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    Zuletzt aktualisiert: 18.01.2012 um 14:39 UhrKommentare

    Tod in der Wüste: Österreicher in Sperrgebiet

    Laut Außenminister Spindelegger war die Touristengruppe im "militärischen Sperrgebiet" unterwegs - es sei "unverantwortlich", Touristengruppen in diese gefährliche Areale zu bringen, so ein Anthropologe.

    Foto © APA/Sujetbild

    Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) hat am Mittwoch bei der Debatte des außenpolitischen Berichts im Nationalrat bekanntgegeben, dass die in Äthiopien überfallene Touristengruppe in einem "militärischen Sperrgebiet" unterwegs war. Bei dem Übergriff wurden fünf Europäer getötet, darunter ein Österreicher. Eines der Opfer bei dem Überfall sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Österreicher. Man versuche derzeit, die Familie zu betreuen und die sterblichen Überreste des Opfers nach Österreich zu bringen.

    Es sei "unverantwortlich", Touristengruppen in die militärischen Sperrgebiete in der Danakil-Senke im Nordosten Äthiopiens zu bringen, erklärte Horst Seidler, Leiter des Departments für Anthropologie der Universität Wien, am Mittwoch im Gespräch mit der APA. In dem Gebiet, in dem der Überfall auf die Reisegruppe stattgefunden hat, seien immer noch Guerillagruppen aktiv. Bei diesen würden sich politische und kriminelle Ambitionen vermischen. Es sei daher hinreichend bekannt, dass in der Region ein hohes Sicherheitsrisiko bestehe, sagte Seidler, der seit Jahrzehnten in Äthiopien Grabungen durchführt. Mit der Situation im Rest des Landes sei die Sicherheitslage in der Danakil-Senke aber nicht vergleichbar.

    Ungeachtet dem Leid, das den betroffenen Personen und ihren Familienangehörigen durch den Überfall entstanden sei, seien diese Ereignisse ein "enormes Reputationsproblem für Äthiopien", so die Einschätzung des Forschers, der auch äthiopischer Honorarkonsul für Kunst und Wissenschaft und Präsident der Österreichisch-Äthiopischen Gesellschaft ist. Die Region in der Danakil-Senke an der Grenze zu Eritrea sei ein Gebiet, "das immer wieder von Guerillas infiltriert ist". Diese Gruppen würden von Eritrea unterstützt, auf "ganz brutale Weise" gegen die äthiopische Regierung kämpfen. Unter dem Gesichtspunkt des immer noch schwelenden Konflikts zwischen den beiden Ländern "sind das noch immer Regionen, in denen diese Untergrundkämpfe weitergehen".

    Die Guerillas würden sich aus dort ansässigen Nomadenvölkern rekrutieren. Der Unterschied zwischen kriminellen und politischen Ambitionen sei hier oftmals fließend, wie Seidler betont. "Dieses Gebiet ist daher militärisches Sperrgebiet, das muss man wissen, wenn man dort Touristen hinführt". Man könne sich jetzt auch nicht darauf ausreden, dass diese Reisegruppe von einheimischen Guides geführt wurde. "Es ist unverantwortlich, Touristen mit dem Versprechen eines Abenteuerurlaubs in diese unglaublich gefährliche Region zu bringen". Daraus dürfe man aber nicht auf die Sicherheitslage im Rest Äthiopiens rückschließen. Die klassische Touristenroute in den Norden des Landes sei sicher. Ebenso sicher seien Reisen in den Süden. Dort passiere nichts, jährlich würden "Zehntausende geführte Touristenreisen" stattfinden.

    Aufgrund seiner Grabungstätigkeit hat Seidler langjährige Erfahrung bei der Arbeit in Äthiopien. Der Wissenschafter habe dort "nicht nur einen Überfall miterlebt", es handle sich hier aber um ein professionelles Risiko, dass man als Forscher tragen könne. Der Wissenschafter kennt an die Danakil-Senke angrenzende Regionen gut, würde dort aber "nie arbeiten". Das hänge aber nicht nur mit der Sicherheitslage zusammen, sondern auch damit, dass es dort nichts gebe, "woran Anthropologen erfolgreich arbeiten könnten".


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