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    Zuletzt aktualisiert: 30.12.2011 um 22:28 UhrKommentare

    Ein Mythos lebt

    Leopold Hawelka ist tot. Aber sein legendäres Kaffeehaus wird ewig leben. Nicht zuletzt wegen der Erinnerungen an frühere Zeiten.

    Foto © APA

    Künstler tröpfeln heute nur noch vereinzelt herein ins Café Hawelka. Höchstens Lebenskünstler. Denn sie sind längst vorbei, die Zeiten, als das gleichsam seit seinem Bestehen abgewohnte Lokal in der Dorotheergasse nahe dem Graben für Größen wie Heimito von Doderer und Friedrich Torberg, Hilde Spiel und Hans Weigel die zweite Heimat, das Wohnzimmer war. Später waren es Leute wie H. C. Artmann, Peter Turrini oder die Schauspieler Oskar Werner und Helmut Qualtinger, die hier lachten und redeten und tranken und lebten. Tagelang, nächtelang. Und nicht zu vergessen all die Maler. Fuchs, Hausner, Hundertwasser . . .

    Leopold Hawelka hat auch gemalt. "Mehr schlecht als recht", wie er selbst sagte, "weil ich ja nur ein Kaffeesieder bin."

    Am Donnerstag ist dieser Kaffeesieder im Alter von 100 Jahren gestorben. Was bleibt, sind Erinnerungen. Und viele Bilder. Nicht nur die an der Wand, die er so manchem Gast abgekauft hat. Oder mit denen so mancher Gast gezahlt hat, wenn die Zeit schlecht war und die Kunst eine brotlose.

    Nein, es sind auch die Bilder, die nur vor dem inneren Auge leben. Ewig leben werden.

    Das Bild der Josefine etwa, Leopolds Frau, wie sie hinten in der Küche geschäftig herumhantiert und die Buchteln, hergestellt nach dem Rezept der böhmischen Schwiegermutter, reindelweise aus dem Backofen holt. Zum Sterben hat sie sich dann ausgerechnet den 22. März 2005 ausgesucht. Einen Dienstag, den einzigen Tag der Woche, an dem das "Hawelka" zuhat. Josefines Ruhetag.

    In der Folge saß der Witwer täglich außer Dienstag an ein und demselben Tisch nahe der Schank, trank seine Melange mit drei Stück Zucker und viel Milch. Anfangs noch erstaunlich rüstig, später ein bisserl verloren und auf einen Stock gestützt. Auch ein Bild, das unvergesslich bleiben wird. Und die Ober, die lang gedienten, nannten ihn liebevoll Opa.

    In seinem letzten Jahr allerdings, da war er kaum noch zu sehen. Und jetzt, wo er tot ist, bleibt der Tisch nahe der Schank den Stammgästen vorbehalten.

    Das "Hawelka", das seit 1939 in seiner heutigen Form besteht, hat seine Berühmtheit nicht zuletzt den vielen Künstlern zu verdanken, die hier zu "bestaunen" waren und einen Lebensstil pflegten, der vielen so lebens-, daher nachahmenswert erschien. Ein Künstler allerdings wurde durch das "Hawelka" bekannt: Georg Danzer, Schöpfer des Liedes "Jö schau . . .", in dem der "Nackerte im Hawelka" besungen wird. Dieses Lied machte Danzer im Jahre 1975 schlagartig zum Star, ganze 20 Wochen lang führte der 2007 verstorbene Sänger Österreichs Hitparade an.

    Gemeint hat Danzer mit dem "Nackerten" vermutlich nicht bloß einen herkömmlichen "Flitzer", sondern vielmehr ein "geistiges Nackerpatzerl", wie's in Wien heißt. Einen, der sich zu den prominenten Gästen gesellt, um quasi mitzunaschen und allein durch das Anstreifen an den Intellektuellen ein wenig Glanz abzubekommen.

    Auch die Düsseldorfer Band "Kraftwerk" bezieht sich im Lied "Trans-Europa Express" auf das "Hawelka", ohne jedoch den Namen konkret zu nennen. Im Song "Hawelka" der niederländischen Band "Nits" wird das Café ebenfalls erwähnt.

    Und es wird wohl noch oft erwähnt werden, das Kaffeehaus, das heute Josefines und Leopolds Sohn Günther, mit 72 auch längst pensionsreif, gemeinsam mit den Enkeln Amir und Michael führt.

    Geplant war das allerdings ganz anders, denn Tochter Hertha war ursprünglich als Nachfolgerin vorgesehen. Als es zum innerfamiliären Eklat kam, zog Hertha zurück und verkaufte ihre Anteile dem Bruder. Heute, beteuern alle Beteiligten, sei der Frieden im Hause wiederhergestellt.

    Heimito von Doderer schrieb im Jahre 1960 über das "Hawelka" die folgenden Zeilen: "Es ist bereits in London bekannt, und es treffen auch Leute aus Paris und den Niederlanden im Café Hawelka ein. Warum? Letzten Endes nur deshalb, weil Herr Hawelka nicht renoviert."

    Und tatsächlich: Das heutige Lokal wurde 1912 als "Chatam Bar" eröffnet, die erste Bar in Wien mit einer Liveband und einem "Chambre séparée". Die Innendekoration stammt von einem Schüler des berühmten Jugendstilarchitekten Adolf Loos und war völlig intakt, als die Hawelkas das Lokal übernahmen. Seitdem ist alles unberührt geblieben.

    Das, was man auch als Grind bezeichnen könnte, wird hier liebevoll Patina genannt. Und die Uhr an der Wand steht still. Seit Jahren.

    Wie auch die Zeit in diesem Café, dem die letzte Stunde hoffentlich noch lange nicht schlägt.

    ACHIM SCHNEYDER

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