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Zuletzt aktualisiert: 18.01.2012 um 18:29 UhrKommentare

Abenteuerreise endet als Horrortripp

Es sollte eine Reise in eine einzigartige Landschaft werden: Oberösterreichischer Hobbyfotograf ist unter den fünf Touristen, die in der Danakil-Wüste in Äthiopien ermordet wurden.

Tödliche Reise in äthiopische Wüste

Foto © FriedhuberTödliche Reise in äthiopische Wüste

Der Leondinger war mit einer internationalen Touristengruppe im Norden Äthiopiens unterwegs – unweit der eritreischen Grenze, einem der heißesten Orte der Erde. Bei dem Überfall kamen auch zwei Deutsche und zwei Ungarn ums Leben. Zwei äthiopische Begleiter und zwei weitere Deutsche wurden von den Tätern verschleppt. Unter den Touristen soll es auch Verwundete geben. Auf die Touristen wurde mit Schnellfeuergewehren geschossen.

"Der Zwischenfall ereignete sich während des Anstiegs auf den Vulkan Erta Ale. Nach unserer Information waren zwei europäische Reisegruppen mit insgesamt 22 Teilnehmern betroffen“, sagt Außenamtssprecher Peter Launsky Tieffenthal.

Abenteuertrip

Der 16-tägige Abenteuertrip, der um 3000 Euro bei dem Dresdner Veranstalter "Diamir“ gebucht werden konnte, fand unter besonderem Begleitschutz statt. Die Touristen wurden von bewaffneten Soldaten eskortierten. Die Danakil-Senke, wo der Überfall stattgefunden hat, ist militärisches Sperrgebiet. Ein Sprecher des äthiopischen Außenamtes machte für den Zwischenfall eine Bande einheimischer Nomaden verantwortlich, die von der eritreischen Regierung angeheuert worden sei. Diplomaten des verfeindeten Nachbarstaates wiesen diese Darstellung prompt zurück.

Gerhard Heindl hinterlässt eine Ehefrau und zwei erwachsene Kinder. Er war Oberbank-Prokurist und leitete in der Linzer Zentrale die Kreditmanagementabteilung.

Seine private Leidenschaft galt dem Fotografieren. Über den Fotoklub Leonding kam er auch in Kontakt mit dem Weltenbummler Sepp Friedhuber, der die Danakil-Senke zuletzt zweimal bereist hatte: "Das ist einer der heißesten Punkte Afrikas mit einem paar spektakulären Naturwundern“, sagt der Ansfeldener. Bei einem Dia-Vortrag im Fotoklub war Heindl interessierter Gast: "Um nähere Informationen hat er mich aber nicht ersucht“, betont Friedhuber.

Während seiner Fotoreisen entwickelte Heindl eine besondere Leidenschaft für Wüstenlandschaften. Er bereiste zunächst Tunesien und Libyen. Die unversehrte Rückkehr aus der Sahara dürfte den sonst so besonnenen und stillen Menschen zu weiteren, auch gefährlicheren Abenteuern verleitet haben.

Der Wiener Anthropologe Horst Seidler richtete am Mittwoch scharfe Vorwürfe an den deutschen Reiseveranstalter. Es sei unverantwortlich, Touristengruppen in ein militärisches Sperrgebiet zu bringen. Hinreichend bekannt sei auch, dass in dieser Region ein hohes Sicherheitsrisiko bestehe, sagte Seidler, der seit Jahrzehnten in Äthiopien Grabungen durchführt. Das Gebiet sei von Guerillas infiltiert, bei denen sich politische und kriminelle Ambitionen vermischen würden.

Heindls Leichnam soll noch mittels Fotoabgleich von einer Botschaftsangehörigen identifiziert werden. Das Außenamt wollte seinen Tod bis dahin noch nicht bestätigen. Die sterblichen Überreste des Leondingers wurden am Mittwoch in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba geflogen.

Erik Famler | OÖN

Äthiopien: Touristen getötet

Grafik © KLZ

Grafik vergrößernGrafik © KLZ

Fakten

Äthiopien ist rund 15 Mal so groß wie Österreich und wird von der Partei "Revolutionäre Demokratische Volksfront" von Premier Meles Zenawi seit 1991 mit starker Hand regiert.

88 Millionen Einwohner, mehr als 80 ethnische Gruppen. Im Land und an seinen Grenzen kommt es immer wieder zu blutigen Gefechten.

Zwei Fragen an Sepp Friedhuber

Der Ansfeldener Pädagoge und Weltenbummler gilt als Äthiopien-Kenner

OÖN: Was bringt Touristen dazu, ein militärisches Sperrgebiet zu bereisen?
Friedhuber: In der Danakil-Senke trifft man auf spektakuläre Naturwunder, etwa den großen Salzseen mit den letzten Salz-Karawanen oder den Erta Ale, einen von weltweit fünf daueraktiven Vulkanen.

OÖN: Wer könnte hinter diesem Überfall stecken?
Friedhuber: Ich habe dafür keine Erklärung. Es gibt viele Einflüsse von Fremdmächten: Die Inder haben begonnen, Pottasche abzubauen. Auch Gold wird wieder gefördert. Daneben hat sich der Tourismus entwickelt. Die Afar-Nomaden waren früher sehr gefürchtet. Inzwischen haben sie sich aber stark dem Tourismus zugewandt.

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