Marketing: Ärzte sollten Produkte empfehlen
Die Lebensmittelriesen Danone und Unilever sollen nach Angaben von Foodwatch jahrelang versucht haben, Ärzte für Werbezwecke zu instrumentalisieren. Sie sollten etwa Margarine als Teil von Diätmaßnahmen empfehlen.

Foto © APAUnilever soll versucht haben, Ärzte zu manipulieren
Die Lebensmittelkonzerne Danone und Unilever haben nach Angaben der deutschen Verbraucherorganisation Foodwatch jahrelang versucht, Ärzte für Werbezwecke zu instrumentalisieren. Ziel einer Marketingkampagne sei es gewesen, Mediziner dazu zu bewegen, die Produkte der Konzerne Patienten zu empfehlen, erklärte Foodwatch am Mittwoch in Berlin. Dabei hätten die Konzerne wichtige Informationen verschwiegen und irreführende Angaben gemacht.
Unilever habe im April dieses Jahres in Ärzte-Fachblättern für seine mit Pflanzensterinen angereicherte, cholesterinsenkende Margarine "Becel pro-activ" geworben. Unilever-Deutschland-Chef Harry Brouwer habe auf "über 45 Humanstudien" verwiesen, die vorgenommen worden seien, um die Sicherheit und die Wirksamkeit von Pflanzensterinen zu belegen. Zugleich habe er betont, dass die wichtigsten europäischen Fachgesellschaften für Kardiologie (ECS) und Atherosklerose (EAS) die entsprechenden Lebensmittel in ihre Empfehlungen zur Behandlung erhöhter Cholesterinwerte aufgenommen hätten.
Verschwiegen dass Sicherheit angezweifelt wird
Dabei habe Unilever aber unterschlagen, dass diese Leitlinien den gesundheitlichen Nutzen und die Sicherheit der Produkte anzweifelten, kritisierte Foodwatch. So heiße es darin: "Aktuell gibt es keine Daten, die belegen, dass die Cholesterinsenkung mittels von Pflanzensterinen präventiv gegen koronare Herzkrankheiten wirkt." Zudem werde darin die Notwendigkeit von Langzeitstudien betont.
Ein Unilever-Sprecher erklärte dazu, Ärzte und Ernährungsberater sollten die Margarine "als Teil von Diät- und Lifestylemaßnahmen" empfehlen, damit Patienten ihren Cholesterinspiegel senken könnten, "ohne gleich ein Medikament nehmen zu müssen".
Der Lebensmittelkonzern Danone habe auf der Website für sein Produkt Actimel bis heute einen passwortgeschützten Expertenbereich speziell für "Ärzte und Wissenschafter", erklärte Foodwatch. Dort dokumentiere Danone Fortbildungen zu Themen wie "Probiotika und Immunsystem", die das Unternehmen gesponsert habe, und biete Zusammenfassungen seiner Studien an, mit denen jahrelang die Gesundheitseffekte von Actimel belegt werden sollten. Danone suggeriere, Actimel sei mehr als ein gewöhnlicher Joghurt und könne unter anderem vor Erkältungen schützen. Dies werde durch die Studien aber nicht belegt, erklärte Foodwatch.
Irreführende Werbung verboten
Ein Sprecher von Danone sagte AFP, das Unternehmen stehe weiterhin "zu dem, was wir gesagt haben". Derzeit prüfe Danone allerdings die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentlichte Liste mit zulässigen Gesundheitsangaben für Lebensmittel. "Wir befinden uns jetzt in einer Übergangsphase und in einem Prozess der Neubewertung", erklärte er.
Die EU-Kommission hatte Ende Mai eine Liste mit vorerst 222 Angaben veröffentlicht, mit denen auch über Dezember dieses Jahres hinaus weiter geworben werden darf. Irreführender Werbung mit Angaben wie "Gut fürs Immunsystem" soll damit ein Riegel vorgeschoben werden.











