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    Zuletzt aktualisiert: 02.04.2012 um 14:49 UhrKommentare

    Nordsee: Greenpeace traut "Entwarnung" nicht

    Experten der Umweltorganisation Greenpeace haben mit ihren Schadstoff-Messungen nahe der leckgeschlagenen Gasplattform "Elgin" in der Nordsee begonnen. Sie trauen dem Ölmulti Total nicht, der bislang noch kein Expertenteam geschickt hat.

    Foto © Joerg Modrow - Greenpeace

    Greenpeace-Aktivisten haben am Montag mit dem gecharterten Schiff "Königin Juliane" das Elgin-Gasfeld vor der schottischen Küste erreicht. Sie untersuchen entlang der Sperrzone um die havarierte Gasplattform Elgin von Total, wie stark die Umwelt nach dem Unfall belastet ist.

    Großflächige Ölverschmutzung

    Bislang haben die Aktivisten definitiv eine großflächige Ölverschmutzung des Oberflächenwassers entdeckt. Mit einer Mittelwellen-Infrarotkamera wollen die Umweltschützer die Austrittsstelle des klimaschädlichen Methan-Gases ermitteln. Zusätzlich nimmt ein Chemie-Experte mittels großer Luftsäcke Proben aus der Atmosphäre. "Wir sind hier, weil Ölkonzerne bei Unfällen oft Informationen zurückhalten", so Christian Bussau, Fahrtleiter und Meeresexperte von Greenpeace. "Wir wollen uns daher selbst vor Ort ein Bild von den Umweltschäden machen".

    Das Beispiel Elgin zeigt für Greenpeace, wie schnell die Ölfirmen die Kontrolle über ihre Plattformen verlieren können. Auch über eine Woche nach Bekanntgabe des Unfalls ist nicht bekannt, wie lange Total brauchen wird, um das Leck zu schließen. "Die Ausbeutung von Öl und Gas wird immer zu Unfällen führen. Das ist nur eine Frage der Zeit", so Bussau. Nicht nur in der Nordsee riskieren die Ölfirmen massive Folgeschäden für die Umwelt. Besonders riskant ist die Öl- und Gasförderung in der Tiefsee oder sensiblen Ökosystemen wie der Arktis.

    In diesen Regionen könnten die Verantwortlichen eine Havarie aufgrund der extremen Bedingungen nicht kontrollieren; Aufräumarbeiten sind kaum möglich. Greenpeace fordert deshalb den Stopp der industriellen Ausbeutung der Arktis und ein Verbot weiterer Tiefseebohrungen. "Ölkonzerne wie Shell müssen ihre Bohrpläne in der Arktis aufgeben. Sie bedrohen damit diesen einzigartigen Lebensraum. Schon jetzt sind Eisbären, Robben und Wale hochgradig mit Umweltgiften belastet", sagt Bussau.

    Expertenteam von Total?

    Der französische Ölmulti Total will unterdessen ein Expertenteam per Hubschrauber auf die leckgeschlagene Nordsee-Plattform "Elgin" fliegen. Wie die britischen Behörden am Sonntagabend mitteilten, hat der Konzern bereits ein Gutachten zu den Gefahren der Mission vorgelegt und wird diese am Montag mit den Behörden besprechen. Am Samstag war die Gasfackel auf der Plattform von allein erloschen und damit die Gefahr einer Explosion zumindest vorübergehend reduziert.

    Aus einem Leck auf der Plattform strömt seit rund einer Woche giftiges und hochexplosives Gas. Total wusste mindestens seit Februar von Problemen auf der Plattform. Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte am Freitag, Arbeiter hätten schon vor Wochen Sorgen wegen eines steigenden Gasdrucks geäußert. Das französische Unternehmen habe jedoch noch Stunden vor dem Unglück beteuert, ein Versagen sei ausgeschlossen.


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