Firmenchef "vergaß" auf Steuer-Million
57-jähriger Chef einer Energietechnik-Firma soll 1,5 Millionen Euro Einkommenssteuer hinterzogen haben. Er kam mit einer Geldstrafe davon.

Foto © Weichselbraun
"So eine Unverfrorenheit habe ich selten erlebt", so Staatsanwältin Gabriele Lutschounig. "Herr Angeklagter, Sie haben mit Bauernschläue alles getan, um Ihre Einkünfte zu verschleiern, gegenüber dem Finanzamt und Ihrem Steuerberater. Dass in Österreich brutto nicht gleich netto ist, wissen Sie aber schon, oder?" Der Angeklagte, ein 57-jähriger Chef einer Firma, die sich auf Energietechnik spezialisiert hat, nickt betreten. Die Anklagebehörde wirft ihm vor, 1,5 Millionen Euro Einkommenssteuer hinterzogen zu haben.
Bescheid "nicht angeschaut"
Nach dem Verkauf von Firmenanteilen, der dem Mann 5,5 Millionen Euro einbrachte - errechnete sein Steuerberater eine Steuerschuld von einer Million Euro. Zugleich schickte das Finanzamt einen Bescheid über 8000 Euro, der auf einer Schätzung basierte. "Ich habe mich gefreut, dass es so wenig war und sofort eingezahlt", sagt der Unternehmer. "Damit war für mich der Fall gegessen." Seinem Steuerberater warf er dann vor, einen Blödsinn gerechnet zu haben und kündigte ihm. Richterin Sabine Roßmann: "Haben Sie am Bescheid nicht gesehen, dass die Bemessungsgrundlage eine andere war?" Der Angeklagte, wehleidig: "Den habe ich leider Gottes nicht angeschaut."
Der unbescholtene, dreifache Familienvater ist schwer einzuschätzen, gibt sich oft unwissend. Er sagt, dass er technisch ein Genie sei, "wirtschaftlich aber schwach". Und so verspricht er der Richterin: "Ich mache einen Steuerkurs, damit ich lerne, wie das Ganze funktioniert." Das (nicht rechtskräftige) Urteil: 700.000 Euro Geldstrafe oder 14 Monate Ersatzfreiheitsstrafe - plus Bezahlung der Schulden beim Finanzamt.










