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Zuletzt aktualisiert: 12.07.2012 um 21:03 Uhr

Neun Alpinisten am Mont Blanc starben in Lawine

Bei einem der schwersten Unglücke in den französischen Alpen hat eine Lawine im Mont-Blanc-Massiv mindestens neun Menschen in den Tod gerissen. 15 Menschen wurden verletzt, vier zunächst Vermisste leben.

Rettungskräfte suchen nach wie vor nach Vermissten

Foto © APRettungskräfte suchen nach wie vor nach Vermissten

Vier zunächst vermisste Bergsteiger wurden nach Medienberichten vom Abend gefunden. Als mögliche Ursache des tödlichen Lawinenabgangs gilt eine 40 Zentimeter dicke Eisplatte.

Platte könnte gebrochen sein

Die Platte könnte gebrochen sein und damit die Lawine ausgelöst haben, sagte der Präfekt des Departement Haute-Savoie, Philippe de Rumigny. Unklar blieb, ob sie von einem Alpinisten losgetreten worden war oder sich anderweitig löste. Frankreichs Innenminister Manuel Valls sprach nach einem Überflug der Unglücksregion von starken Eis- und Schneemassen, die auch die Suche nach den Vermissten sehr erschwere. Neben drei Deutschen starben ein Schweizer, drei Briten und zwei Spanier. 15 Personen wurden nach Angaben der Präfektur ins Krankenhaus von Sallanches gebracht, zwei weitere waren unverletzt geborgen worden. Zudem meldeten sich zwei Briten der zunächst vier vermissten Alpinisten am Abend bei den Rettern wohlbehalten zurück. Kurz danach berichteten die Nachrichtenagentur AFP und der Nachrichtensender BFM unter Berufung auf die französische Gendarmerie, alle vier seien am Leben.

Zwei der Bergsteiger hatten demnach ihre Tour nicht angetreten, die beiden anderen eine andere Route gewählt. "Die Opfer-Bilanz bleibt bei neun Toten. Niemand wird mehr vermisst. Das ist eine gute Neuigkeit, die einen dramatischen Tag abschließt", erklärte Leutnant Emmanuel Vegas von der französischen Gendarmerie. Unter den Verletzten befinden sich nach Angaben von Nikolaus Lutterotti, Sprecher des Außenministeriums in Wien, keine Österreicher. "Weder die bisher geborgenen Toten noch die Verletzten stammen aus Österreich", sagte er auf APA-Anfrage. Ob sich zum Unglückszeitpunkt überhaupt Österreicher auf dem 4.000er befunden hatten, blieb zunächst unklar. Nach Angaben der Rettungskräfte geschah das Unglück in mehr als 4.000 Metern Höhe am Col du Mont Maudit - übersetzt der verfluchte Berg. Der Gipfel liegt für Bergsteiger auf dem Weg zum Montblanc, dem mit 4.810 Metern höchsten Berg der Alpen. Die Opfer hatten nach bisherigen Erkenntnissen auf 3.600 Metern in einer Hütte übernachtet und sich sehr früh auf den Weg gemacht.

Keinen (erklärbaren) Grund

Alarmiert wurden die Retter zeitig in der Früh von einem der Verletzten. Die Behörden leiteten einen Großeinsatz ein. Die Gendarmerie durchkämmte mit Lawinensuchhunden den Unglücksort, zwei Helikopter und zahlreiche freiwillige Helfer waren im Einsatz. Über die exakte Ursache des Unglücks gab es zunächst nur Spekulationen. "Es gab keinen (erklärbaren) Grund für eine Lawine und ein Unglück dieses Ausmaßes", sagte der stellvertretende Bürgermeister Jean-Louis Verdier BFM. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteo France gab es in dem Gebiet starke Winde. Dass sich im Sommer eine Lawine löst, ist nach Angaben von Stefan Winter, Ressortleiter Breitensport beim Deutschen Alpenverein (DAV), gut möglich. "Auch im Sommer haben wir ständig mit Schlechtwettersituationen im Hochgebirge zu kämpfen, gerade jetzt zurzeit", sagte er. "Wir haben eine Westwetterlage, und Nordwestwind kommt noch hinzu".

Das bedeute entsprechend niedrige Temperaturen im Bereich zwischen 3.000 und 4.000 Metern. "Wenn feuchte Luft dazu kommt, gibt es Niederschlag, der in größerer Höhe als Schnee fällt. Wind ist der Baumeister von Lawinen - da können schon kleinere Neuschneemengen von zehn Zentimetern Verfrachtungen ergeben, die auch im Sommer tatsächlich zu einem Lawinenunglück führen". Die Tragödie zum Auftakt der diesjährigen Tourismus-Saison gilt als eines der schlimmsten Lawinen-Unglücke seit Jahren am Montblanc-Massiv. Jählich versuchen sich 20.000 Alpinisten am Mont-Blanc-Aufstieg - in der Hochsaison seien dort täglich bis zu 500 Bergsteiger unterwegs.

Quelle: APA

Grafik vom Unglücksort

Grafik © APA

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