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    Zuletzt aktualisiert: 26.06.2012 um 18:54 UhrKommentare

    Gutachter: Keine Voraussetzung für Einweisung

    In Wels beraten derzeit die Geschworenen über das Straßausmaß für den Stiefbruder der getöteten Paulina. In ihren Schlussplädoyers forderten Staatsanwalt und Privatbeteiligtenvertreter einen Schuldspruch.

    Foto © APA

    In ihren Schlussplädoyers forderten Staatsanwalt und Privatbeteiligtenvertreter einen Schuldspruch. Es sei ein heimtückischer Mord gewesen, so der Ankläger, da dem Opfer vorgegaukelt wurde, man bringe es in die Schule oder zum Frühstücken. "Der Beschuldigte war nicht die treibende Kraft, aber ein wichtiges großes Zahnrad, kein kleines Rädchen." Er habe mit Vorsatz gehandelt, denn er "war sowohl in der Lage zu entscheiden, was darf ich tun und was nicht und es wäre ihm möglich gewesen anders zu handeln", so der Staatsanwalt.

    Der Angeklagte sei auch in der Lage gewesen, das ihm zugrunde gelegte Unrecht einzusehen. Deshalb sei die Hauptfrage, ob er der Beitragstäterschaft zum Mord schuldig sei, mit "Ja" und die Zusatzfrage, ob entschuldigender Notstand vorliege mit "Nein" zu beantworten. Der Staatsanwalt hatte beantragt, die Zusatzfrage an die Geschworenen fallenzulassen. Dem folgte das Gericht nicht. Als Milderungsgründe führte der Ankläger die bisherige Unbescholtenheit, das Geständnis sowie die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit durch den Einfluss des Vaters an. Erschwerend seien die Mitwirkung bei einer hinterhältigen Tat und ihr hoher Planungsgrad.

    Fünf bis 20 Jahre

    Der Verteidiger wies die Geschworenen darauf hin, dass der Strafrahmen beim Angeklagten als jungem Erwachsenen bei fünf bis 20 Jahren liege. Es gebe auch die Möglichkeit der außerordentlichen Strafmilderung, die unter die gesetzlichen Untergrenze - bis hinunter zu drei Monaten - reiche. Sie komme ins Spiel, wenn die Milderungsgründe überwiegen. Auch ein Freispruch oder ein entschuldigender Notstand seien möglich. Die Wahrheit liege wohl irgendwo in der Mitte, so Rifaat, der an den Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" erinnerte. Was vom Staatsanwalt erschwerend angeführt wurde, sei jedenfalls nicht dem Angeklagten sondern seinem Vater zuzurechnen, dafür sei die Latte der Milderungsgründe lang.

    Sein Mandant sei dem "Ungeheuer" von Vater hilflos ausgeliefert gewesen. Als er von dessen Vorhaben erfuhr, habe er die natürlichste Reaktion gezeigt und probiert den 48-Jährigen davon abzuhalten. Dafür sei er mit einem Messer an der Kehle bedroht worden. Und er kannte die Reaktionen des Vaters, wenn er seinen Willen nicht erfüllt bekam, so Rifaat. Es handle sich beim Beschuldigten um "einen warmherzigen Sohn, der sich bemühte, den Vater von seinem Plan abzubringen". Der Zeitfaktor spiele keine Rolle. Man sei ein Jahr später immer gescheiter als vorher. So auch der 20-Jährige. Er wisse, dass das nichts mehr ändern könne, aber "die Sache tut mir von ganzem Herzen leid und ich möchte mich bei der Familie entschuldigen", schloss der Angeklagte. Dann zog sich das Geschworenengericht zur Beratung zurück. Ein Urteil wurde für den Abend erwartet.

    Mutter am Nachmittag einvernommen

    Am Nachmittag wurde die leibliche Mutter des Angeklagten einvernommen. Sie beschrieb ihren Ex-Mann, den Vater des Beschuldigten, als gewalttätig, außerdem sei er während ihrer Ehe fremdgegangen. Er habe sie einmal angezeigt und gedroht, sie mit Säure zu überschütten. Er soll immer zugeschlagen haben, wenn ihm jemand widersprach oder seinen Anweisungen zuwiderhandelte, so die Zeugin.

    Ihr Sohn sei von seinem Vater manipuliert worden. Sie habe dem 20-Jährigen geschrieben, als er im Gefängnis saß und ihn besucht. "Er ist mein Kind, ich habe ihn immer geliebt. Er wird immer mein Sohn bleiben", sagte sie und brach in Tränen aus, wie auch der Angeklagte.

    Keine Abartigkeit höheren Grades, keine Wiederholungsgefahr, keine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt und keine Zurechnungsunfähigkeit sah Gerichtspsychiater Reinhard Haller in seiner Zukunftsprognose für den Angeklagten. Er leide an keiner psychischen Erkrankung, werde aber in einer forensischen Abteilung betreut. Die Voraussetzung für eine Einweisung in eine Anstalt seien nicht erfüllt, so der Psychiater, weder Schwachsinn oder akute Geisteskrankheit noch eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung oder ein vergleichbarer Zustand lägen vor. Der 20-Jährige sei nicht unfrei im Willen gewesen, aber eingeengt in seinem Steuerungsverhalten. Er habe wohl starke Angst vor dem Vater gehabt, krankhafte Zustände, die den Willen völlig aufheben, lägen aber nicht vor.

    Der Angeklagte sei in der Entwicklung unreif, hieß es im Gutachten. Bei der Verhandlung wirkte er auf den Psychiater "wesentlich reifer, er empfindet Schuldgefühle und übernimmt Verantwortung", so Haller. Man müsse den emotionalen Schock beim Weggang der Mutter als Auslöser für das Ganze werten. Der Vater sei ein schwerer Narziss und psychopathischer Mensch, dazu unglaublich kränkbar gewesen. Überforderung treffe wohl den Zustand des Angeklagten vor und bei der Tat. "So schwere Störungen, dass er nicht die Polizei rufen oder weglaufen hätte können, hatte er nicht", erklärte der Psychiater. Es sei aber wichtig, dass der Bursch weiter psychologisch begleitet wird.

    Die Obduktion habe ein massives stumpfes Schädel-Hirn-Trauma und Gewalt gegen die Halsregion als Todesursachen ergeben, so der Pathologe. Aus gerichtsmedizinischer Sicht könne man keine zeitliche Abfolge herstellen. Sowohl die Kopf- als auch die Halsverletzungen alleine seien geeignet gewesen, den Tod herbeizuführen. Bei den Videos zur Tatrekonstruktion zeigte sich der Angeklagte erschüttert, dass er so emotionslos gewesen sei.

    Am Nachmittag zog sich das Gericht zur Beratung über die Fragen für die Geschworenen zurück. Nach dieser Pause sollten die Schlussplädoyers folgen. Ein Urteil am späteren Abend war möglich.


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