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    Zuletzt aktualisiert: 02.03.2012 um 12:17 UhrKommentare

    Heckenschützen-Prozess: "Wollt' nur Leute erschrecken"

    In Wien stehen die zwei jungen Männer vor Gericht, die im September vergangenen Jahres als Heckenschützen auf 14 Personen geschossen haben. Sie haben ein umfassendes Geständnis abgelegt und zu Protokoll gegeben, dass sie die Leute nur erschrecken wollten.

    Die beiden Heckenschützen vor Gericht

    Foto © APADie beiden Heckenschützen vor Gericht

    Die beiden jungen Männer, die am 15. September 2011 in Wien aus einem fahrenden Auto heraus mit einer Luftdruckpistole 14 Personen beschossen und getroffen hatten, haben am Freitag im Straflandesgericht bei ihrem Prozess Geständnisse abgelegt. Nach vorangegangenen Zielübungen auf Dosen, Flaschen und Straßenbeleuchtungskörpern "ist man halt herumgefahren und hat begonnen, wahllos auf Menschen zu schießen", sagte der Ältere der beiden, ein 21-jähriger Zivildiener. "Ich wollt' nur die Leute erschrecken. An Kick hat's geben", erklärte sein Freund, ein 20 Jahre alter Kellner.

    Die Angeklagten, die sich mit übergezogenen Kapuzen und Sonnenbrillen in den Verhandlungssaal begeben hatten und solcherart maskiert mit zusätzlich vors Gesicht gehaltenen Mappen die Pressefotografen und Kameramänner abwehrten, hatten mit ihren Schießübungen in einem Waldstück sowie auf einem Parkplatz bei der Shopping City Süd (SCS) begonnen. "Der Kick reicht irgendwann nicht mehr. Sie begannen, auf bewegliche Ziele, auf Menschen, zu schießen", skizzierte Staatsanwältin Therese Hauser das weitere Geschehen.

    Obwohl es zu keinen schweren Verletzungen kam, dürfe man das Geschehen "nicht verharmlosen", sagte die Anklägerin. Die Angeschossenen wären "feige aus dem Hinterhalt attackiert" worden: "Es ist reiner Zufall, dass nichts Schlimmeres passiert ist".

    Die Verteidiger Normann Hofstätter und Florian Kreiner betonten, ihre Mandanten hätten niemanden verletzen wollen. "Die haben das Hirn völlig ausgeschaltet gehabt. Anders ist es nicht erklärbar", meinte Hofstätter.

    Erstmals hatten die beiden Angeklagten auf der Donauinsel auf einen auf einer Parkbank sitzenden Mann geschossen. Der Jüngere hatte bei einem Spaziergang seinen Freund aufgefordert, mit ihrem mit einem Zielfernrohr versehenen Luftdruckgewehr auf diesen zu zielen. "Da hab' ich gesagt 'Okay' und geschossen", erklärte der Schütze. Er könne sich das "nicht erklären", fügte der 21-Jährige hinzu: "Ich hab nicht wirklich damit gerechnet, dass Verletzungen hervortreten. Man macht, dass man getroffen wird, aber es passiert eigentlich nix."

    17 Mal geschossen

    Insgesamt 17 Mal sollen die jungen Männer gemeinsam auf Menschen gefeuert haben. Darüber hinaus gehend soll der Jüngere am 30. und 31. August allein auf zwei Personen geschossen haben, sein um ein Jahr älterer Freund am 2. September auf einen Mann. Diese drei Taten stellten die Angeklagten in Abrede: Sie hätten "niemals alleine geschossen", sagte der 21-Jährige. "Sie hätten sich nicht getraut, alleine etwas zu machen", meinte Verteidiger Normann Hofstätter.

    Zu den zahlreichen Schüssen vom 15. September, als sie ihre Waffen aus einem fahrenden Auto heraus auf andere Fahrzeuglenker, eine Radfahrerin und Passanten richteten, bemerkten die Angeklagten, "Treffer am Hals oder Kopf" wären nicht "unsere Absicht gewesen". Sie hätten "mehr oder weniger abwechselnd" abgedrückt, wobei sie an diesem Tag zusätzlich zu ihrem Luftdruckgewehr und einer CO2-Pistole eine zweite Gaspistole erworben hatten.

    "Wenn wir jemanden gesehen haben, haben wir halt geschossen", gab der 21-Jährige zu Protokoll. "Es war einfach der Kick. Davonzukommen, mit dem Auto. Ich fahr gern Auto", erklärte der um ein Jahr jüngere Mann, der die ganze Zeit hinterm Steuer saß. Mit dem Ballern hörten sie am 15. September erst auf, weil eines ihrer Opfer sie wahrnahm und ihnen nachlief, als sie davonfuhren. "Da haben wir Herzrasen gehabt", berichtete der 20-Jährige. Das sei "nicht mehr lustig" gewesen, daher hätten sie nachher nie wieder von ihren Waffen Gebrauch gemacht.

    Nach den Beschuldigten wurden zahlreiche Zeugen vernommen. Mit den Urteilen war am frühen Nachmittag zu rechnen.

    Angeklagte entschädigten sämtliche Opfer

    Zu den Opfern, die von den Heckenschützen verletzt wurden, zählte ein Polizist, der mit seinem Vater am Weg ins Fußballstadion war, um ein Europacupmatch des FK Austria Wien zu sehen. Er habe "einen hellen Schnalzer" vernommen und dann einen "Schlag am Hals" verspürt, erzählte der Beamte im Zeugenstand. Anstatt ins Stadion musste er ins Krankenhaus, wo er unter Vollnarkose operiert und drei Tage stationär behandelt wurde.

    Wie bei allen anderen Opfern auch, entschuldigten sich die beiden Angeklagten beim Polizisten und entschädigten ihn auf Basis der vom Gerichtsmediziner ermittelten Ansprüche im Verhandlungssaal für die Rissquetschwunde am Hals. Zu diesem Behuf hatten die Täter prall befüllte Brieftaschen mitgebracht, in denen sich mehrere tausend Euro befanden.

    Einen Teil davon erhielt ein pensionierter Installateur, der während eines Spaziergangs mit seiner Ehefrau angeschossen wurde. "Die haben zu viel Zeit gehabt. Wenn ihnen fad ist, sollen sie was Anderes machen", meinte der Zeuge. Nachdem er die Entschuldigung der Burschen akzeptiert hatte, empfahl er ihnen: "Gehen Sie in einen Schießverein. Ich habe das als Junger auch gemacht."

    Weniger locker zeigte sich ein 20-jähriger Zivilverdiener, der an einer Bushaltestelle auf seine Freundin gewartet hatte, als ihm die Angeklagten in den Bauch schossen. "Warum macht's ihr sowas?", wollte er wissen. Da eine Antwort ausblieb, erklärte Richter Andreas Hautz: "Das haben wir auch schon gefragt. Darauf kriegt man nie eine Antwort."


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    Grafik vergrößernHeckenschützen in Wien - Tatorte Grafik © APA

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