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Zuletzt aktualisiert: 11.12.2011 um 20:25 UhrKommentare

Betrüger geben sich als Polizisten aus

Bereits Geschädigte werden von Telefonbetrügern ein zweites Mal zur Kasse gebeten. Sie sollen Scheinüberweisungen für die Polizei tätigen.

Foto © KLZ / Helmuth Weichselbraun

Die Ausgangsgeschichte ist nicht neu: Das Telefon klingelt. Am Apparat freundliche Glücksengerln, nette Notare, die vorwiegend ältere Menschen zum Gewinn eines neuen Autos beglückwünschen. Doch den Gewinn gibt es dann nur für ein betrügerisches Callcenter. Durch vorgegebene Spesen und Überstellungsgebühren locken die Betrüger ihren Opfern Tausende Euros aus den Taschen.

"In letzter Zeit haben sich die Täter die negative Berichterstattung zunutze gemacht und den Spieß umgedreht", weiß Peter Berger vom Verein zur Prävention gegen unerlaubte Werbeanrufe und Telefonbetrug (VPT). Bereits Geschädigte werden abermals angerufen und um ihre restlichen Ersparnisse gebracht, diesmal allerdings - vorgeblich - von Bundeskriminalamt oder Interpol.

Mitarbeiter eines Callcenters mit Sitz im türkischen Istanbul geben sich als Ermittler aus und berichten, dass der Großteil der Täter überführt sei. Die Opfer werden gebeten, eine Scheinüberweisung in die Türkei zu tätigen. Mit dieser sollen die restlichen Täter ausfindig gemacht werden. Zudem nähren sie bei den Betrogenen die Hoffnung, ihr Geld zurückzubekommen.

Druckmittel

"Acht von zehn Geschädigten fallen auch bei der Polizeimasche wieder rein", berichtet Berger. Wird jemand skeptisch, gibt es Druck: "Sie haben sich durch Ihre Überweisung ins Ausland selbst der Geldwäsche schuldig gemacht", heißt es dann, oder "Sie werden zum Prozess in die Türkei zwangsvorgeführt". Verfolgt jemand die Telefonnummer zurück, landet er durch eine Software tatsächlich beim vorgeblichen Anrufer, zum Beispiel bei der Vermittlung des Bundeskriminalamts.

Die Täter bauen durch mehrere Anrufe Vertrauen auf, vermitteln Strukturen, indem sich auch andere Schein-Ermittler melden. Eile haben die Täter keine. Schon beim Autogewinnbetrug wird mit Hinhaltetaktiken manipuliert. Der zuständige Notar vertröstet die "Gewinner" so lange, bis diese selbst Druck machen und dann leichter geforderte Spesen bezahlen.

Da sich das verdächtige Callcenter, betrieben von einem 25-jährigen Deutsch-Türken, in einem Nicht-EU-Land befindet, gestalten sich die Ermittlungen schwierig. Erst wenn alle Fakten auf dem Tisch sind, können weitere Schritte eingeleitet werden, so eine mit dem Fall befasste Ermittlerin.

THOMAS KUHELNIK

Fakten

Es wird geraten, bei verdächtigen Anrufen aufzulegen und sich im Zweifel an die Polizei oder das Service-Team des VPT, Tel. 0 800 810 833, zu wenden.

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