Ein Leben auf höchster Ebene
Fünf Jahrzehnte lang waren sie jeden Sommer auf der Alm: Kärntens längstgediente Senner und Sennerinnen wurden jetzt offiziell geehrt.

Foto © KKGeehrt. Gerlinde Penker, Jakob Stramitzer, Adolf Winkler, Magdalena Suntinger (von links)
Ein siebenjähriger Bub ganz allein auf der Alm beim Viehhalten, von sieben Uhr in der Früh bis sechs Uhr am Abend im Freien, er melkt die Kühe, kocht sich in der Pfanne die Polenta und trinkt die Milch dazu. So begann Jakob Stramitzers Karriere als Almhirte, die in einer 52-jährigen Tätigkeit als Almhalter auf Gailtaler Almen gipfelte, für die er kürzlich gemeinsam mit den längstgedienten Sennern und Sennerinnen vom Kärntner Almwirtschaftsverein geehrt wurde.
"Farfalan" und "Plentn"
Als Zwölfjähriger wurde er "Zubote" eines alten Senners, musste gemeinsam mit einem anderen Buben schon um fünf Uhr aufstehen, die Kühe holen, die Ziegen melken und die Kühe wieder austreiben. Wenn es nicht schnell genug ging, schimpfte der alte Senner: "Geht's doch schneller ihr Schweinstreiber!", erinnert sich Stramitzer noch heute. Zum Essen gab es nur "Farfalan", "Plentn" und Milch. Später wurde Stramitzer auf der Würmlacher Alm Experte für Viehkrankheiten wie Weidetetanie und lernte den richtigen Umgang mit den Kühen. "Man darf ein Vieh nie schlagen, nur loben", betont der begeisterte Ziehharmonikaspieler, der sofort erkennt, ob ein Vieh daheim beim Bauern Stress hat oder nicht. Gestresste Tiere wollen eher ausbrechen als die, die oft "ein gutes Wort" hören. Zur Almidylle befragt, sagt Sramitzer lapidar: "Das Leben auf der Alm ist sticklig-steil, regnerisch und kalt".
Drei Jahre alt war Magdalena Suntinger, als sie mit der Mutter dreieinhalb Stunden zu Fuß auf die Alm marschierte, ihr Vater schleppte Tür- und Fensterstöcke für die Hütte in der "Buckelkraxn" auf die Mölltaler Hanslbaueralm in 2070 Meter Höhe.
Später übernahm Magdalena Suntinger als Sennerin die Alm, auf der sie seit 47 Jahren tätig ist. Als sie Mutter wurde, nahm sie ihrerseits die Kinder mit auf die Alm, den Zweijährigen führte sie an der Hand, das zehn Monate alte Baby trug sie im Rucksack, dass nur das Köpfchen herausschaute. Die Tochter kam schon mit fünf Monaten auf die Alm, wo Suntinger, die gerne dichtet, 13 Kühe betreut, Butter rührt und Lab- und Schmelzkäse für den Eigengebrauch erzeugt. Mühsam ist die Heuernte im Juli. Die händisch gemähten Grasballen, auf Mölltalerisch "Wellen", werden mit Stricken auf die Schultern geladen. Dann erfolgt das "Bürn-Tragen" bis zur Hütte. "Man muss eine Freude haben mit dem Vieh", sagt sie über ihre Motivation, den ganzen Sommer auf der Alm zu verbringen. "Auch die Kühe gehen so gern hinauf, sie wollen von selber nicht heim".
300 Schilling für 100 Tage
In 100 Tagen verdiente er nur 3000 Schilling, für 16 bis 18 Stunden Arbeit am Tag. Das war Anfang der 50er Jahre, als Adolf Winkler aus Grafendorf im Gailtal als ausgebildeter Käser seine Sennerlaufbahn begann, die nunmehr über 50 Jahre dauert. Der Tagesablauf war streng: Tagwache um drei Uhr früh, heizen, die Vieher rufen, melken, die Vieher austreiben, käsen, um 16 Uhr die Vieher rufen und wieder zwei bis drei Stunden melken. Der Käse wurde jeden dritten Tag mit lauwarmem Wasser gewaschen und mit Salz eingerieben. Nach sechs Wochen Reife erfolgte der Anschnitt.
"Almidylle gibt es nur im Film", lacht Winkler die Fragende aus. Weder fesche Dirndln noch lustige Jäger habe es auf der Tresdorfer Alm gegeben. Manchmal seien schon "Gitschen" vorbeigekommen, die hätten aber nicht übernachten wollen und außerdem sei man "sowieso zu müde" gewesen. Kein Wunder bei 70 Milchkühen und 40 bis 50 Ziegen, die von Winkler und seiner Familie händisch gemolken werden mussten. Das ergab 600 bis 700 Liter Milch pro Tag, im Herbst nur ein Drittel davon, für heutige Verhältnisse sehr wenig.
Oft kam zwei Wochen lang kein Mensch vorbei, die Penkerhütte in der Kesselgruben-Heiligenbachalpe auf 1800 Meter war zu abgelegen. Gerlinde Penker, die heuer ihren 46. Almsommer begeht, war schon als 20-jähriges Mädchen als Sennerin ganz allein auf der Alm. Strom gibt es dort bis heute nicht, abends wird die Kerze angezündet. "Idyllisch ist es nicht, nur einsam", lacht Gerlinde Penker, die eher ein "Einsiedlertyp" ist. Um 4.30 heißt es bei ihr Tagwache, dann wird geheizt, gemolken, Milch entrahmt, der Stall geputzt, Butter und Käse gemacht. Gerlinder Penker würde sich immer wieder für dieses Leben entscheiden. "Es ist so in mir drinnen".
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Starke Frau. Magdalena Suntinger (hier in den 80er Jahren) muss bei der Heuernte auf der Hanslbaueralm ober Stall kräftig Hand anlegen. 2011 war sie das erste Mal vier Monate durchgehend auf der Alm Foto © KK
Starke Frau. Magdalena Suntinger (hier in den 80er Jahren) muss bei der Heuernte auf der Hanslbaueralm ober Stall kräftig Hand anlegen. 2011 war sie das erste Mal vier Monate durchgehend auf der Alm Grafik © KK
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Einsam. Gerlinde Penker war als junges Mädchen ganz alleine auf der Kesselgruben-Heiligenbachalpe ober Kremsbrücke, wo es keinen Strom gibt. Hier sieht man sie in den 60er Jahren beim Buttern. Angst hatte sie nie. "Es kam ja niemand vorbei". Foto © KK
Einsam. Gerlinde Penker war als junges Mädchen ganz alleine auf der Kesselgruben-Heiligenbachalpe ober Kremsbrücke, wo es keinen Strom gibt. Hier sieht man sie in den 60er Jahren beim Buttern. Angst hatte sie nie. "Es kam ja niemand vorbei". Grafik © KK
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Nie schlagen. Rinder muss man loben statt schlagen, war das Credo von Jakob Stramitzer (hier mit Sohn als junger Halter). Sonst wollen sie ausbrechen. Heute macht der Musikant, der 300 Kuhglocken gesammelt hat, nur mehr Urlaub die AlmFoto © KK
Nie schlagen. Rinder muss man loben statt schlagen, war das Credo von Jakob Stramitzer (hier mit Sohn als junger Halter). Sonst wollen sie ausbrechen. Heute macht der Musikant, der 300 Kuhglocken gesammelt hat, nur mehr Urlaub die AlmGrafik © KK
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Käseprofi. Adolf Winkler wollte ursprünglich Zimmermann werden, kam dann aber zur Agrarbehörde Villach in den Außendienst. Er machte in Spittal eine richtige Käserausbildung. In guten Zeiten wurden auf der Tresdorfer Alm bis zu 3000 Kilogramm Gailtaler Almkäse erzeugt. Der Arbeitstag dauerte oft 16 StundenFoto © KK
Käseprofi. Adolf Winkler wollte ursprünglich Zimmermann werden, kam dann aber zur Agrarbehörde Villach in den Außendienst. Er machte in Spittal eine richtige Käserausbildung. In guten Zeiten wurden auf der Tresdorfer Alm bis zu 3000 Kilogramm Gailtaler Almkäse erzeugt. Der Arbeitstag dauerte oft 16 StundenGrafik © KK










