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Zuletzt aktualisiert: 18.05.2012 um 21:57 UhrKommentare

"Zensur in China ist unmoralisch!"

Weltpolitik, Weisheit und Witz: Pressetreffen mit dem Dalai Lama - wie am Freitag in Klagenfurt - haben einen großen Unterhaltungswert.

Allseits zu Späßen bereit: der berühmteste Sohn Tibets, der Dalai Lama, mit Bürgermeister Scheider und LH Dörfler

Foto © KLZ/TraussnigAllseits zu Späßen bereit: der berühmteste Sohn Tibets, der Dalai Lama, mit Bürgermeister Scheider und LH Dörfler

Keiner, weder Barack Obama noch Rolf Holub, kann Botschaften so einladend servieren wie der Dalai Lama. Wie etwa reagiert ein Weiser auf die Journalistenfrage: "Wie würden Sie Kindern, die noch nie von Tibet und China gehört haben, erklären, was ein Dalai Lama ist?" Der lacht: "Keine Ahnung." Und legt nach: "Manche nennen mich Gottkönig, andere Lebendigen Buddha, einige Dämon. Ich bin nur ein buddhistischer Mönch."

Bei normalen Pressekonferenzen fragen Journalisten. Beim Dalai Lama ist das anders. "Medienleuten sage ich immer diese Dinge: Als Mensch bin ich einer von sieben Milliarden. Selbst aus egoistischer Sicht ist langfristiges Glück für alle nur gemeinsam durch Humanität zu erreichen, nicht durch Geld und Macht."

Eine Botschaft richtet der Dalai Lama direkt an die Journalisten: "Medienleute sollten lange Nasen haben." Zum Glück ist in Tibet die Lügen-Langnase Pinocchio unbekannt, deshalb meint der Dalai Lama "Elefanten, die mit ihren Rüsseln nicht nur an der netten Oberfläche schnuppern, sondern auch hinter dem Rücken". Und "ungesunde Dinge wie Korruption aufdecken".

Dann relativierte er die Todesbedrohung durch chinesische Agenten, die kürzlich bekannt wurde. Dass ihn Frauen veranlassen wollten, ihre mit Kontaktgift kontaminierten Schals und Haare zu berühren, sei nur früher einmal Thema gewesen.

An China kritisierte er die Zensur, die es 1,3 Milliarden Chinesen unmöglich mache, sich eine Meinung über Tibet zu bilden. "Das ist unmoralisch." Schlecht sei auch das Rechtssystem, das "Millionen hilflosen Wanderarbeitern und Bauern keine rechtsstaatliche Grundlage bietet, für ihre Rechte einzutreten". Wäre das gelöst, könnte auch die Tibetfrage in kurzer Zeit geklärt sein.

Zum Schluss noch ein Beispiel seiner Ironie: "Manche Leute sagen, die tibetische Fahne hätte keine Berechtigung. Als ich 1954 in Peking war, hing unsere Fahne neben der Flagge Chinas. Unsere Fahne hat also eine Bestätigung von Mao Tse Tung persönlich."

Den eingangs erwähnten Kindern würde er gern Werte vermitteln: "Das vorige Jahrhundert mit 200 Millionen Opfern war eines der Gewalt. Jetzt kommt das Jahrhundert des Dialogs. Überlegt, was ihr dazu beitragen könnt."

Und sonst ...?

Richtig ins Bild gerückt

Ein paar enge Vertraute sind in diesen Tagen stets an der Seite des Dalai Lama: Neben einigen tibetischen Mönchen und dem ins Deutsche übersetzenden Dolmetscher ist es Geshe Tenzin Dhargye, der Vertreter des Dalai Lama in Kärnten und Direktor des Tibetzentrums Hüttenberg. Im Medientross mit dabei ist stets auch Tenzin Choejor. Der Nepalese mit Wohnsitz in Indien ist quasi der Haus- und Hoffotograf des Dalai Lama. Er begleitet den Friedensnobelpreisträger zu all seinen Auftrittsorten.

150.000 Dollar kontra Honig und Lebkuchen

Aufgestoßen ist Beobachtern ein krasses Ungleichgewicht: Während Landeshauptmann Gerhard Dörfler dem Dalai Lama als Geschenke Kärntner Honig und Lebkuchen überreichte, stellte sich der Gast - zur völligen Überraschung aller - mit 150.000 Dollar als Geschenk für das Tibetzentrum in Hüttenberg ein. Wäre man von Landesseite vorinformiert gewesen, hätten Dörfler & Co. vorab betont, wie viel Landesförderung für das Projekt fließt.

Solidaritätsakt auf dem Heldenplatz

Am Rande der Veranstaltungen in Klagenfurt wirbt Migmar Dhakyel (Foto), die sich um die von China unterdrückten Landsleute in ihrer alten Heimat Tibet sorgt, engagiert für eine Großveranstaltung. Mit vielen jungen Tibetern organisiert sie für 26. Mai auf dem Wiener Heldenplatz eine europäische Solidaritätskundgebung für Tibet.

Mit großem Interesse am Klagenfurter Maibaum.

500 Interessierte waren gestern früh in Klagenfurt dabei, als der Dalai Lama von Bürgermeister Christian Scheider die Goldene Ehrenmedaille der Stadt erhielt, sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug - und großes Interesse am Maibaum auf dem Neuen Platz zeigte. Anders als am ersten FPK-dominierten Tag bei der Ankunft waren von der Stadt Politiker aller Couleurs eingeladen.

Augenoperation soll Besserung bringen

Aufgeklärt hat der sonst so vital wirkende Dalai Lama (76) in einem Nebensatz seine Unsicherheit beim Gehen. Probleme mit den Augen seien der Grund. Im Sommer soll eine Operation Besserung bringen. Dass er die Nähe zu Menschen sucht, beweist er bei jedem Termin: Kindern streicht er gleich über den Kopf, klopft auf Schultern. Beim Sitzen ergreift er die Hände der Sitznachbarn und streicht darüber - in Hüttenberg waren es Gerhard Dörflers'.


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