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    Zuletzt aktualisiert: 16.03.2012 um 18:13 UhrKommentare

    Transsexueller war Obamas Kindermädchen in Indonesien

    Der verarmte 66-jährige Indonesier Turdi, der sich zwei Jahre lang in Indonesien um den jetzigen US-Präsidenten kümmerte, würde ihn gerne wiedersehen. Er erinnert sich noch lebhaft an den "kleinen Barry", der in der Schule oft gehänselt wurde.

    Turdi vor seinem Quartier

    Foto © APATurdi vor seinem Quartier

    Ein stinkender Abwasserkanal läuft an der Hütte vorbei, kein Fenster lässt Licht in die Baracke. Der 66-jährige Turdi lebt in einem Slum in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er die Wäsche der Nachbarn mit der Hand wäscht. Dass sich nun US-Fernsehteams vor der armseligen Behausung drängen, hat mit Turdis Vergangenheit zu tun: Vor mehr als 40 Jahren war der Transsexuelle das Kindermädchen des heutigen US-Präsidenten Barack Obama.

    Turdi erinnert sich noch lebhaft an den "kleinen Barry". Obama war acht Jahre alt, als seine Mutter Ann Dunham, die ihrem neuen indonesischen Mann Lolo Soetoro in dessen Heimat gefolgt war, Turdi im Jahr 1970 einstellte. Turdi kochte, erledigte die Einkäufe, kümmerte sich um den Sohn und nähte Umstandskleider, als Obamas Mutter wieder schwanger war.

    Seine transsexuelle Identität - als Mann geboren, der sich als Frau fühlt - sei in Obamas Familie kein Thema gewesen. "Sie haben mich immer wie ein Familienmitglied behandelt", sagt Turdi. "Vor Barry allerdings bin ich immer als Mann aufgetreten, denn er war zu jung, um unsere Welt zu kennen." Dennoch habe der kleine Barack wohl geahnt, dass er anders sei als andere Männer. "Er war neugierig und wollte immer alles wissen; aber dazu hat er mich nie gefragt und mich auch immer normal behandelt."

    Aus Turdi wurde "Evie"

    Nach Feierabend verwandelte sich Turdi in "Evie" - er zog sich Kleid und Stöckelschuhe an und fühlte sich gleich wohler in seiner Haut. "Ich fühlte mich wie aus dem Gefängnis befreit, wenn ich mich als Frau kleidete", sagt Turdi. Heute verzichtet er auf Frauenkleider, nachdem er mehrfach angegriffen wurde - Trans- und Homosexuelle stoßen im mehrheitlich muslimischen Indonesien auf wenig Akzeptanz.

    Obama wurde gehänselt

    Auch als Obamas Kindermädchen wurde Turdi beschimpft. "Wenn ich ihn von der Schule abholte, machten sich seine Freunde über mich lustig", erzählt Turdi. "Komm, lass uns nach Hause gehen", habe Barack dann gesagt und den Spott seiner Freunde ignoriert. Auch der Junge selbst sei diskriminiert worden. Andere Schüler hätten ihn wegen seiner Hautfarbe und seiner Haare gehänselt. "Hatten sie ein Football-Spiel verloren, hänselten seine Freunde ihn gerne als 'Barry Negro'", erinnert sich sein ehemaliger Babysitter. Barack habe dazu nur gelacht.

    Zwei Jahre lang kümmerte sich Turdi um den Jungen - bis er zu seinen Großeltern nach Hawaii zog. Während für seinen Zögling der Aufstieg begann, ging es mit Turdi bergab. Er arbeitete in den Rotlichtvierteln Jakartas, wurde dort nicht selten misshandelt und landete schließlich im Elendsviertel.

    Er sei sehr stolz auf Barack Obama, diesen "gewöhnlichen schwarzen Jungen, der Präsident Amerikas wurde", sagt Turdi. Und er ist sicher, dass Obama dazu beitragen kann, "alle Diskriminierung in der Welt" zu beenden - auch gegen transsexuelle Menschen wie ihn selbst.

    Persönlich erwarte er nichts von dem Präsidenten, versichert der 66-Jährige. Aber zu gerne würde er Obama wiedersehen. "Es ist unmöglich, dass er mich hier in meinem Zimmer besucht. Und nach Amerika zu reisen, davon kann ich nur träumen", sagt Turdi. Aber sie könnten zusammen Barack Obamas alte Grundschule besuchen, sollte der US-Präsident nochmals nach Indonesien kommen. "Und wenn der Barry, den ich kenne, der gleiche Barry ist, der heute Amerikas Nummer eins ist, dann bin ich sicher, dass er mich als den Menschen akzeptiert, der ich bin - egal ob ich transsexuell bin oder nicht."


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    Bild vergrößernTurdi vor seiner HütteFoto © AP

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