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Zuletzt aktualisiert: 20.12.2011 um 13:12 UhrKommentare

Bis zu 150.000 Personen sind insolvent

Die ehemalige Selbstständigkeit für eine Pleite ist die häufigste Ursache, gefolgt von Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit/Scheidung und sorglosem Umgang mit Geld und anderen Gründen. Überschuldete Privatpersonen haben im Schnitt 60.000 Euro offen.

Foto © bociek666 - Fotolia.com

Trotz Wirtschaftskrise gibt es 2011 sowohl bei den Privat- als auch den Firmenkunden eine positive Entwicklung; Insgesamt sind in Österreich nach Einschätzung des Kreditschutzverbandes 100.000 bis 150.000 Personen pleite. Rund 2,8 Millionen Einwohner haben einen Kredit laufen, 0,4 Prozent davon können nicht bedient werden. Über 3.255 Unternehmen wurden Insolvenzverfahren eröffnet, ein Minus von fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren sanken um ca. 9 Prozent. Zusammen ergibt das 5.856 Pleitefirmen bzw. einen Rückgang von 8 Prozent, teilte der KSV1870 am Dienstag vor Journalisten mit. Der Kreditschutzverband ist auch für 2012 optimistisch, eine Kreditklemme habe es heuer nicht gegeben und werde auch für das kommende Jahr nicht erwartet.

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es ebenfalls bei den Privatinsolvenzen, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so wirkt. Die Zahl der eröffneten Verfahren steigt heuer um 6,2 Prozent auf 9.590. Pro Gerichtstag entspricht dies 36 Personen, die eine Schuldenregulierung anstreben. Dass eine steigende Zahl positiv ist, liegt daran, dass nur jene Personen einen Privatkonkurs anstreben können, die über ein geregeltes Einkommen verfügen und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie die vereinbarte Rückzahlungsquote auch bedienen können.

Die Zahl der Privatinsolvenzen wurde wie schon in den vergangenen Jahren kaum durch die schwache Wirtschaft beeinflusst. Auch die Gründe für die Pleite sind seit Jahren die gleichen. Die ehemalige Selbstständigkeit ist die häufigste Ursache, gefolgt von Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit/Scheidung und sorglosem Umgang mit Geld und anderen Gründen. "Die oft zitierte angebliche Handyfalle spielt hingegen keine Rolle. Wenn es zur Insolvenz kommt, dann sind die Hauptgläubiger mit ca. 82 Prozent der Forderungen Kreditinstitute und Leasinggesellschaften. Andere Gläubiger - Versandhandel, Telekommunikation, Miete etc - spielen eine untergeordnete Rolle", so Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Überraschend ist, dass trotz der Wirtschaftskrise die Zahl der von einer Firmenpleite betroffenen Beschäftigten um 14 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Trotzdem mussten sich rund 20.600 Mitarbeiter mit der Pleite ihres Arbeitgebers herumschlagen.

Die Schulden in den privaten Regulierungsverfahren betrugen durchschnittlich 124.000 Euro. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 9 Prozent gegenüber 2010, wobei sowohl die Schulden der Privaten leicht rückläufig sind, als auch die der ehemals Selbstständigen. Die höchsten Schulden hatten Pleitiers in Niederösterreich und dem Burgenland, wogegen in Wien mit knapp über 100.000 Euro die Durchschnittsschulden am niedrigsten waren. In diesen Beträgen sind jeweils die Schulden ehemaliger Unternehmer, die aus der Rechtsform (Einzelunternehmer) haften, und echter Konsumenten gemixt. Die tatsächlichen Schulden der ca. 33 Prozent ehemaliger Unternehmer in den Verfahren betrugen ca. 250.000 Euro pro Fall, die Schulden der echten Privaten dagegen nur knapp unter 60.000 Euro.

Kantner appellierte einmal mehr an Schuldner, möglichst rasch das Problem anzugehen. Und er enttäuschte all jene, die meinen ein Privatkonkurs ist ein sorgenfreier Weg um die Folgen des Kaufrausches elegant los zu werden. "Ein Entschuldungsverfahren ist kein Spaziergang", warnte er. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind 150.000 Personen zahlungsunfähig geworden, "und zwar zu einem nicht unwesentlichen Teil durch die sogenannten Sparpakete der 90er Jahre, die allesamt in Wahrheit reine Belastungspakete darstellten. Eine ähnliche Entwicklung würde eintreten, wenn die 'Sparsamkeit' der gegenwärtigen Bundesregierung neuerlich auf dem Rücken des Konsumenten ausgetragen würde", gibt Kantner zu bedenken.

Bei den Firmenpleiten hat es regional eine sehr unterschiedliche Entwicklung gegeben. Während es im Bundesschnitt ein Minus von 8 Prozent gab, legte Niederösterreich als einziges Bundesland zu (plus 1 Prozent). Das stärkste Minus bei der Zahl der eröffneten Konkursverfahren gab es in Salzburg (minus 33 Prozent). Die größte Pleite 2011 entfällt auf die Investmentgesellschaft R-Quadrat mit Verbindlichkeiten von 93,5 Millionen Euro. Die meisten Pleiten gibt es auch heuer wieder in den Sparten Dienstleistungen, Bauwirtschaft und Gastgewerbe.


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