Telefonate des Kapitäns wurden mitgeschnitten
In Italien wurden nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" Telefonmitschnitte veröffentlicht, die belegen, dass der Kapitän das Schiff frühzeitig verlassen hat. Die Zahl der Todesopfer ist auf Sieben gestiegen. 29 Menschen werden vermisst.

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Nach dem Kreuzfahrtunglück vor der Küste der Toskana werden nach neuen Angaben der italienischen Küstenwache noch 29 Menschen vermisst. Es gebe bisher kein Lebenszeichen von 25 Passagieren und vier Crewmitgliedern, sagte Küstenwachen-Chef Marco Brusco am Montagabend im Fernsehsender RAI Uno. Die Taucher am Wrack der havarierten "Costa Concordia" unterbrachen über die Nacht auf Dienstag ihre Suche nach den Vermissten des Unglücks vom Freitag allerdings, nachdem sie noch lange mit Scheinwerfern gesucht hatten. In der Nacht auf Dienstag wurde ein siebentes Todesopfer geborgen.
Im Zusammenhang mit der Havarie sind unterdessen Mitschnitte von Telefonaten öffentlich geworden, die den Kapitän belasten. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA veröffentlichte am Montagabend Zitate aus einem von den Blackboxen aufgezeichneten Telefonat zwischen Francesco Schettino und einem Offizier, der im Hafen der Insel Giglio Dienst hatte. Darin wird der schon kurz nach dem Unglück von Zeugen geäußerte Verdacht erhärtet, wonach der Kapitän früh von Bord ging. Der Hafenmitarbeiter wies Schettino darin an, sich zurück auf das Schiff zu begeben.
Demnach erreichte der Offizier Schettino um 01.46 Uhr auf dem Handy, als noch Hunderte Menschen an Bord des sich langsam zur Seite neigenden Schiffes waren. "Was machen Sie? Geben Sie die Rettung auf?", fragte der Mitarbeiter des Hafens. "Nein, nein, ich bin da, ich koordiniere die Rettung", antwortete Schettino, der von den Zeugen allerdings schon vor Mitternacht am Ufer gesehen wurde. Der Offizier sagte, es gebe "bereits Leichen". "Wie viele?", fragte Schettino zurück. Der Offizier darauf: "Das müssen doch Sie mir sagen! Was machen Sie? - Jetzt kehren Sie nach da oben zurück und sagen Sie uns, was wir machen können!"
Schon 01.42 Uhr sagte der Kapitän in einem anderen Telefonat mit der Hafenmeisterei: "Wir können nicht mehr an Bord des Schiffes gehen, weil es zur Heckseite kippt." Der Offizier fragte völlig überrascht: "Kommandant, haben Sie das Schiff verlassen?" Der Kapitän darauf: "Nein, nein, natürlich nicht!" Kapitän Schettino und sein Erster Offizier wurden wegen Fluchtgefahr festgenommen. Gegen sie und drei weitere Offiziere laufen Ermittlungen.
Menschlicher Fehler
Ein "menschlicher Fehler" ist bei der Havarie nach Auffassung des Chefs von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, nicht zu bestreiten. Zwar werde die Kreuzfahrtgesellschaft dem Kapitän nach der Havarie juristische Unterstützung geben, sagte Foschi laut ANSA in Genua. "Das Unternehmen hat jedoch auch die Pflicht, seine 24.000 Beschäftigten zu schützen", fügte er an. Zuvor waren die Eigner des Kreuzfahrtschiffes auf Distanz zu ihrem Kapitän gegangen. "Es scheint, dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben", hieß es in einer Erklärung der Kreuzfahrtgesellschaft am Sonntagabend.
Nach Angaben Angaben der Küstenwache sind zehn Deutsche und sechs Italiener unter den Vermissten. Zuvor hatte die Polizei die Zahl der Vermissten mit mindestens 16 angegeben. Sechs Menschen wurden bisher tot geborgen. An Bord waren auch 77 Österreicher, die aber alle mit heiler Haut davonkamen. Die "Costa Concordia" war am Freitag mit mehr als 4.000 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Felsen aufgelaufen und später auf die Seite gekippt.
Die Feuerwehrleute, die ebenfalls am Wrack vor der Küste der Toskana im Einsatz sind, wollten ihre Arbeit nach eigenen Angaben über die Nacht fortsetzen. Selbst für erfahrene Taucher sei die Suche in dem auf der Seite liegenden Schiffswrack "gefährlich", sagte Küstenwachen-Chef Brusco. Für die Vermissten gebe es aber noch einen "Hoffnungsschimmer", da das Schiff noch nicht komplett erkundet worden sei, ergänzte er. Die Chancen, sie lebend zu finden, werden nach Ansicht von Experten aber immer geringer.
Eine Bergung der "Costa Concordia" wäre nach Expertenmeinung zwar aufwendig, aber machbar. "Wenn es irgendeine Chance gibt, den Schaden am Rumpf abzudichten, kann man das Schiff eventuell auspumpen und wieder aufrichten", sagte der Bergungsexperte Eyk-Uwe Pap des Rostocker Unternehmens Baltic Taucher der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn das nicht möglich ist, wird das Schiff mit Ketten zerschnitten in sechs bis acht Teile, die jeweils 1.000 bis 2.000 Tonnen schwer sind. Diese könnten mit einem Großkran geborgen werden", sagte Pap. Voraussetzung dafür sei, vorher alle umweltgefährdenden Stoffe wie Öl aus dem Schiff abzupumpen.
Die Havarie im Mittelmeer könnte sich nach Einschätzung von Analysten und Branchenexperten zum größten Versicherungsschaden in der Seefahrtsgeschichte auswachsen. Die bisherigen Angaben der Versicherer deuteten auf eine Summe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar (zwischen 395 Mio. und 789 Mio. Euro) hin, schrieb Expertin Joy Ferneyhough von der Bank Espirito Santo in London am Montag in einer Analyse. Ohne Einbeziehung der Inflation würde das den Anfangsschaden der Exxon-Valdez-Öltanker-Katastrophe in Alaska von 1989 übertreffen.











