2012-Experte: "Die Welt wird nicht untergehen"
Astronom: Nur "ein weiteres Datum in einer langen Reihe prophezeiter und nicht eingetretener Apokalypsen". Seit es Menschen gibt, sagen sie den Weltuntergang voraus, dies ist sei nichts Neues.

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"Die Welt wird 2012 nicht untergehen." Davon ist der österreichische Astronom Florian Freistetter fest überzeugt. Die Apokalypse habe sich weder am 21. Mai, noch am 21. Oktober 2011 ereignet, obwohl es der US-Prediger Harold Camping so vorhergesagt habe, sie werde morgen nicht stattfinden und auch nicht im Dezember 2012. "
Seit es Menschen gibt, sagen sie den Weltuntergang voraus, fast jedes Jahr gibt es einen Termin dafür. Das scheint irgendwie im Menschen drinnen zu stecken", betonte der Wissenschafter im Gespräch mit der APA. Insofern sei 2012 nur "ein weiteres Datum in einer langen Reihe prophezeiter und nicht eingetretener Apokalypsen".
Millionen Seitenaufrufe
Der in Deutschland als Wissenschaftsautor tätige Astronom hat in seinem Blog zahlreiche Artikel zu diversen Fragen rund um das Weltuntergangs-Szenario 2012 geschrieben, einzelne davon mit weit über einer halben Million Seitenaufrufen. Eher zufällig sei er zu dem Thema gekommen, so Freistetter, als er Ende 2008 ein paar Zeilen zum ersten Trailer des Katastrophenfilms "2012" von Roland Emmerich geschrieben habe. Binnen kürzester Zeit habe dieser Blog-Eintrag Zehntausende Aufrufe gehabt.
"Mir war dann irgendwie peinlich, dass dieser Drei-Zeilen-Artikel mein populärster Eintrag ist", erinnerte sich Freistetter. So begann er, auf seinem Wissenschaftsblog "Astrodicticum Simplex" das 2012-Thema umfangreicher zu behandeln. Im Gegensatz zu den zahlreichen selbst ernannten Weltuntergangs-Propheten, ist Freistetter damit einer der wenigen Wissenschafter im deutschsprachigen Raum, der sich aktiv zu dem Thema äußert.
Emmerichs Film ist für Freistetter der Grund, warum 2012 aus den anderen Weltuntergangsterminen so heraus sticht. "Bis dahin war 2012 nur eines von vielen Daten, die in der Esoterik-Szene herumgeistern aber in der breiten Bevölkerung nicht so präsent waren", so der Experte. Durch den Hollywood-Film und dem viralen Marketing dafür - etwa der Homepage des fiktiven "Institute for Human Continuity" - seien viele Medien begeistert auf das Thema aufgesprungen.
"Auch die ganzen Wald- und Wiesen-Esoteriker, die sonst ihre Duftkerzen und ihre Schamanen-Rituale verkauften, hatten dann plötzlich auch 2012-Rituale und 2012-Amulette im Angebot." Selbst jene Verschwörungstheoretiker, die sonst gerne über 9/11 oder UFOs diskutieren, sind offenbar dankbar: "2012 ist quasi zur Mutter aller Verschwörungstheorien geworden, die viele bis dahin existierenden derartigen Theorien in sich aufgenommen hat", sagte Freistetter.
"Panische Angst"
Der Astronom versteht, wenn Wissenschafter dem Thema durch seriöse Betrachtung nicht noch weitere Bedeutung schenken wollen. "Andererseits bekomme ich unzählige E-Mails von Leuten, auch von Kindern, die das Thema aufschnappen und nicht wissen, ob das ernst zu nehmen ist", und "panische Angst" hätten. "Insofern ist es schon wichtig, dass man sich als Wissenschafter dazu aktiv äußert und die Leute auch die Chance haben, zumindest ein paar vernünftige Dinge zu hören zwischen all dem Unsinn, der von den Leuten verteilt wird, die mit dem Thema Geld verdienen wollen."
Dass die Geschäftemacherei mit 2012 durchaus skurrile Blüten treibt wie Haustier-Sitter, die sich nach dem Weltuntergang um Hund und Katz kümmern, oder Angebote für Apokalypse-Survival-Kits, bestätigt Freistetter und verweist seinerseits auf 2012-Zaubersäckchen, 2012-Atlantis-Kristalle, Bunker-Angebote oder 500-Euro-Vorbereitungs-Seminare, etc. "Wenn man ohnedies schon in dieser Esoterik-Schiene drinnen und anfällig für diesen ganzen irrationalen Unsinn ist, dann denkt man nicht besonders nach und kauft solche Sachen."
Die zahlreichen Prophezeiungen - unbekannter Planet, sonderbare Planetenkonstellation, Polsprung, Erdbebenhäufungen, etc. - hält Freistetter für "Standard-Szenarien des Weltuntergangs". Schon zum Millennium 1999 sei "der ganze gleiche Mist aufgetaucht, der für 2012 prophezeit wird". "Das einzig wirklich Originäre am 2012-Thema ist der Maya-Kalender" - doch die besondere Bedeutung des Datums 21. 12. 2012 stamme nicht aus der Maya-Forschung, sondern ist "nur auf diesem esoterischen Mist gewachsen und hat immer mehr schon bestehende Theorien in sich aufgenommen".
Es gebe mit dem Dresdner Kodex zwar ein religiöses Buch der Maya, in dem am Schluss die Welt untergeht, aber das gibt es in jedem religiösen Buch, auch in der Bibel. Freistetter: "Die Mayas haben nichts prophezeit, es gibt keine Maya-Prophezeiung."











