"Marienerscheinungen sind enorme Werbung für den Ort"
Die Kleine Zeitung brachte Kritiker und Befürworter der Marienerscheinung in Bad St. Leonhard an einen Tisch. Am 27. Oktober ist "Seher" Caputa das nächste Mal zu Gast im Tal.

Foto © KLZ/BaumgartnerDie "Kleine"-Redakteurinnen Martina Schmerlaib und Bettina Friedl mit Bürgermeister Maier, Pfarrer Oberguggenberger, Stadtrat Dohr und Gemeinderat Reiterer
In Bad St. Leonhard ist wohl nie ein Thema auf so großes mediales Interesse gestoßen, wie die Marienerscheinungen auf dem Schlossberg - seit der italienische "Seher" Salvatore Caputa 2010 behauptete, dass ihm die Jungfrau Maria dort erscheinen wird. Bislang geschah dies fünf Mal, jedes Mal kamen hunderte Schaulustige und Gläubige, doch ihnen blieb das "Wunder" verwehrt. Nach wie vor sind die Erscheinungen umstritten. Die Kleine Zeitung bat Befürworter und Skeptiker zum Gespräch.
Auf der einen Seite: SPÖ und BZÖ, die von Anfang an die Erscheinungen befürworteten, auf der anderen: Ortspfarrer Walter Oberguggenberger als Vertreter der katholischen Kirche, die sich von den "Privatoffenbarungen Caputas" stets distanzierte und appellierte, den Erscheinungen nicht beizuwohnen - und die ÖVP, die das als "kompletten Blödsinn von religiösen Fanatikern" abgetan hat. Inzwischen änderte sich die Meinung der ÖVP: "Unsere Fraktion war anfangs skeptisch, weil wir dachten, dass es auf Kommerz rausläuft. Doch nachdem das nicht so ist und nur Anhänger von Caputa anreisen und beten, kann man nichts dagegen haben", so ÖVP-Gemeinderat Josef Reiterer.
Im Gespräch kam neben Caputa noch eine Person zur Sprache: Der pensionierte Bad St. Leonharder Allzweckwarenhändler Konrad Melcher, der Caputa bei Wallfahrten kennengelernt und die Info bekommen hat, die Muttergottes werde dem Seher am 1. Mai 2010 in Bad St. Leonhard erscheinen.
Gnade spenden
An die erste Begegnung mit Caputa kann sich Bürgermeister Simon Maier (SPÖ) noch gut erinnern: "Die Frage war, ob wir die Gottesmutter in der Gemeinde aufnehmen, sie werde uns beschützen und Gnade spenden. Als gläubiger Christ lehnte ich das nicht ab, obwohl ich wusste, dass es Probleme mit der Kirche gibt." Maier bezahlte 1000 Euro für die Andachtsstätte auf dem Schlossberg aus eigener Tasche. Tourismusstadtrat Dieter Dohr (BZÖ): "Wir haben nichts anderes getan, als zugelassen, dass Gläubige auf öffentlichem Grund beten dürfen." Die Politiker sehen darin eine "unbezahlbare Werbung" für den Ort. Während bei der ersten Erscheinung 2010 rund 400 Schaulustige und Gläubige kamen, waren es bei der jüngsten, fünften angeblichen Erscheinung heuer im April bereits 1000. Dohr: "Zwei Prozent sind Einheimische, der Rest kommt von auswärts. Sie reisen in Bussen aus ganz Österreich und Italien an. Es kommen auch zwischendurch Busse mit Gläubigen, die Wasser aus dem Bürgerbrunnen abfüllen." Immerhin soll Caputa vor einem halben Jahr die Botschaft von Maria bekommen haben, dass das Wasser geweiht gehört, damit es über Heilkräfte verfüge. Ein Pater aus Bozen segnete es schließlich. Um dem Ansturm gerecht zu werden, montierte die Stadt neue Leitungen, damit das Wasser schneller fließt. Das prangert der Pfarrer an: "Bei Caputa zu Hause gibt es eine Grotte und einen Brunnen. Auch in Bad St. Leonhard wurde eine Andachtsstätte errichtet und der Brunnen ausgebaut. Caputa hat auf seinem Anwesen auch einen Kreuzweg, ein solcher wird wohl auch hier entstehen." Dohr: "Wenn Maria das sagt, werden wir es machen."
"Nicht anerkannt"
Am 27. Oktober ist Caputa das nächste Mal zu Gast im Tal. Um 16.30 Uhr soll ihm Maria abermals erscheinen. Ob die Politiker glauben, dass ihm tatsächlich die Muttergottes erscheint? Maier und Dohr sind überzeugt davon, Reiterer glaubt "definitiv nicht" daran, obwohl er das "Spektakel" nun befürwortet. Und der Pfarrer sowieso nicht: "Caputas Wirken und Offenbarungen werden von der Kirche nicht anerkannt."
Features
SPÖ-Bürgermeister Simon Maier
"Ich war bei allen fünf Erscheinungen dabei und bin von den Menschen, die kommen, immer mehr fasziniert. Auch von Caputa. Erst wird gesungen und gebetet, die Erscheinung ist nur danach ein kleiner Beitrag. Die Gläubigen beten und gehen zufrieden nach Hause. Ich lade alle ein, teilzunehmen. Vielleicht ändern die Skeptiker dann ihre Meinung."
Ortspfarrer Walter Oberguggenberger
"Meine Meinung war von Anfang an, dass es hier keine echte Marienerscheinung gibt. Das sind Privatoffenbarungen, die jeder haben kann. Dass Maria hier tatsächlich erscheint, ist auch von kirchlicher Seite nicht anerkannt, sondern sogar durch die Kommission in Norditalien, in Südtirol und durch unseren Bischof aberkannt."
BZÖ-Stadtrat Dieter Dohr
"Ich stand den Marienerscheinungen immer positiv gegenüber, weil es eine wunderbare Sache für Bad St. Leonhard und den Glauben ist. Beim ersten Mal war ich dabei, es herrschte eine spezielle Stimmung und die Menschen haben in Frieden gebetet. Es war schon immer ein Traum von mir, dass Menschen bei uns die schönen Kirchen besuchen und zum Glauben finden."
ÖVP-Gemeinderat Josef Reiterer
"Anfangs war ich skeptisch, doch auf Kommerz, den ich befürchtete, läuft's nicht raus. Daher befürworte ich das nun, denn die Leute suchen hier Hoffnung und vielleicht wird diese zum Teil auch erfüllt. Ich war noch nie bei einer Erscheinung, aber ich werde mir das einmal ansehen."











