gab es nach dem Urlaub die Anweisung, sich mehr um das Organisatorische zu kümmern. Klingt einfach, war es angesichts der Patienten aber nicht. Sie sollen teils sehr anhänglich, teils sehr aggressiv gewesen sein.

THOMAS ROSSACHER

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