Auch in Tirol Versuche an Heimkindern
Historiker übt schwere Kritik an ehemaliger Psychiatrie-Leiterin.

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INNSBRUCK, WIEN. Auch in Tirol gibt es jetzt Vorwürfe, dass es Experimente an Heimkindern gegeben haben soll. Sie kommen vom Historiker Horst Schreiber, Initiator der Heim-Untersuchungskommission in Tirol. Bis hinein in die 70er-Jahre seien an minderjährigen Kindern Versuche mit Tiermedikamenten und Röntgenstrahlen gemacht worden, so Schreiber am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal.
Sein Hauptvorwurf richtet sich gegen die mittlerweile verstorbene damalige Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie. Sie soll bis Ende der 1970er-Jahre Epiphysan, ein Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen, angewandt haben. "Weil sie einen Kreuzzug führte gegen die Onanie und sexuelle Übererregtheit", sagt Schreiber. Außerdem habe sie die in der NS-Zeit praktizierte Röntgenbehandlung auch nach dem Zweiten Weltkrieg angewandt, etwa um einen fünfjährigen Buben gegen Jähzorn zu behandeln.
Von diesen Experimenten seien besonders Heimkinder betroffen gewesen. Mit ihren Gutachten und Diagnosen sei die Leiterin der Kinderpsychiatrie eine der Schlüsselfiguren gewesen, um Kinder in Heimen unterzubringen, sagt Schreiber.
Unterdessen will die Wiener Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie den Vorwürfen der "Malariatherapie" an Patienten in den 60er-Jahren nachgehen. Vorstand Siegfried Kasper schließt Missbrauch nicht aus. Es sei durchaus möglich, dass Betroffene damals als "Erregerträger" verwendet worden seien. Krankenakten gebe es aus dieser Zeit keine mehr, darum werden Betroffene gebeten, sich unter Tel. (01) 40 400-35 68 zu melden.











