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Zuletzt aktualisiert: 18.11.2011 um 13:11 UhrKommentare

2012: Scharlatane haben leichtes Spiel

"Beim Barte des Profites", so der Wissenschaftsjournalist Bernd Harder, "jeder kann sein schwer verdientes Geld ausgeben, wofür er will - auch für Quatsch und Nonsens." Dennoch sieht er Grenzen.

Foto © ©-THesIMPLIFY_Fotolia

"2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben. Leitfaden für Endzeit-Liebhaber" nennt sich das vor etwa einem halben Jahr erschienene Buch des deutschen Skeptikers und Wissenschaftsjournalisten Bernd Harder. Schräg, humoristisch und strikt an Fakten orientiert geht er den bekanntesten Theorien zum angeblichen "Schicksalsjahr" auf den Grund.

Mittlerweile findet er die Thematik nicht mehr ganz so spaßig. "Konkrete Weltuntergangsvorhersagen zu einem bestimmten Datum sind Unsinn, der ans Verbrecherische grenzt", meinte er gegenüber der APA. In Anbetracht der derzeit bei ihm eingehenden Anfragen vergehe einem schnell das Lachen. So habe zum Beispiel eine junge Mutter "ernsthaft besorgt angefragt, ob sie denn noch ihr Kind aufwachsen sehen kann." Er selbst wird die vermeintliche Apokalypse mit einer Party feiern.

Der studierte Politikwissenschafter spricht der morbiden Untergangsfreude einen gewissen Unterhaltungswert nicht ab - "Beim Barte des Profites - jeder kann sein schwer verdientes Geld ausgeben, wofür er will - auch für Quatsch und Nonsens." Derzeit werde aber übertrieben. "Mittlerweile gibt es sogar einen Weichspüler namens 'Mystery Maja' und ein Duschgel mit der Bezeichnung '2012 - Final Edition'", empörte er sich.

An allen Ecken drohen Enden

Warum ist das Ende der Welt aktuell überhaupt Thema? "Blühende Landschaften, übers ganze Gesicht strahlende Menschen und immerwährender Friede auf Erden werden auf Dauer doch etwas fade, oder?", sinnierte Harder. "Endzeit-Enthusiasten sind Pessimisten, und das aus durchaus guten Gründen: Schließlich drohen an allen Ecken Enden. Kaum mehr ein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaft und Krisenalarm. Nicht wenige Zeitgenossen scheinen dem menschlichen Treiben nur noch eine sehr begrenzte Frist zusprechen zu wollen." Bezüglich der Zielgruppe ortet er zwei grundsätzliche Strömungen: Leute, die wirklich Angst haben. Und jene, die eher mit der Apokalypse kokettieren. Letztere werfen sozusagen einen "kurzer Blick in den Abgrund, der ähnlich wie Horrorfilme zu Reflexion, Angstlust und Weltschmerz einlädt", meinte Harder zur APA.

Populärwissenschaftlich-skeptische Aufklärung liegt ihm und der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) grundsätzlich sehr am Herzen. "Zu gut" für die Auseinandersetzung mit ominösen esoterischen Phänomen ist er sich nicht. "Die allermeisten Wissenschafter es lehnen es ab, sich mit solchen Themen überhaupt zu beschäftigen. Diese Haltung halten wir für grundfalsch, arrogant und gefährlich. Gerade diese Leute hätten es in der Hand, öffentlich ganz klar Stellung zu beziehen und diesem ganzen Unsinn den Wind aus den Segeln zu nehmen." Dabei wäre eine Überprüfung auch für Durchschnittsmenschen meist gar nicht so schwierig. "Die 2012-Szenarien sind mit Schulphysik zu widerlegen", ist Harder überzeugt. Mithilfe eines simplen 20-Euro-Fernrohres könne man zum Beispiel erkennen, dass es den "Planeten X" / "Nibiru" nicht gibt.

Asteroiden müssen herhalten

Allerdings lässt selbst das nicht alle "Propheten" verstummen: Nachdem immer offensichtlicher wurde, dass es für "Nibirus" Existenz keinerlei Anhaltspunkte gibt, stürzte man sich derzeit ersatzweise auf die Asteroiden 2005 YU55 und Apophis oder den Kometen Elenin. "Diese realen Phänomene sollen irgendwie die 2012-Szenarien retten oder zumindest plausibler machen". Zum Teil steckt schon ein Körnchen Wahrheit in den Theorien. Fakt und Fiktion vermischen sich aber oft zu gefährlichem Halbwissen. Sonnenstürme und "Polsprünge" etwa existieren. "Nur hat es die schon immer gegeben und nichts davon kann einen globalen Weltuntergang auslösen".

Der unermüdliche Aufklärer hat übrigens eine Art "Lieblings-Endzeit-Szenario": die "Zombie-Apokalypse". Der Fan von Filmen über die Untoten schreibt derzeit sein 24. Buch. Thema: "Sie sind mitten unter uns - Die Wahrheit über Vampire, Zombies und Werwölfe". Wie wird der Autor selbst den Termin rund um den 21.12.2012 verbringen? Vermutlich mit seinen kritischen Kollegen, die in möglichst vielen Städten "Weltuntergangspartys" veranstalten wollen.


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