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    Zuletzt aktualisiert: 23.03.2012 um 14:00 UhrKommentare

    Auch die Wahrheit leckt

    Stoische Millionäre, heldenhafte Auswanderer. Der Stoff, aus dem die Titanic-Legenden sind.

    Einige Überlebende

    Foto © ReutersEinige Überlebende

    Die erste Klasse ganz oben, die zweite Klasse irgendwo in der Mitte und die Unterprivilegierten der dritten Klasse - hauptsächlich Einwanderer, die in der Neuen Welt ihre alten Träume von einem besseren Leben erfüllen wollten - ganz unten. Darunter nur noch jene Schwerarbeiter, die in der Höllenhitze die riesigen Kessel mit Tonnen an Steinkohle befeuerten: Die Passagiere auf der Titanic wurden oft als Mikrokosmos der (damaligen) Klassengesellschaft bezeichnet. Und wie so oft in diesem Fall werden auch hier Wahrheit und Mythos vermengt.

    Dass der Untergang der Titanic in der Öffentlichkeit eine derartige mediale Hysterie auslöste, lag nicht an den namenlosen Auswanderern, die ums Leben kamen, vielmehr standen die prominenten Multimillionäre der vorwiegend amerikanischen High Society im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: John Jacob Astor mit Ehefrau Madeleine. Benjamin Guggenheim (seine Geliebte, die ebenfalls an Bord war, wurde von der Presse diskret verschwiegen). Isidor Straus mit Ehefrau Ida. George Widener mit Ehefrau Eleanor und Sohn Harry. Henry Sleeper Harper mit Ehefrau Myra. Charles Melville Hays mit Ehefrau Clara. John Thayer mit Ehefrau Marian und Sohn John. Arthur Ryerson mit Ehefrau Emily, Sohn John und den Töchtern Emily und Susan. Bis auf Astor und Guggenheim sind die meisten Namen 100 Jahre später aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden. Mit diesen beiden Herren sind übrigens auch zwei berühmt gewordene Zitate verbunden: John Astor soll sich nach der Kollision mit dem Eisberg an der Bar folgenden trockenen Scherz erlaubt haben: "Ich habe um Eis gebeten - aber das hier ist wohl lächerlich." Und Benjamin Guggenheims (durch Zeugen belegter) Ausspruch lautete im Angesicht des Todes: "Wir haben uns aufs Beste gekleidet und sind bereit, wie Gentlemen unterzugehen."

    Auffallend wenig "Stoff" gibt es über die Passagiere der zweiten Klasse, nur die Extreme erregen bekanntlich das Interesse der Öffentlichkeit. Also die Reichen und die Armen. Sie bieten auch das Material, aus dem Klischees und Filme gemacht sind, wobei die dritte Klasse die Herzen der Titanic-Fans erobert hat. Arme Schlucker hauptsächlich, die mit Kind und Kegel ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten drängen, und die während der Überfahrt im Bauch der Titanic ausgelassene Feste feierten. Die Fiddle jauchzt, die Tanzbeine fliegen, die Romanzen blühen.

    Zurück zur Vermengung von Wahrheit und Mythos. Viele Filme spielen mit dem Motiv, dass die Reisenden der dritten Klasse - die übrigens für damalige Verhältnisse durchaus bequem untergebracht waren - nach der Kollision eingeschlossen wurden, vor vergitterten Türen standen und von arroganten Stewards an der Flucht gehindert wurden. Tatsächlich hat das amerikanische Einwanderungsgesetz vorgeschrieben, dass die Klassen auf Auswandererschiffen getrennt werden müssen, um die Kontrolle der Einwanderer zu ermöglichen und das Einschleppen von Krankheiten zu vermeiden. Und tatsächlich standen diese Passagiere oft vor versperrten Gittertüren. Dass aber diese Menschen vom gewissenlosen Schiffspersonal daran gehindert wurden, an Deck zu gelangen, davon kann nicht die Rede sein. Wahr ist, dass in der dritten Klasse viel zu wenig Stewards zu Verfügung standen, um diese Passagiere zu informieren. Deshalb warteten viele der Auswanderer einfach ab, die Familien blieben zusammen: meist bis in den Tod.

    Ein eigenes Kapitel in der Legendenbildung rund um die Titanic darf wohl einem Mann namens J. Dawson gewidmet werden - aber wer war er wirklich? Durch James Camerons Verfilmung ist der jugendliche Abenteurer mit dem goldenen Herzen, der sich in ein junges Mädchen der ersten Klasse verliebt und für sie in den Tod geht, unsterblich geworden. Nachdem der Streifen in die Kinos gekommen war, pilgerten plötzlich Hunderte Mädchen im Teenageralter nach Halifax und legten am Grabstein eines gewissen "J. Dawson" Blumen nieder. Doch nicht der Film-Dawson, dargestellt von Leonardo DiCaprio, hat in der kanadischen Stadt seine letzte Ruhestätte gefunden, sondern der 23 Jahre alte Joseph Dawson, der in den Maschinenräumen der Titanic gearbeitet hatte.

    BERND MELICHAR

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