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Zuletzt aktualisiert: 05.05.2012 um 18:13 UhrKommentare

Als die Adria noch weit weg war

"Ans Meer!", eine neue Sonderausstellung im Stadtmuseum Villach, widmet sich der Geschichte des Adriaurlaubs.

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Die einen schwören auf den goldenen Sand von Lignano. Die anderen sind überzeugte Liebhaber der felsigen Küste Istriens. Aber alle wollen ans Meer, an die Adria, und das seit Jahrzehnten. Werner Koroschitz, Villacher Experte für die Aufarbeitung von Alltagsgeschichte und Industriekultur, hat im Museum der Stadt die Sonderschau "Ans Meer!" zusammengetragen.

Zwei Jahre lang schaufelte er sich durch die persönlichen Erinnerungsdepots der Kärntner. "Ich kann gar nicht zählen, wie viele Fotos ich mir angeschaut habe", sagt Koroschitz, der seine Ferien im Volksschulalter mit der Familie ebenfalls am Adriastrand verbrachte. "Damals ging es mit dem senfgelben Fiat 850 meines Vaters vollbepackt nach Lignano", schildert der Historiker. Das erste Mal 1969, dann sieben Jahre in Folge. Und jedes Mal war es quasi eine "Weltreise", weil es keine Autobahn im Kanaltal gab, und die funktionierende "Panini-Latte"-Bestellung in der fremden Srache als Wunder erschien.

Die Erfolgsgeschichte des Adriaurlaubes begann freilich früher. Da war es jedoch nur einer dünnen Oberschicht möglich, den Sommer am Meer zu genießen. Und mit den kessen Badebekleidungen unserer Tage hatte das alles nichts zu tun.

Hedda Semlitzky erinnert sich, dass sie ihren Mitschülern Sand und Meerwasser mitbringen musste. Der Unternehmer Albert Wirth war mit Mutter, Geschwistern und Kindermädchen stets vier Wochen in Grado, zuerst in einer Pension, dann im Appartement. Auch Urlaubsfotos von Familien Benque aus den 1920er Jahren sind in der Ausstellung zu sehen, am Strand mit ausladendem Badeanzug und Badehaube.

Im Beiwagen

Paul Szente-Varga schildert, wie abenteuerlich allein die Anreise war: "Mit den beiden Buben im Beiwagen und meiner Frau auf dem Sozius des Motorrades sind wir vollgepackt gefahren." Andere Zweiradbesitzer erzählen, dass sie an einem Tag gleich mehrere Adria- und Retourfahrten absolvierten, um alle Familienmitglieder an den Strand zu bringen.

Bei vielen Ausstellungsbesuchern werden auch die Grenzübertritte und das Prickeln wieder lebendig, wenn man zu viel Eingekauftes mit nach Hause bringen wollte. Und dann natürlich das unvermeidliche Grillhendl in Resiutta.

Wie die einen ihr Lieblingshotel "Sole" oder die kroatische Privatpension Jahr für Jahr ansteuern, bauen andere flink ihr Zelt auf. Das sah vor 50 Jahren auch anders aus: "Wir haben auf Luftmatratzen mit Decken geschlafen, immer gekocht, die Männer haben oft abgewaschen", erinnert sich Waltraud Brandstätter.

Karoline Krametter berichtet vom Transistorradio, den man 1956 bei Radio Gaggl in Villach um 700 Schilling auf Raten erstand und der auch am Strand von Caorle 1960 dabei war.

Die Bilder vom Spumante-Schlürfen, gegrillten Sardinen, Ravioli und Korbflaschen mit Rotwein runden die gelungene Erinnerungsschau und den Katalog ab. "Am Straßenrand sind die Bauern gestanden und haben Pfirsiche und die für uns neuen Wassermelonen verkauft", erzählt Elfriede Ließmann. Eis- und Kokosnussverkäufer am Strand von Cattolica erstehen plastisch auf. Auf unvermeidliche Souvenirs - beleuchtete Gondeln, Muschelkreationen - die in den 1970er Jahren in vielen Wohnungen zu finden waren, Urlaubshits, und Filme ist Koroschitz ebenfalls gestoßen. Prädikat: absolut besuchenswert!

ELENA MOSER

Fakten

Dauer. "Ans Meer", die Sonderschau im Museum der Stadt Villach (Widmanngasse 38), ist bis 31. Oktober geöffnet. Montag bis Samstag von 10 bis 16.30 Uhr. Am 12. Mai lädt der Verein UNIKUM zur Aktion "Am Strand von Monfalcone".

Eintritt. Erwachsene drei Euro, Jugendliche und Gruppen zwei Euro. Es gibt gratis Führungen.

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