Gletscherschliff wird abgepumpt
16 Jahre nach verheerender Möll-Spülung mit Fischsterben, betoniertem Flussbett und Kleine Zeitung-Kritik ging Entsorgungsmodell in Betrieb.

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Millionen Tonnen schwere Eismassen reiben seit Ewigkeiten an den Felsen der Alpen. Unendlich langsam zwar, aber mit Folgen: Der staubfeine Abrieb wird in die Täler gespült. Er gibt Gebirgsflüssen ihr leuchtendes Grün - und wird als Gletscherschliff zum Problem.
Im Juni 1995 löste die total missglückte Entsorgungsmethode der Tauern-Kraftwerke (TKW) Proteste aus. Die Firma spülte den Gletscherschliff aus dem Sandersee unterhalb des Großglockners einfach die Möll hinunter. Legendär - und im Nachhinein absurd - war das Versprechen eines TKW-Managers, durch die Aktion werde "kein einziger Fisch geschädigt". Fotos von zubetonierten Sandbänken mit toten Forellen sorgten für öffentliche Empörung, die von der Kleinen Zeitung geteilt wurde. Die TKW, später Austrian Hydro Power (AHP) und Verbund, waren gezwungen, ein neues Konzept vorzulegen. Einige Varian- ten sorgten wieder für Wirbel.
Seit dem letzten Sommer ist das Problem gelöst. Heimlich, still und leise ging ein Verfahren in Betrieb, das Heinz Jungmeier vom Alpenverein schon vor 18 Jahren vorgeschlagen hat und das auch von der Kleinen Zeitung befürwortet wurde: 40.000 Kubikmeter Gletscherschliff, die alljährlich anfallen, werden durch einen 12 Kilometer langen Überleitungsstollen vom Margaritzenspeicher durch den Berg in den Wasserfallboden in Kaprun gepumpt und dort endgelagert.
Laut Experten reicht der Platz für mindestens 100 Jahre. "Der Vorteil dieses Totraumes, der keine Bedeutung für die Energiegewinnung hat, liegt darin, dass wir seine Verträglichkeit mit der Natur nachweisen konnten", sagt Wolfgang Syrowatka vom Verbund. Kosten: elf Millionen Euro.
Und welche Bedeutung haben die Kleine Zeitung und andere Medien bei der Verwirklichung der vernünftigsten Lösung? Syrowatka: "Die Naturverträglichkeit stand bei der Beurteilung an erster Stelle. Aber es wäre nicht möglich, die ganze Entwicklung ohne den historischen Kontext und den medialen Einfluss zu beurteilen."










