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Zuletzt aktualisiert: 27.03.2012 um 05:10 UhrKommentare

USA graben nach totem Kriegspiloten

68 Jahre nach Absturz eines US-Aufklärungsflugzeugs will US-Kommission die Identität des Piloten anhand der DNA klären. Augenzeugin erinnert sich an den Unfall.

Maria Macqueen mit dem Absturzbericht der Air Force. Oben ein Artikel über ihren eigenen Absturz

Foto © KKMaria Macqueen mit dem Absturzbericht der Air Force. Oben ein Artikel über ihren eigenen Absturz

Einmal mehr reichen die Schatten des Zweiten Weltkrieges in die unmittelbare Gegenwart. Innerhalb der nächsten zwei Monate will eine vierköpfige Kommission aus den USA an der mutmaßlichen Absturzstelle in Hohenthurn nach dem Flugzeug suchen, den Piloten bergen und anhand der DNA seine Identität feststellen.

"Ich kann mich noch genau an den Absturz am 23. Dezember 1944 erinnern", sagt Maria Macqueen aus Villach. "Ich war zwölf und habe mit meinem zwei Jahre älteren Bruder draußen gespielt. Wir haben öfter riesige Bombengeschwader auf dem Weg nach Villach gesehen, da hat der Himmel gebrummt. An dem Tag aber hörten wir merkwürdigen Motorenlärm. Ein einzelnes kleineres Flugzeug trudelte in unsere Richtung. Wir schrien: ,Das fallt aufs Häusel!' Aber es bohrte sich einige hundert Meter dahinter in den Waldboden."

Maria und ihr Bruder liefen zum brennenden Flugzeug und gingen auch in der Folgezeit immer wieder dorthin. Eines Tages schraubte der Bruder eine vier mal sechs Zentimeter große Plakette mit den Daten des Flugzeuges ab. Macqueen gab sie 24 Jahre später in der US-Basis Aviano ab. "Ich weiß nicht, warum. Aber ich war mir immer sicher, dass der Pilot ein Afroamerikaner war."

Sie sollte recht behalten! Seit dem Unfallzeitpunkt wird nämlich der junge Pilot Captain Lawrence Dickson aus New York vermisst. Er war auf einem Aufklärungsflug von der apulischen US-Basis Ramitelli nach Prag. Hinter ihm flog Lieutenant Robert Martin, der den Absturz sah und meldete. Er konnte nicht sicher erkennen, ob Dickson sich mit dem Fallschirm rettete, hielt das aber für unwahrscheinlich.

Der Pilot, der wohl seit dem Vorweihnachtstag 1944 in Kärntner Boden ruht, war mit "Phyllis" verheiratet, Träger des Verwundeten- und posthumen Ordens "Purple Heart" und Angehöriger der legendären "Tuskegee Airmen". So nannten sich die ersten Afroamerikaner, die es trotz heftiger rassistischer Widerstände auch in der Army geschafft hatten, sich als Piloten zu qualifizieren und Einsätze zu fliegen.

Maria Macqueen ist nicht die Einzige, die von den Absichten der US-Kommission weiß. Die anderen, ein Hohenthurner und ein leidenschaftlicher Historiker aus Osttirol, halten sich bedeckt, weil sie fürchten, die Bekanntgabe zusätzlicher Details könne die Suchaktion gefährden.

Macqueen denkt einmal mehr, "dass Flugzeuge mein Schicksal sind". Am 26. September 1960 begleitete die fünfsprachige Chef-Stewardess eine AUA-Maschine nach Moskau. Das Flugzeug stürzte ab, sie überlebte als Einzige. "Die Suche nach dem US-Piloten weckt auch die alten Erinnerungen an meinen Absturz!"

JOCHEN BENDELE

Foto

Foto © Internet

Bild vergrößernLawrence Dickson stürzte 1944 nahe der italienischen Grenze ab Foto © Internet

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