"Tierretterin" ließ 52 Hunde verwahrlosen
Die Tiere wurden in einer spektakulären Aktion aus einem Gehöft in Unterkärnten gerettet. Die Besitzerin (63) sieht sich als Tierschützerin. Fälle von krankhafter Tierhortung nehmen zu.

Foto © TikoTierrettungsfahrer Fuad Blagajcevic mit einem der geretteten Hunde
Den Tierschützern bot sich ein Bild des Schreckens, als sie Mittwochabend das abgelegene Gehöft in Bad Eisenkappel betraten: Dutzende Hunde lagen in einer zentimeterhohen Schicht ihrer eigenen Exkremente. "Durch den Ammoniakgestank konnte man kaum Atmen", sagt Marina Zuzzi-Krebitz, Leiter des Tierschutzkompetenzzentrums Kärnten (Tiko). Die verängstigten Hunde, darunter sieben Welpen, waren eingesperrt. Das Wasser für die Tiere war teilweise eingefroren. Im Raum lagen leere Futtersäcke. "Die Colliemischlinge dürften ihr Lebtag nicht aus den Gebäuden geführt worden sein, da sie zum Teil nur schwer gehen können, keine Leine gewohnt sind und teilweise lange, eingewachsene Krallen haben", so Zuzzi-Krebitz. "Sie wurden hier in unwürdigster Weise gehalten."
Der für Kärnten einzigartige Fall von Tierhortung ("Animal Hoarding") ist durch den Hinweis des Nachbarn aufgeflogen. Gestank und Lärm waren unerträglich geworden. In einer koordinierten Aktion zwischen Polizei, Bezirkshauptmannschaft, Tierschutzombudsfrau Ingrid Fischinger und dem Tiko konnten dann aus dem Gehöft insgesamt 52 Hunde und eine Katze gerettet werden. Ein Welpe musste eingeschläfert werden.
Was steckt hinter dem Tierdrama? Das alte Gehöft gehört einer 63-jährigen Frau, die allerdings dort nicht ständig wohnt, sieht sich laut Zuzzi-Krebitz seit Jahren als "einzig wahre Tierschützerin". Sie lebt allein, ihre genauen Familienverhältnisse sind jedoch unklar. Die Tiko-Leiterin weiters: "Diese Frau ist psychisch schwer krank, sie gehört unbedingt therapiert!" Auch Christian Wölbl von der Polizeiinspektion Bad Eisenkappel ist fassungslos. Nächste Woche wird die Frau einvernommen und bei der Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei angezeigt. "Wahrscheinlich hat sie wirklich geglaubt, sie macht etwas Gutes", so der Polizist. Das passt ins Krankheitsbild des Tiersammelns. "Sie dürfte der Rettertyp sein", sagt Zuzzi-Krebitz. Das sind Menschen, die die Aufnahme von Tieren als ihre Mission und Berufung ansehen. Und glauben, die Tiere hätten es bei ihnen gut. "Solche Fälle werden leider immer mehr."
Die plötzliche Aufnahme der Tiere stellt die beiden ohnehin überfüllten Tierheime (Tiko und Garten Eden) vor große Herausforderungen. Fressnapf hat deshalb sofort 260 Kilogramm Tierfutter für die Hunde von Eisenkappel gespendet.
Weitere Hunde aufgefunden
In der Nacht auf Mittwoch wurden fünf offensichtlich ausgesetzte Hunde auf dem Hemmaberg in der Gemeinde Globasnitz von einem Gemeindeangestellten aufgefunden. Die Tiere dürften nach ersten Erhebungen der Polizei mit dem Veterinäramt der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt ebenfalls von der selben Tierbesitzerin stammen. Die Tiere waren leicht unterkühlt und wurden von der Tierrettung in das Tierschutzkompetenzzentrum Klagenfurt gebracht.
Features
Krankhafte Tierliebe
Tierhortung ("Animal Hoarding") beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem Menschen Tiere in einer großen Anzahl halten, sie aber nicht angemessen versorgen. Laut aktuellen Studien sind am häufigsten Hunde und Katzen davon betroffen.
Drei Viertel der "Animal Hoarders" sind Frauen über 50 Jahre. In über der Hälfte der untersuchten Fälle hatte der betroffene Mensch keine Einsicht in die Problematik. Der "Hoarder" erkennt nicht, dass die Tiere bei ihm leiden, er sieht sich meistens als der einzig echte Tierschützer - wie im aktuellen Fall aus Bad Eisenkappel.
Foto

Bild vergrößernDank engagierter Tierfreunde wurden fünf von der Frau ausgesetzte Hunde am Mittwoch auf dem Hemmaberg eingefangen Foto © Tiko











