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    Zuletzt aktualisiert: 16.05.2012 um 21:35 UhrKommentare

    Wie in einem Krimi von Dan Brown

    Das Verschwinden der 15-jährigen Vatikanbürgerin Emanuela Orlandi vor 29 Jahren schlägt bis heute hohe Wellen in der italienischen Hauptstadt: Nun wurde dafür sogar das Grab eines Mafiabosses geöffnet - mitten in der Krypta einer römischen Basilika, die dem Vatikan gehört.

    Foto © AP

    Seelenruhig essen Touristen auf dem Platz gleich hinter der Piazza Navona in Rom zu Mittag. Gegenüber, in der Krypta der Basilika Sant'Apollinare versuchen Ermittler das größte Kriminal-Rätsel der italienischen Hauptstadt zu lösen.

    Hinter den Absperrungen der Polizei kommt es zu Szenen wie in den Romanen von Dan Brown: Polizei-Spezialisten exhumierten den Kadaver eines lokalen Gangsterkönigs. Im selben Sarg soll auch das Geheimnis von Emanuela Orlandi begraben liegen, ihre Knochen fanden die Experten dort bisher allerdings nicht. Vor 29 Jahren war das damals 15-jährige Mädchen spurlos verschwunden. Seither wird im Fall Orlandi gerätselt: War die Vatikanbürgerin Opfer eines Erpressungskomplotts, in das höchste Stellen im Vatikan verwickelt waren? Und warum bekommt ein Verbrecher seine letzte Ruhestädte in der Krypta einer römischen Basilika, die dem Vatikan gehört?

    Bisher gibt es nur wenige Antworten. Die Ermittler stellten fest, dass der in Jackett und vergilbtem Hemd aufgefundene Leichnam im Sarkophag jener von Enrico De Pedis ist, dem 1990 ermordeten Boss der Magliana-Bande. 2005 hatte ein anonymer Anrufer in einer italienischen TV-Sendung im Stil von "Aktenzeichen XY" behauptet: "Wenn ihr den Fall lösen wollt, seht nach, wer in der Krypta von Sant'Apollinare begraben ist."

    Die Magliana-Bande soll unbekannten Hintermännern Helfer-Dienste bei der Entführung geleistet haben. Brisant macht den Fall auch, dass Ermittler behaupten, der Heilige Stuhl hätte sich jahrelang gegen eine Zusammenarbeit mit der Justiz versperrt. Erst vor einem Monat stimmte der Vatikan der Graböffnung zu.

    Komplott

    So wurden Spekulationen beflügelt, Emanuela Orlandi, Tochter des Hofdieners von Johannes Paul II., stehe im Zentrum eines Kirchen-Komplotts. Eine der Theorien lautet, Orlandi sei im Auftrag des 2006 verstorbenen Kardinal Marcinkus, dem ehemaligen Chef der Vatikanbank, entführt worden.

    Eine andere Version lautet, die Entführung Emanuelas habe im Zusammenhang mit dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 gestanden. Anonyme Anrufe und Schreiben wiesen damals darauf hin, das Mädchen könnte entführt worden sein, um den Attentäter freizupressen. Das könnten aber auch Ablenkungsmanöver gewesen sein. Der Attentäter soll später behauptet haben, er wisse, dass Emanuela von einer mächtigen Organisation entführt worden sei. Emanuelas Bruder Pietro will auf jeden Fall weiter dafür kämpfen, das Schicksal seiner Schwester aufzuklären. "Es ist ein Akt der Liebe gegenüber meiner Schwester, die Unrecht erlitten hat: Sie haben ihr nicht erlaubt, ihr Leben zu leben."

    JULIUS MÜLLER-MEININGEN, ROM

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    Bild vergrößernPietro Orlandi will wissen, was mit seiner Schwester passiert istFoto © AP

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