Inzestfall erschüttert fränkisches Dorf

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Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth beginnt am Montag ein Aufsehen erregender Prozess um einen Inzestfall im fränkischen Dorf Willmersbach. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll dort ein Mann seine Tochter 34 Jahre lang regelmäßig vergewaltigt haben. Drei Söhne sollen aus diesem Inzestfall hervorgegangen sein. Die Anklage gegen den 69-jährigen Adolf B. lautet auf Vergewaltigung in 497 Fällen.
B. ist nur wegen der bis zum Jahr 1991 zurückreichenden, noch nicht verjährten Vergewaltigungsvorwürfe angeklagt. Damit werden nur die Fälle berücksichtigt, die ab dem 26. Geburtstag der heute 46-jährigen Frau geschahen. Doch ihr Martyrium soll schon ab ihrem zwölften Lebensjahr begonnen haben.
Knapp 500 Fälle in 20 Jahren bedeutet, dass der Rentner seine als Nebenklägerin auftretende Tochter etwa jede zweite Woche vergewaltigt hat. Drei Mal soll er seine Tochter geschwängert haben. Zwei der Söhne starben, ein Sohn lebt und ist behindert. Außerdem hat die Frau noch ein weiteres Kind, das von ihrem Onkel sein soll. Der Vater der 46-Jährigen bestreitet den körperlichen Kontakt nicht. In allen Befragungen durch die Polizei sprach er aber von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr.
Die Staatsanwaltschaft sieht die Dinge anders. Nach ihrer Auffassung schaffte es die im Haushalt der Eltern lebende Tochter nicht, sich dem autoritären Vater zu entziehen. Die Familie bewegt sich laut Gericht auf einem niedrigen Bildungsniveau, offenbar fehlten der Frau die Ideen, aus ihrer Lage zu entkommen. Der Vater sperrte seine Tochter zwar nicht wie in dem weltweit bekanntgewordenen Inzestfall von Amstetten ein. Er soll sie aber stets kontrolliert, bei Autofahrten und beim Einkaufen begleitet und außerdem keinen Kontakt zu anderen Menschen geduldet haben.
Die Vergewaltigungen geschahen zunächst im Elternhaus. Später soll er seine Tochter dann gezwungen haben, mit ihm in ihrem Auto in die Wälder um Willmersbach zu fahren, wo er sie dann auf dem Rücksitz des Wagens vergewaltigt haben soll. Im Ort wussten die Menschen angeblich von diesen Fahrten in den Wald. Unter den 24 geladenen Zeugen sind Willmersbacher, die dazu befragt werden sollen. Warum nie jemand nachfragte oder die Behörden einschaltete, ist bis heute ebenso ungeklärt wie die Frage, ob die Ehefrau und Mutter nicht auch etwas gewusst hat.










