Vatikan: Mordkomplott gegen Papst "reines Fantasieprodukt"
Ein angebliches Mordkomplott gegen Benedikt XVI. sorgt für Aufruhr in Rom. Der Vatikan hält den Inhalt des angeblichen Dokuments jedoch für ein "reines Fantasieprodukt", das möglicherweise Teil eines internen Machtkampfs sein könnte.

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Vatikansprecher Pater Federico Lombardi hat den am Freitag bekannt gewordenen Bericht über ein Mordkomplott gegen Papst Benedikt XVI. als "reines Fantasieprodukt" bezeichnet. Der Text, wonach Kardinal Paolo Romeo bei einer China-Reise den Tod des Papsts innerhalb der nächsten zwölf Monate vorausgesagt haben soll, sei so unglaubwürdig, dass er ihn gar nicht kommentieren könne, erklärte er am Freitag laut Kathpress gegenüber Journalisten. Vatikan-Kenner hielten es indes für möglich, dass der Vorgang Teil eines Machtkampfes an der Spitze der römischen Kurie sein könnte.
"Vollkommen ohne Grundlage"
Der Erzbischof von Palermo, Kardinal Paolo Romeo, selbst bezeichnete den Artikel der Zeitung "Il Fatto Quotidiano" als "vollkommen ohne Grundlage". "Die Sache erscheint so außerhalb der Realität, dass sie in keiner Weise ernst genommen werden kann", erklärte er. Romeo bestätigte, im November 2011 eine private fünftägige Reise in die chinesische Hauptstadt Peking unternommen zu haben. Über den Aufenthalt seien die zuständigen vatikanischen Stellen gemäß den üblichen Gepflogenheit informiert worden.
Der renommierte Vatikanist Andrea Tornielli von "La Stampa" meinte, das den Medien zugänglich gemachte Dokument könnte ein weiteres Zeichen für einen internen Machtkampf im Vatikan sein.
Unter dem Titel "Mordkomplott" hatte die italienische Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" in ihrer Freitagsausgabe aus einem vertraulichen Dokument zitiert. Dem Dossier nach soll Romeo bei seiner Chinareise vorhergesagt haben, dass Benedikt XVI. bereits seine Nachfolge vorbereite und dafür den Mailänder Kardinal Angelo Scola vorgesehen habe. Unterdessen würden er (Romeo), Scola und der Papst eine Art Führungstroika der Kirche bilden. Benedikt XVI. stimme sich mit den beiden in entscheidenden Fragen ab. Zudem sei das Verhältnis zwischen dem Papst und seinem Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone "sehr konfliktgeladen"; der Papst wolle ihn ablösen.
Das Dokument war dem Bericht zufolge in Deutsch verfasst, auf den 30. Dezember 2011 datiert und soll der Spitze des Vatikans von dem kolumbianischen Kardinal Darìo Castrillon Hoyos zugänglich gemacht worden sein. Das vertrauliche Schreiben sei direkt an die Spitze des Vatikans gerichtet gewesen, hieß es. Wer an einem Mordkomplott gegen den Papst beteiligt sein könnte und für wann oder wo ein solcher Anschlag vorbereitet würde, wurde nicht präzisiert.
Vatikan-Beobachter werten der Kathpress zufolge den Inhalt des angeblichen Dokuments als zusammenhanglos, widersprüchlich und unsinnig. Es sei undenkbar, dass Benedikt XVI. seine Nachfolge konkret vorbereite. Ebenso abwegig sei die Idee von einem kirchlichen Führungstrio in der dort dargestellten Form. Zudem ist unklar, inwieweit der Vatikan der damaligen Empfehlung von Kardinal Hoyos gefolgt ist und Stationen und Gesprächspartner Romeos bei seiner Chinareise überprüft hat. Auch wird spekuliert, ob gegebenenfalls Übersetzungsfehler Missverständnisse und Fehldeutungen ausgelöst haben könnten.











