Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 24. Oktober 2014 20:10 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Sanitäter fürchteten Ebola - Mann starb in Spanien Bilanz einer Einbrecher-Karriere Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Chronik Nächster Artikel Sanitäter fürchteten Ebola - Mann starb in Spanien Bilanz einer Einbrecher-Karriere
    Zuletzt aktualisiert: 29.03.2012 um 21:38 UhrKommentare

    Der Geruch von Öl, Gas und Gier

    Gehen Rohstoffe aus, geht man Risiken ein. Auch kaum kalkulierbare. Was bei der Erdöl- und Gasförderung auf hoher See zuletzt passiert ist und aktuell in der Nordsee geschieht, war absehbar, so Greenpeace: "Die Notfall-Szenarien von Ölkonzernen werden der Realität nicht gerecht". Von Thomas Golser.

    Foto © AP/APA/Reuters

    Gibt man die Begriffe "Bohrinsel" und "Unglück" in die Suchmaschine Google ein, spuckt diese 131.000 Ergebnisse aus. Ein Suchergebnis, das beinahe zu befürchten war: Weiterhin mehrere Kilometer Sicherheitsabstand gilt es momentan z.B. zur havarierten Gas-Förderplattform "Elgin" in der Nordsee vor Schottland zu halten. Und das aus sehr gutem Grund: Während aktuell über die Folgen des Lecks noch debattiert wird (weil nicht annähernd abschätzbar), wird eine Explosion nicht ausgeschlossen. Bis zu 10 Milliarden Euro könnte Betreiberfirma Total die Problembehebung kosten, wird prognostiziert.

    Warnung vor dem "Bohrloch der Hölle"

    Aus dem "Bohrloch der Hölle", wie es Umweltaktivisten nennen, strömt laut Experten noch lange Zeit gefährliches Gas (Total spricht von einem "Gaskondensat"). An der Oberfläche gibt es einen Ölteppich. Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace schaut sich die Situation vor Ort an und verdeutlicht, was nur aus der Ferne überschaubar wirkt. Könnte der französische Energiekonzern das Problem erst nach sechs Monaten in den Griff bekommen, wären bereits 800.000 Tonnen an mit CO² vergleichbaren Stoffe entwichen: Das entspräche ungefähr jener Menge CO², die 400.000 Autos in einem vollen Jahr ausstoßen. Die Pirsch nach Profit, angetrieben von ungebremster Nachfrage nach endlichen fossilen Ressourcen, fordert auch hier ihren Tribut. Legitimiert nicht zuletzt durch Regierungen: "Öl und Gas spielen gewichtige Rollen in unserer Volkswirtschaft und leisten signifikante Beiträge zu unserer Energiesicherheit", stellte zuletzt z.B. der britische Energie-Staatssekretär Charles Hendry seine politischen Prioriäten klar.

    Je knapper die globalen Ressourcen, desto dreister der modus operandi: Erst im März 2012 hat z.B. BP von der britischen Regierung die Genehmigung für höchst umstrittene Tiefsee-Bohrungen vor den schottischen Shetland Islands bekommen. Nur wenige Wochen vor dem aktuellen Gasleck. Pläne in der Arktis nach Öl zu bohren, werden momentan vor allem von BP, Shell und einem russischem Oligarchen-Konsortium mit aller Vehemenz vorangetrieben. Vor der Küste der Polarinsel Grönland (politisch ein Teil des Königreichs Dänemark), wurde ebenfalls gebohrt: Ein schottisches Unternehmen ließ sich das Unterfangen Unsummen kosten, wenn bislang auch ohne Erfolg. Will man sich auf noch verbliebene Rohstoffquellen setzen, nimmt man auch Rückschläge in Kauf. Genau am anderen Pol drangen übrigens russische Forscher nach 30-jährigen Bohrarbeiten durch fast vier Kilometer dickes Antarktis-Eis und zapften den Wostok-See an: Hier wird zwar nach wie vor kein Erdölvorkommen vermutet - das Gewässer war aber seit 500.000 Jahren isoliert gewesen. Verschmutzungen wurden und werden auch hier befürchtet.

    Dass Risiko nicht nur mit einer ökologischen Katastrophe, sondern auch mit einem finanziellen Aderlass enden kann, zeigt die Ölpest, mit der man 2010 im Golf von Mexiko kämpfte: Wird ein aktuelles Urteil bestätigt, hat das Desaster BP bislang an die 30 Milliarden Dollar gekostet. Freilich: 2011 scheffelte der britische Konzern dank hoher Ölpreise schon wieder Milliardengewinne. Weltweit gibt es an die 3.000 Bohrinseln - die Unglücke der letzten Jahre könnten also "nur" Vorhut einer schwarzen Pest sein. Die von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission war in ihrem Abschlussbericht zum Schluss gekommen, die Katastrophe rund um die "Deepwater Horizon" sei "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen. BP soll in einer Vereinbarung zugesichert haben, nach der Katastrophe, bei der 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer strömten, seine Notfallpläne zu verbessern. So gut die eventuell auch werden können, decken sie doch niemals die reale Situation ab, sind sich viele Experten einig.

    Gewinnmaximierung, Risikominimierung

    Auffällig ist, dass man es von Betreiberseite mit Verunsicherung und improvisiert wirkenden Aktionen bis hin zur Ratlosigkeit zu tun hatte, wenn der viel zitierte "worst case" tatsächlich zum Szenario wurde: "Notfallpläne von Ölkonzernen werden der Realität nicht gerecht", hält Greenpeace Deutschland dazu fest. Das könnte zwei Gründe haben: Die Pläne sind halbseiden, Gewinnmaximierung steht vor Risikominimierung. Oder man gesteht sich ein, dass "Gas- und Ölbohrungen nie sicher sein können", wie Greenpeace-Sprecher Kai Britt meint. Versicherbar scheint das Ganze ohnehin nicht zu sein.

    Die "Münchener Rückversicherung" z.B. blieb auf ihrer "Bohrversicherung" sitzen, weil sich Öl-Konzerne deren Polizzen ebensowenig leisten wollen wie den Verlustentgang.

    THOMAS GOLSER

    Mehr Chronik

    Mehr aus dem Web

      Steiermark > Graz

      Bewölkt
      Graz
      min: 11° | max: 16°
      7-Tagesprognose

      Aktuelle Leser-Fotos

      KLEINE.tv

      Nachwuchs im Berliner Zoo

      Innerhalb von wenigen Tagen kamen in Berlin zwei Spitzmaulnashörner zur ...Noch nicht bewertet

       

      Fotoserien

      Explosion in Ludwigshafen 

      Explosion in Ludwigshafen

       


      Events & Tickets

      Dinosaurs Live! Tipp

      Dinosaurs Live!

      18.11.14 Graz
      Tickets bestellen


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!