Trafikanten werden jetzt zu Buchhändlern
Der Morawa Buchvertrieb will damit - vor allem am Land - die Internet-Besteller "abfangen". Das Zusatzgeschäft wird für die Trafikanten, auch in Kärnten, immer wichtiger.

Foto © WeichselbraunDas erste Resümee: Es geht von Fachliteratur für Studenten bis zu Belletristik so ziemlich alles
Ihr Name leitet sich vom italienischen Wort "traffico", also Handel, ab. Jetzt werden die Trafikanten sogar zu Buchhändlern. Eine neue Verordnung der sogenannten Monopolverwaltung, die das Zusatzgeschäft der Trafiken regelt, erlaubt das seit einer Woche.
Wer will, kann jetzt Marlboro in einem Aufwasch mit Donna Leon bestellen. Oder den Lottoschein samt Stephen King.
Handelspartner ist der Morawa Buchvertrieb, der schon länger daran interessiert war, die Amazon-Besteller "abzufangen". "Das Service ist vor allem für den ländlichen Bereich gedacht. Und es ist erfolgreicher angelaufen, als wir dachten", sagt Morawa-Geschäftsführer Wolfgang Rick zur Kleinen Zeitung.
Absatz-Vorgaben habe sich Morawa nicht gemacht. Es sei ein typisches Erweiterungsgeschäft. Rick: "Wir lassen uns überraschen."
Zwar sollte der Kunde vorher wissen, was er will - denn Trafikanten können keine Buchberatung leisten. Ihre Handelsspanne ist daher, wie man hört, auch geringer wie bei den Fachhändlern. Für den Kunden ist das egal: Er zahlt denselben Preis wie im Buchladen - schließlich gibt es die Buchpreisbindung. Auch CDs, DVDs oder Spiele können in der Trafik geordert werden. Versandgebühr: keine.
48 Stunden
"Spätestens 48 Stunden nach der Bestellung ist das Ding dann bei uns im Laden", sagt eine Trafikantin aus Velden, die bereits die ersten Bücher verkauft hat. Morawa resümiert über die ersten Tage dieser Zusammenarbeit: Es geht von Fachliteratur für Studenten bis zu Belletristik so ziemlich alles.
Überhaupt wird das Zusatzgeschäft für die Trafikanten immer wichtiger. Der Verkauf von Lotto-Scheinen, Parkzettel, Süßigkeiten, Red Bull oder Kasino-Gutscheinen macht sie zu Nahversorgern. Immer mehr Trafiken sind Postpartner. Zudem sind sie mittlerweile die größten Ticketverkäufer in Österreich.
Um gut wirtschaften zu können, müssen sie allerdings vom bloßen Verteiler zum Verkäufer werden . . .
Features
Trafiken in Kärnten
174 Trafiken gibt es in Kärnten. Der durchschnittliche Österreicher besucht jeden dritten Tag eine Trafik.
Die Zeiten, in denen Trafikanten aufgrund der fixen Spannen und des Monopolschutzes nahezu automatisch vor Insolvenzen geschützt waren, sind vorbei: Die Branche ist inzwischen von einer Konsolidierung betroffen.











