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Zuletzt aktualisiert: 21.12.2011 um 15:23 UhrKommentare

Steirische Ärztin verwendete Risiko-Brustimplantate

Eine steirische Ärztin hat die mangelhaften Brustimplantate der französischen Firma PIP bei acht Frauen eingesetzt, so die Agentur für Gesundheit und Ernährung (AGES). Bei dreien wurden sie wieder entfernt, die anderen werden beobachtet.

Der Chirurg Denis Boucq zeigt in Nizza ein defektes Gelkissen von PIP

Foto © ReutersDer Chirurg Denis Boucq zeigt in Nizza ein defektes Gelkissen von PIP

Nach mehreren Krebsfällen, die angeblich mit defekten Silikonkissen einer südfranzösischen Firma zusammenhängen könnten, stehen in Frankreich 30.000 Frauen vor der Entscheidung, ihre Brustimplantate entfernen zu lassen. Nach jüngsten Informationen der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) tragen in Österreich vermutlich sechs Frauen Implantate jener Firma im Körper, bei drei weiteren wurden sie bereits entfernt.

Zur Frage, ob eine Entfernung der Brustimplantate nötig sei, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger (S) am Rande einer Pressekonferenz in Wien: "Das ist eine medizinische Frage, die man an jeder konkreten Patientin konkret beurteilen muss." Es gehe dabei sowohl um das gesundheitliche Risiko als auch die soziale Zumutbarkeit. "Wir haben vonseiten der AGES sichergestellt, dass die Ärzte, die diese Implantate verwendet haben, die Patientinnen kontaktieren und ihren Gesundheitszustand überprüfen", betonte Stöger. "Rechtliche Konsequenzen sind anhand des jeweiligen Sachverhalts zu prüfen."

Fünf heimische Ärzte fanden sich laut Unterlagen der Herstellerfirma PIP auf der Kundenliste für die defekten Silikonkissen. "Es hat sich herausgestellt, dass vier davon die Implantate nie verwendet haben", sagte AGES-Bereichsleiter Marcus Müllner am Mittwoch der APA. Bis auf eine Medizinerin aus der Steiermark: Sie habe diese Implantate acht Frauen eingesetzt. Bei drei Patientinnen wurden die Eingriffe schon wieder rückgängig gemacht, vermutlich aufgrund eines Warnschreibens der AGES im September 2010. Damals hatten die französischen Behörden erstmals vor dem mangelhaften Produkt gewarnt.

Fünf Patientinnen der steirischen Medizinerin tragen die Implantate noch im Körper. Sie stünden unter Beobachtung, bisher habe es keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme gegeben, sagte Müllner. Zudem wusste der Experte von einer weiteren Frau aus Österreich, die ebenfalls ein PIP-Produkt hat einsetzen lassen, und zwar bei einem Eingriff im Ausland.

In Frankreich sollen mindestens acht Krebserkrankungen im Zusammenhang mit den defekten Silikonkissen aufgetreten sein. Angeblich gab es bereits zwei Todesfälle. Den Hersteller, die südfranzösische Firma PIP, gibt es schon seit 2010 nicht mehr: Die französischen Behörden hatten nach Patientinnenbeschwerden festgestellt, dass billiges Silikongel verwendet worden sei und die Kissen leicht lecken, und den Verkauf untersagt. Die Justiz ermittelt wegen Verdachts der Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung. In Frankreich liegen mehr als 2.000 Beschwerden von Betroffenen vor.

Experte: Zusammenhang mit Krebsfällen nicht erwiesen

AGES-Experte Müllner warnte vor Panikreaktionen: "Wir wissen, die Implantate sind nicht in Ordnung. Ob mehr dahintersteckt, sei dahingestellt", sagte er im Hinblick auf den Krebsverdacht. Laut jüngsten Informationen aus Frankreich handle es sich bei den acht bekannten Krebsfällen nur in einem Fall um ein seltenes Riesenzell-Lymphom, in fünf Fällen um Brustkrebs sowie um zwei weitere bösartige Krebserkrankungen. "Es liegt also keine Häufung einer seltenen Krebsart vor, wie zunächst angenommen." Seine Empfehlung: "Wenn es Hinweise auf eine Ruptur gibt, muss das Implantat raus, sonst nicht."

Brustimplantate würden von EU-Stellen untersucht. Grundsätzlich sei aber auch "jeder Arzt verantwortlich", die Qualität der von ihm verwendeten Silikonkissen zu überprüfen, sagte Stöger.


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