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    Zuletzt aktualisiert: 02.02.2012 um 13:50 Uhr

    Ägypten sucht die Schuldigen

    Bei Ausschreitungen nach einem Fußballspiel kamen in Ägypten über 70 Menschen ums Leben. Sie starben in einer regelrechten Hetzjagd, mindestens 1.000 wurden verletzt. Ungereimheiten deuten auf politische Hintergründe hin - manche vermuten eine "blutige Botschaft" des alten Regimes.

    Foto © Reuters

    Nach den heftigen Krawallen mit 71 Toten bei einem Fußballspiel in Nordägypten werden Fragen nach einem politischen Hintergrund laut. Das Parlament wollte am Donnerstag in Kairo zusammenkommen und über das "Massaker" beraten. Die Muslimbruderschaft, die die stärkste Fraktion stellt, betonte in einem auf ihrer Website veröffentlichten Statement, dass Kräfte am Werk seien, die in enger Verbindung zu dem früheren Regime von Präsident Hosni Mubarak stünden. Sie riefen den regierenden Militärrat auf, alle Maßnahmen zum Schutz der Menschen in Ägypten zu ergreifen. Zudem müsse untersucht werden, welche Verantwortung die Polizei an der Eskalation trage.

    Ein für die öffentliche Sicherheit zuständiger Militärvertreter, Ahmed Gamal, wies in der Tageszeitung "Al-Tahrir" (Donnerstag) jegliche Schuld zurück. Es habe einen guten Sicherheitsplan bei dem Fußballspiel gegeben, sagte er. Doch der Gewaltausbruch nach Abpfiff sei nicht mehr einzudämmen gewesen. Er verglich die Ereignisse mit dem Beginn der heftigen Massenproteste am 25. Jänner vor einem Jahr gegen Mubarak, die schließlich zum Sturz des Machthabers führten.

    Fotoserie: Über 70 Tote nach Fußballspiel in Ägypten

    Nach den tödlichen Krawallen wurde der Chef der Sicherheitskräfte in der Stadt Port Said entlassen. Innenminister Mohammed Ibrahim habe entschieden, Sicherheitschef Essam Samak seines Amtes zu entheben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena am Donnerstag. Die regierende Militärrat ordnete nach den Ausschreitungen in der Stadt am Suezkanal eine dreitägige Staatstrauer an.

    "Botschaft des alten Regimes"

    Die Schuldigen für die blutigen Zusammenstöße zwischen den Anhängern der Fußballmannschaften Al-Alhi und Al-Masri sollen bestraft werden, betonte Militärchef Tantawi. Nach Worten von Innenminister Mohammed Ibrahim wurden bereits 47 Verdächtige festgenommen. Sowohl das Parlament als auch die Regierung sollten am heutigen Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Die bei der jüngsten Parlamentswahl siegreichen Muslimbrüder machten Anhänger von Ex-Präsident Hosni Mubarak für die Ausschreitungen verantwortlich. Die Ereignisse in Port Said seien geplant gewesen, erklärte der Abgeordnete Essam al-Erian. Sie seien eine "Botschaft der Anhänger des alten Regimes". Mubaraks Sturz jährt sich kommende Woche zum ersten Mal.

    Reaktion

    In einem Stadion in Kairo brach ein Feuer aus, nachdem das dortige Fußballspiel als Reaktion auf die Ereignisse in Port Said abgebrochen worden war.

    Die Ausschreitungen begannen, nachdem das Spiel zwischen den Teams Al-Masri und Al-Ahli beim Stande von 3:1 abgepfiffen worden war. Zuschauer stürmten auf den Platz und machten Jagd auf Spieler des Kairoer Klubs Al-Ahli. Viele Menschen wurden totgetrampelt oder erdrückt. Das Spiel in Port Said war bereits vor Beginn von regionalen Zeitungen als "Treffen der Vergeltung" bezeichnet worden. Al-Ahli zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen.

    FIFA-Präsident Sepp Blatter zeigte sich entsetzt. Es sei "ein schwarzer Tag für den Fußball". Blatter erklärte: "Ich bin entsetzt und schockiert. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl. Zu den Gründen der Katastrophe kann ich mich nicht äußern, eines aber steht fest: Es ist ein schwarzer Tag für den Fußball. Ein solches Drama ist jenseits des Vorstellbaren und darf nicht geschehen."

    Zahl der Todesopfer ungewiss

    Bei den Krawallen sind nach offiziellen Angaben 71 Menschen ums Leben gekommen. Der Sender Al Arabiya sprach am späten Mittwochabend von 77 Toten. Einige starben, nachdem sie zur Behandlung in die Kabine der Gäste-Mannschaft gebracht worden waren, wie dessen portugiesischer Trainer im Radio sagte. Andere Medien gaben die Zahl der Todesopfer mit 74 an.

    Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein. Der Leiter eines Krankenhauses in Port Said, Hassan al-Isnawi, sagte der Zeitung "Al-Ahram" (online), viele seien erdrückt worden. Der Mannschaftsarzt von Al-Ahli wurde von der Zeitung "Al-Masry Al-Youm" mit den Worten zitiert: "Das ist Krieg und kein Fußball."

    Spieler von Al-Ahli sagten lokalen Medien, die Sicherheitskräfte hätten nichts unternommen, um sie zu schützen. Der Militärrat kündigte an, zwei Militärflugzeuge nach Port Said zu schicken, um die Spieler von Al-Ahli abzuholen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele aus.

    Der portugiesische Al-Ahli-Trainer Manuel Jose sagte, er habe Dutzende von Toten gesehen. Zahlreiche schwer verletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben. "Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen", sagte der 65-Jährige empört kurz nach den Zwischenfällen im Telefon-Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC.


    "Schande für die Polizei"

    Al-Ahlis Co-Trainer Oscar Elizondo sprach von politisch gefärbter Gewalt. "Es gibt viel Hass", sagte er.

    Das Verhalten der Polizei bezeichnete er als Schande: "Es gab 3000 Polizisten und wohl niemand wurde verhaftet". Spieler und Trainer seien in "Militärfahrzeugen, die wie Kriegspanzer aussahen", aus dem Stadion gebracht worden.

    Grafik

    Grafik © KLZ

    Grafik vergrößernDer Ort der TragödieGrafik © KLZ

    Hintergrund

    Die Ausschreitungen hatten in Port Said am Mittwoch, unmittelbar nachdem das Spiel zwischen den Teams Al-Masri und Al-Ahli beim Stand von 3:1 abgepfiffen worden war, begonnen. Zuschauer stürmten auf den Platz und machten Jagd auf Spieler des Kairoer Klubs Al-Ahli. Viele Menschen wurden totgetrampelt oder erdrückt.

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