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Zuletzt aktualisiert: 04.07.2012 um 13:24 UhrKommentare

Unfall oder Verbrechen? Fall Sebastian bleibt rätselhaft

Noch immer gibt es keine Spur von dem zehnjährigen Sebastian aus Wien, der am Sonntag auf der Nordseeinsel Amrum verschwunden ist. Ob der Bub verunglückt ist oder einer Straftat zum Opfer fiel, ist noch völlig unklar.

Am Tag seines Verschwindens trug der blonde Bub ein buntes T-Shirt und darüber eine blaue Fleecejacke.

Foto © APAAm Tag seines Verschwindens trug der blonde Bub ein buntes T-Shirt und darüber eine blaue Fleecejacke.

Das spurlose Verschwinden des zehnjährigen Sebastian aus Wien im Urlaub auf der deutschen Nordseeinsel Amrum bleibt rätselhaft. Ob der Bub verunglückt oder einer Straftat zum Opfer gefallen ist, sei völlig offen, betonte Kristin Stielow, Sprecherin der Polizeidirektion Husum, im APA-Gespräch. "Für uns ist das wirklich 50/50. Spekulationen über ein Verbrechen sind bisher nicht mehr als eben das", betonte sie.

Die Unfalltheorie: "Badeunfälle gibt es immer wieder, auch auf den anderen Inseln entlang der schleswig-holsteinischen Küste", sagte Stielow. "Einheimische kennen die Gefahren, aber Touristen werden von der Flut überrascht." Bei Ebbe weicht das Wasser des Wattenmeeres ("watend begehbares Meer") großflächig zurück. "Bei Flut kommt das Wasser dann nicht nur von hinten, sondern auch von vorne, von unten und von den Seiten", beschrieb die Polizeisprecherin.

"Außerdem gibt es die Priele, das sind Miniflüsse, die auch bei Ebbe Strömung führen", führte Stielow an. Für Erwachsene seien die natürlichen Wasserläufe im Watt normalerweise ungefährlich, für einen Zehnjährigen könnten sie aber ihrer Einschätzung nach ein Risiko darstellen. "Das ist durchaus eine denkbare Variante."

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Nordsee ein Opfer wieder freigibt? Meist würden Tote irgendwann angespült, oft weit entfernt vom Unfallort und Woche oder Monate nach ihrem Verschwinden. Stielow nahm als Beispiel den Todesfall eines Gastwirts von der Insel Föhr. Der Mann war zu Weihnachten 2010 verschwunden, Ende März 2011 wurde sein Körper auf dem rund 20 Quadratkilometer (rpt. Quadratkilometer) großen Amrum an Land gespült.

Die Suchhunde, die seit dem Verschwinden des Wiener Schülers mehrfach eingesetzt worden sind und am Mittwoch ihre Arbeit wieder aufnahmen, "sind schon in den vergangenen Tagen die Wege abgelaufen, die Sebastian gegangen ist", und dabei auch Richtung Meer, sagte die Sprecherin. Ein brauchbarer Hinweis sei das aber nicht.

Theoretisch wäre es auch möglich, dass Sebastian die Insel mit einer Fähre Richtung Festland verlassen hat. "Wenn er eine gültige Fahrkarte hatte, wäre das nicht undenkbar", so Kristin Stielow. Die Fähren werden, wie viele andere Bereiche von Amrum, mit Videokameras überwacht. "Die Kollegen am Festland werten die Daten derzeit aus", sagte die Polizeisprecherin.

Die Entführungstheorien: Der Bub könnte in einem Auto ungesehen mit der Fähre von der Insel transportiert worden sein. Auch hier kommt den Ergebnissen der Videoüberwachung besondere Bedeutung zu. "Die Überprüfung der Kennzeichen läuft", bestätigte Stielow. Dass ein Unbekannter mit einem eigenen Boot im Hafen angelegt hat, "dass wäre meiner Meinung nach aufgefallen, zumindest wäre nicht unbemerkt geblieben, falls ein Zehnjähriger weggezerrt und öffentlich entführt worden wäre", meinte die Sprecherin.

Am Mittwoch werde mit mehr als 50 Einsatzkräften von Bereitschaftspolizei und Hundeführern erneut gesucht, bestätigte sie. "Wir werden beim 'Piratenschiff' (Spielplatz, Anm.) beginnen und auch die umliegende Dünenlandschaft noch einmal durchsuchen", sagte Stielow. "Denn das sind die Orte, an denen Sebastian zuletzt definitiv gesehen worden ist."


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Bild vergrößernAuf dem Spielplatz "Piratenschiff" wurde Sebastian zuletzt gesehenFoto © APA

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