"Sibirische" Kälte lässt Österreich erstarren
Der Extremfrost in Europa hat bereits Dutzende Menschenleben gefordert. Auch in Österreich sind zwei Kälteopfer zu beklagen. Doch die wahrscheinlich kältesten Tage dieses Winters kommen erst auf uns zu.

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Der Extremfrost in Europa hat die Zahl der Kältetoten auf über 120 steigen lassen - vor allem im Osten ist die Lage dramatisch. In der Ukraine erhöhte sich die Zahl der Erfrorenen um 20 auf 63, wie das Zivilschutzministerium am Donnerstag mitteilte. In Polen starben nach Angaben des Innenministeriums in Warschau bisher 29 Menschen. Auch in Österreich waren zwei Kälteopfer zu beklagen.
Front kommt aus Westsibirien
Dass es sich bei der derzeitigen Witterung tatsächlich um "sibirische" Kälte handelt, bestätigte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik im APA-Gespräch: "Die Front kommt aus Westsibirien und wird noch ein paar Tage anhalten. In Russland liegt im Moment sehr viel Schnee, der natürlich alles noch mehr abkühlt." Zusätzlich wird auffrischender Wind die gefühlte Kälte als noch klirrender empfinden lassen. Auf der Jubiläumswarte im Westen Wiens wurden heute, Donnerstag, minus 16,5 Grad gemessen, weniger als in jeder anderen Landeshauptstadt Österreichs. Mit minus 7,4 Grad war es knapp 700 Kilometer weiter westlich, in Bregenz, noch am "wärmsten".
In einem Wald im Gemeindegebiet von Langegg im Bezirk Neunkirchen erfror am Mittwochnachmittag eine 83-jährige Frau. Das berichtete die Sicherheitsdirektion Niederösterreich. Die Frau war um 14.00 Uhr von zu Hause aufgebrochen. Offensichtlich stürzte sie bei ihrem täglichen Spaziergang und schaffte es nicht mehr aufzustehen.
Toter in der Steiermark: Erfrierungstod?
In der Steiermark haben Schulkinder am Donnerstag in einem Park in der Grenzstadt Bad Radkersburg eine männliche Leiche gefunden. Laut Sicherheitsdirektion Steiermark handelt es sich um einen 50 Jahre alten Radkersburger, der als Alkoholiker bekannt war. Da der Tote keine äußeren Anzeichen eines Gewaltverbrechens aufwies, ging man vorerst eher von Erfrierungstod aus. Die Ermittlungen laufen noch.
Bei Temperaturen von stellenweise minus 30 Grad Celsius wurde die Lage in der Ukraine immer dramatischer, wie Medien am Donnerstag berichteten. Die meisten Kälteopfer dort waren Obdachlose. Auch die meisten Toten in Polen lebten auf der Straße. In Rumänien wurden bisher mindestens 22, in Bulgarien zehn Tote gezählt. In Tschechien kostete die Kälte seit Wochenbeginn mindestens vier Menschen das Leben.
Auch anderen Ländern machte der strenge Winter zu schaffen: In der Türkei störten Schneefälle den Verkehr und die Energieversorgung. Auf dem Atatürk Flughafen in Istanbul seien am Vortag 180 Flüge ausgefallen. In Secmen im Südosten des Landes ist eine Frau unter den Trümmern ihres von einer Lawine verschütteten Hauses umgekommen. In ländlichen Regionen im Osten seien etwa 1.000 Straßen nicht mehr zu befahren. Teilweise sei das Stromnetz zusammengebrochen.
In Norditalien blockierten Eis und Schnee ebenfalls Straßen und Schienen. Zwei Züge aus Mailand blieben über Nacht stecken und konnten erst mit zehnstündiger Verspätung weiterfahren, teilte die Staatsbahn mit. In der italienischen Metropole fielen zahlreiche Flüge aus. An der südlichen Adria lag am Donnerstag Schnee, was dort sehr selten ist. Auch an den kroatischen Küsten schneite es. Ferrari musste die Präsentation seines neuen Formel-1-Wagens in Maranello absagen - nicht mal mit dicken Schneeketten wäre die "Rote Göttin" vorwärtsgekommen.
Nicht nur Europa gleicht einem Eiskasten: Auch in Japan kämpften die Menschen mit heftigen Schneefällen und eisigen Temperaturen. Mehr als 50 Personen kamen nach amtlichen Angaben bei Unfällen im Schnee ums Leben. Die meisten Todesopfer seien ältere Menschen, die beim Schneeräumen von den Dächern ihrer Häuser fielen.












