Ihr Tod bewegt die Welt
Sie war 22 und hatte einen Abschluss einer Elite-Uni in der Tasche. Marina Keegans Tod bewegt Tausende Menschen, weil ihre Abschlussrede ein berührendes Plädoyer für mehr Engagement in der Gesellschaft ist.

Foto © FACEBOOK Das Foto von Marina Keegan wurde von der Familie freigegeben
"Wir haben kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit, aber wenn wir eines hätten, dann wäre es das, was ich mir für mein Leben wünschen würde." Mit diesen eindringlichen Worten hat Marina Keegan ihre Mitstudierenden an der amerikanischen Elite-Uni Yale verabschiedet. Ihre Rede für den Jahrgang 2012, die auch als Kolumne in der Campus-Zeitung erschien, ist ein flammendes Plädoyer dafür, mit Leidenschaft und Überzeugung etwas zur Gesellschaft beizutragen. Die engagierte Absolventin rief ihre Kommilitonen dazu auf, etwas aus ihrem Leben zu machen. Diese Hommage an das Ende der Jugend sollte unerwartet zum Vermächtnis werden.
Zwei Tage später war die 22-Jährige tot.
Die talentierte Schreiberin, die ihr Examen in Literatur und Journalismus mit der Höchstnote summa cum laude absolvierte und am 11. Juni beim Magazin "The New Yorker" als Redakteurin anfangen sollte, starb bei einem Autounfall auf der Insel Cape Cod in ihrem Heimatstaat Massachusetts. Sie war mit ihrem neuen Freund auf dem Weg vom ersten Treffen mit dessen Großmutter zum Geburtstag ihres Vaters. Doch der Wagen überschlug sich. Vermutlich ist der ebenfalls 22-Jährige eingeschlafen, so vermuten es Marinas Eltern.
"Wir sind so jung, wir haben so viel Zeit." - Es ist genau jener Kontrast ihres hoffnungsvollen Aufsatzes und ihres tragischen Endes, der die Netzgemeinde nun um Keegan trauern lässt. Mehr als eine halbe Million Mal wurde ihre Liebeserklärung an das Lebensgefühl mit ihren Kommilitonen bereits aufgerufen.
Sowohl in Kommentaren als auch über den Nachrichtendienst Twitter bekundeten Tausende Menschen aus aller Welt ihr Mitleid und drückten ihre Betroffenheit aus, für eine Frau, die das Lebensgefühl von Millionen Studenten auf aller Welt auf den Punkt brachte.
Auch deshalb, weil ihr Essay ein Ausrufezeichen für das ist, was Amerikas Eltern sich für ihre Kinder ersehnen und wovon Studenten träumen: Intelligenz, Lebenslust, Idealismus und erste Anerkennung in einer Stadt und Berufswelt. "Lass uns etwas in der Welt verändern."
Marina Keegan schrieb bereits Kolumnen für den "New Yorker", veröffentlichte viel beachtete Artikel in der "New York Times", war Dramaturgin und leitete die Studentenvertretung der Demokraten, sie organisierte "Occupy"-Proteste vor einem Hotel, in dem Wall-Street-Banker Gespräche mit Yale-Studenten führten, und skandierte: "Habt Mut, geht nicht zu den Banken!"
Sie glaubte daran, dass sie die Pflicht hätte, Gutes zu tun zum Wohle der Gesellschaft, "in den Künsten, im Bürgerengagement, in der Forschung". Fast jeder Studienanfänger komme mit großen altruistischen Zielen und gut die Hälfte gehe mit dem Ziel, in der Finanzindustrie reich zu werden. So dachte Marina Keegan.
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"Wir sind so jung"
"Wir haben kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit, aber wenn wir eines hätten, dann wäre es das, was ich mir für mein Leben wünschen würde. Es ist das, wofür ich so dankbar bin, weil ich es in Yale gefunden habe, und wovor ich mich fürchte, es wieder zu verlieren, wenn ich morgen aufwache und den Ort verlassen muss. (...) Das macht mir Angst. Mehr, als nicht den richtigen Partner, die richtige Stadt, den richtigen Job zu finden, habe ich Angst davor, unser Netz zu verlieren. Dieses flüchtige, undefinierbare Gegenteil von Einsamkeit. (...) Wir können uns verändern, neu anfangen, der Gedanke, dafür sei es zu spät, ist komisch, er ist verrückt. Wir können nicht, dürfen nicht dieses Gefühl für unsere Möglichkeiten verlieren. Denn am Ende ist es alles, was wir haben. Wir sind so jung, wir haben so viel Zeit."











