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Zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 um 18:58 Uhr

Bergretter "Sie hätten die Nacht nicht überlebt"

Durch Leichtsinn gerieten zwei Wiener Tourengeher in Not und wären beinahe erfroren. Auch zehn Bergretter erlitten Erfrierungen.

Bergrettungschef Bernhard Ulm (dritter von rechts) besuchte gestern seine verletzten Kollegen im Spital

Foto © FUCHS Bergrettungschef Bernhard Ulm (dritter von rechts) besuchte gestern seine verletzten Kollegen im Spital

Mangelnde Ausrüstung, eine fehlende Tourenplanung, die schlechten Wetterbedingungen ignoriert und dann auch noch zu spät Alarm geschlagen: Die beiden Wiener Tourengeher (38 und 39 Jahre alt), die Samstagabend sich selbst, 22 Bergrettungsmänner und zwei Alpinpolizisten in Lebensgefahr gebracht hatten, müssen sich schwere Vorwürfe gefallen lassen. Möglicherweise steht ihnen auch noch ein Gerichtsverfahren ins Haus, denn von der Polizei werden sie wegen grober Fahrlässigkeit angezeigt.

Die beiden Männer waren Samstag früh in Krampen, Bezirk Mürzzuschlag, zu einer Schitour ins Gebiet der Schneealpe aufgebrochen. Bergauf, bergab waren sie den ganzen Tag unterwegs. Sie waren auf dem Blastein, auf der Lachalpe, der Hinteralpe, dem Waxenegg, auf der Donnerwand, auf dem Schönhaltereck. Bei der letzten Abfahrt verirrten sie sich und wurden von der Dunkelheit überrascht.

25 Grad minus

Erst um 20.30 Uhr setzten die beiden Männer per Handy einen Notruf ab. Sofort brach eine Suchmannschaft auf. 22 Bergrettungsmänner aus Neuberg an der Mürz und zwei Alpinpolizisten kämpften sich bei minus 25 Grad, starkem eisigen Wind und hohen Schneemassen den Berg hinauf.

Währenddessen hielt Einsatzleiter Johann Püreschitz (Alpinpolizei Mürzzuschlag) vom Tal aus Kontakt mit den beiden Wienern. "Sie wussten nicht genau, wo sie sich befanden", erzählt Püreschitz. Immer wieder musste die Verbindung unterbrochen werden, um die Handy-Akus der Tourengeher zu schonen. "Sonst wäre der Kontakt abgerissen."

Nach Stunden erreichte die Rettungsmannschaft den Gipfelbereich am Schönhaltereck. Aber von den Wienern fehlte jede Spur. "Wir beschlossen, die Suche wegen der akuten Gefährdung der Rettungskräfte abzubrechen", sagt Bernhard Ulm, Leiter der Bergrettung Neuberg. "Da bemerkte ein Kollege eine Stirnlampe. Wir hatten die Männer gefunden. Sie hätten die Nacht mit Sicherheit nicht überlebt."

Beide hatten bereits Erfrierungen erlitten. Einer konnte trotzdem noch in Begleitung der Retter mit den Schiern selbst ins Tal abfahren. Der Zweite musste mit dem Akja abtransportiert werden. Erst um fünf Uhr früh war der Einsatz beendet. Nicht nur die beiden Tourengeher mussten ins Krankenhaus Mürzzuschlag gebracht werden. Auch zehn Bergrettungsmänner hatten Erfrierungen erlitten. Vier von ihnen sind noch im Spital.

HANS BREITEGGER

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