"Plötzlich ist der Damm gebrochen"
Hänge rutschten ab, Sturzbäche rissen Hütten mit, Straßen wurden vermurt: Bei einem Lokalaugenschein in Hohentauern schildern Betroffene, wie sie die Unwetterkatastrophe erlebten.
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Wir haben gerade Schotter weggeschaufelt. Auf einmal hat es einen Rumpler gemacht und der gesamte Hang hinter unserem Haus ist heruntergekommen", schildert Johann Pirzl (65) aus Hohentauern die dramatischen Augenblicke von Donnerstagabend. Binnen kürzester Zeit war der hinter dem Anwesen Jetz verlaufende Mühlgrabenbach zu einer Sturzflut angewachsen und riss alles im näheren Umkreis mit sich. "Der Sach- und Flurschaden bei uns allein beträgt bestimmt 30.000 Euro", so Pirzl, der hofft, dass er von Versicherung und dem Katastrophenschutzfonds des Landes unterstützt wird.
Zerstört wurde auch die auf demselben Grundstück stehende Gartenhütte neben dem Wochenendhaus von Melitta Hasler (49) und Manfred Jetz (48). Die reißenden Fluten haben die Hütte Dutzende Meter mit sich gerissen und nur Trümmer zurückgelassen. Einzig das kleine Wochenendhäuschen in massiver Holzbauweise hat das Unwetter überstanden. Das Eingangstreppchen führt tief in den Schlamm. "Vorher war da ein schöner Garten, Rasen, eine Sitzgarnitur aus Holz und rundherum alles mit Thujenhecken eingezäunt", sagt Melitta Hasler, die ihre Kamera zückt, auf der sich Fotos vom bisherigen Zustand des Wochenendgrundstücks befinden.
Hagel-Millionenschaden
Die Hagelversicherung hat bereits eine erste Schadensbilanz für die Steiermark erstellt. Demnach wurden 10.000 Hektar landwirtschaftliche Kulturen vernichtet, der Schaden wird auf 4,4 Millionen Euro geschätzt. Betroffen waren vor allem Äcker, Gemüse, Obst, Wein, Grünland, Glashäuser.
Rekord-Niederschläge
92 Liter Regen pro Quadratmeter am Präbichl, 85 Liter in Kalwang - in Rottenmann fielen innerhalb von nur einer Stunde 26,2 Liter: "Das sind Mengen, wie sie nur einmal in zehn bis 20 Jahren zu erwarten sind", betont Johanna Oberzaucher, Klimatologin der Wiener Zamg.
Auf der angrenzenden Triebener Straße (B 114) donnern im Minutentakt Lkw des Straßenerhaltungsdienstes und von regionalen Erdbewegungsfirmen von der Gemeinde Hohentauern in Richtung Trieben. Sie sind die einzigen Fahrzeuge, die die gesperrte Landesstraße benutzen dürfen. Denn nur wenige Meter vom Grundstück der Familie Jetz entfernt verschüttete eine Mure die B 114 auf einer Länge von knapp einem Kilometer zum Teil meterhoch. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Räumung", so Joachim Huber, Pressesprecher des Landespolizeikommandos.
Für Wochen gesperrt
Mit Baggern werden die Geröllmassen von der Straße beseitigt, weiter oben fährt bereits eine Straßenkehrmaschine und beseitigt die letzten Schlammspuren. Obwohl die B 114 bereits weitgehend von den Geröllmassen befreit ist, wird die Fahrbahn frühestens heute Abend eingeschränkt wieder befahrbar sein. So lange soll laut einem Geologen die Sicherung der teilweise unterspülten Fahrbahn dauern. Bis die Verbindung zwischen Judenburg und Trieben für den gesamten Verkehr geöffnet werden kann, dürfte es laut den Experten aber noch einige Wochen dauern.
Sogar Monate wird es in Anspruch nehmen, bis Forellenzüchter Jürgen Wuitz in seinen Teichen wieder Fische heranzüchten kann. Bis Donnerstag war der Fischzüchter Herr über einen knapp eineinhalb Hektar großen Teich und rund 30 Zuchtbecken und kleine Teiche. Am Donnerstag war Wuitz bis um Mitternacht mit Aufräumarbeiten an seiner Fischzucht in Hohentauern beschäftigt. Da hoffte er noch, dass die Teiche das Unwetter überstehen würden. "Plötzlich ist der Damm des großen Teichs vor unseren Augen gebrochen", erinnert sich Wuitz. Der Murtaler musste mit ansehen, wie Forellen und Saiblinge im Wert von rund 150.000 Euro vernichtet wurden. "Ein Teil wurde weggeschwemmt, viele Fische wurden, glaube ich, aber auch unter dem Schlamm und Geröll begraben." Aufgeben will der Obersteirer aber nicht, schließlich musste seine Familie vor mehr als 40 Jahren schon einmal die Zucht neu aufbauen. Im Herbst will Wuitz mit seinem Betrieb wieder voll durchstarten.
Auch Helmut Puster und Peter Fritz - beide 58 - erlebten das Unwetter in Hohentauern mit. "Um halb fünf am Nachmittag hat es angefangen, über uns sind insgesamt vier oder fünf Gewitter drübergezogen", erzählt Puster, der froh ist, dass an seinem Haus kein Schaden entstanden ist. Dafür ist im Wald gegenüber eine Forststraße samt Hang abgerutscht.
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