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Zuletzt aktualisiert: 25.03.2012 um 20:25 UhrKommentare

Kanaren protestieren gegen Ölbohrungen

Zehntausende gingen auf den spanischen Inseln auf die Straße. Sie sind aus Angst um Touristen gegen die Ölsuche vor Lanzarote und Fuerteventura.

Foto © Gabriele Weber - Fotolia.com

Wir wollen kein Öl", riefen die Menschen. Und: "Nein, Danke!" Zehntausende demonstrierten auf den sieben Kanarischen Inseln gegen die geplante Ölsuche vor der Küste. Allein in Arrecife, der Hauptstadt der Urlaubsinsel Lanzarote, gingen nach Angaben der Polizei mehr als 20.000 Menschen auf die Straße.

Der Plan der spanischen Regierung, vor Lanzarote und Fuerteventura nach Öl zu bohren, stößt auf den entschlossenen Widerstand vieler Kanaren-Bewohner. Auch die Inselpolitiker und die Tourismusindustrie sind dagegen, weil sie fürchten, dass ein Ölunfall das Urlaubsparadies zerstören könnte. Die geplante Erdölerschließung "ist nicht vereinbar mit dem Tourismus", heißt es in einem Manifest, das von 50 Umweltschutzgruppen, Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und politischen Parteien unterzeichnet wurde. "Ein Fehler auf einer Ölplattform kann den Tourismus für viele Jahre ruinieren".

Die Inseln Lanzarote und Fuerteventura, vor deren Küsten Öl gesucht und später auch gefördert werden soll, leben vor allem vom Urlaubsgeschäft. Der Ölplan sei eine Bedrohung für die Zukunft der Kanarischen Inseln, auf denen 2011 mehr als zehn Millionen Ausländer Urlaub machten. Spaniens konservative Regierung hatte Mitte März 2012 dem spanischen Energie-Multi Repsol die Erlaubnis erteilt, Probebohrungen durchzuführen. Repsol geht davon aus, dass sich im Atlantik, zwischen den Kanaren-Inseln und der marokkanischen Küste, ein gigantisches Erdöllager befindet, mit dem Spanien zehn Prozent seines Ölbedarfs decken könnte. Nach Angaben Repsols soll etwa 60 Kilometer vor der Küste gebohrt werden, nahe an der Seewassergrenze zum Nachbarn Marokko, der dort übrigens auch nach Öl sucht.

"Austretendes Öl würde innerhalb von Stunden" an den Küsten Lanzarotes und Fuerteventuras ankommen, heißt es im Protest-Manifest der Inseln, "und zudem jene Meerwasser-Entsalzungsanlagen lahmlegen, die das gesamte Trinkwasser produzieren." Auch der Hinweis des spanischen Industrieministers José Manuel Soria, der zugleich als Tourismusminister amtiert, wonach die Ölindustrie doch auch Arbeitsplätze schaffe, zog auf den Kanaren nicht. "Ein einziges Hotel erzeugt mehr Arbeitsplätze, als die Ölplattformen es tun werden".

Die Kanarischen Inseln, auf denen die regionale "Kanarische Koalition" regiert, fürchten, dass selbst ohne größeren Ölunfall das Image der Inselgruppe Schaden nehmen könnte. Und das Motto lautet: "Wir fordern das Recht, selbst über unsere Zukunft zu entscheiden".

RALPH SCHULZE, MADRID

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